Hinwendung zum langsamen Schreiben: Neue Blütezeit für alte Schrift

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Schnelllebige Zeit ist Ursache

Hinwendung zum langsamen Schreiben: Neue Blütezeit für alte Schrift

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Das Computer- und Handy-Zeitalter, die Ära des Tippens und Wischens, hat zu einer Renaissance von Schönschreibkursen geführt, damit das Handschriftliche nicht völlig in Vergessenheit gerät. Außerdem wollen immer mehr Menschen die Schriften von gestern Lesen können…

Ein Beitrag von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

„Schauen Sie einmal – ist das nicht schön?“ Liebevoll streicht die Welserin Sigrid Marchgraber über ein in Kurrentschrift verfasstes Blatt Papier, auf dem die niedergeschriebenen Buchstaben und Zeilen so exakt ausgerichtet sind wie Gardesoldaten – alle in einer perfekten Linie.

Kurse gut gebucht

Nun sollte man nur noch lesen können, was der Schreiber mit dieser schönen Handschrift mitteilt. Handelt es sich um eine Liebeserklärung, eine schlichte Mitteilung oder eine geschäftliche Vereinbarung?
Vielen Menschen ist die Kurrentschrift, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die allgemeine Verkehrsschrift im deutschsprachigen Raum war, heute ein Rätsel (siehe dazu auch Kasten auf dieser Seite). Aber immer mehr Menschen wollen diese Schrift wieder lesen können, weil sie vielleicht alte Dokumente zu Hause herumliegen haben, die sie gern verstehen würden, erläutert Marchgraber.

Dazu aber müssen sie das Schreiben dieser Schrift erlernen, was gar nicht so schwierig ist und seit geraumer Zeit auch schon allerorten angeboten wird.
Welsern wird diese Fähigkeit von Sigrid Marchgraber vermittelt, deren zweitägige Kurse stets ausgebucht sind. Denn seit sich die Menschen wieder verstärkt mit Familienforschung beschäftigen, sind sie gezwungen, sich mit den alten Zeichen zu beschäftigen. Wer alte Kirchenbücher, Gerichtsakten oder Briefe von Vorfahren flüssig lesen möchte, muss die Kurrentschrift beherrschen. Auch viele interessante Kochrezepte von anno dazumal sind in Kurrent verfasst.

Schreiben mit Spitzfeder

Warum aber hat Marchgraber auch Kinder in ihren Kursen? „Weil die in der Kurrentschrift eine Art Geheimschrift sehen, die sie beherrschen wollen.“ Außerdem empfiehlt sie ihre Kurse auch jenen, die schlicht und einfach nur das schöne Schreiben nicht verlernen möchten. Denn je besser sich die technischen Geräte wie Computer und Handys entwickeln, umso weniger wird mit der Hand und mit der Feder zu Papier gebracht.

Dies sei jedoch wichtig, weil nicht das Tippen, sondern nur das Schreiben die Motorik verbessere und die Bildungschancen der Kinder erhöhe – wie Forscher herausgefunden haben. Denn beim Schreiben, so Experten, arbeiten nicht nur 13 Muskeln und 17 Gelenke zusammen, auch 12 Gehirnareale werden aktiviert. Zudem erhöhe das Schreiben von Texten per Hand die Merkfähigkeit.

Gänsekiel – Federkiel

Auch in dieser Hinsicht sind Interessierte bei Marchgraber in den besten Händen.
„Wir verwenden beim Schreiben in meinen Kursen nämlich noch Spitzfeder und Tintenfass“, sagt die 52-Jährige, deren Hobby die Kalligraphie ist. Für sie scheint es nichts Schöneres zu geben. Das merkt man auch daran wie sie liebevoll einen alten Gänsekiel streichelt.

Die deutsche Kurrentschrift wurde ursprünglich mit einem Federkiel geschrieben, erst später mit einer so genannten Bandzugfeder, was zu richtungsabhängigen Änderungen der Strichstärke führte. Seit dem 19. Jahrhundert verwendete man zum Schreiben auch eine Spitzfeder, was an- und abschwellende Linien erzeugte. „Wir in unseren Kursen schreiben noch den Schattenstrich“, sagt Marchgraber.

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