Oberösterreichs Prangerschützen lassen Volkskultur aufleben

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Verteidiger der Tradition

Oberösterreichs Prangerschützen lassen Volkskultur aufleben

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Oh! Hoher Besuch!“ ruft Rosi, die Frau des Oberwanger Prangerschützengründers Johann Grabner als sie gerade durch das Fenster der Wohnstube ihres Bauernhauses schaut: „Seine Majestät ist im Anmarsch!“ Mit Majestät meint sie den regierenden europäischen Schützenkönig Josef Lohninger (69) aus Vöcklamarkt.

Ein Beitrag von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

In voller Montur, mit allen Orden aber ohne Büchse, ohne den so genannten Prangerstutzen, schreitet Lohninger durchaus majestätisch auf den Hof zu, der in dem idyllisch gelegenen Oberwanger Ortsteil Radau in den Hügeln zwischen Mondsee und Attersee liegt.

Engagierte Vereine

Dort betreibt sein Kamerad Grabner mit seiner Familie einen Stiermastbetrieb, doch im Hauptberuf ist Johann Transportunternehmer und engagierter Prangerschütze in Oberwang.

Obwohl er den Oberwanger Verein 1985 mit Erich König (†) gegründet hat, ist Grabner heute nur noch einfaches Mitglied, aber Kassier im Oberösterreichischen Prangerschützenverband. Unter diesem Dach sind die Festschützen von 14 verschiedenen Orten zwischen Inn und Enns vereinigt: Aurach, Bad Ischl, Perwang, Kirchham, Lochen, Mondsee, Neukirchen, Oberwang, Palting, St. Wolfgang, St. Thomas (Grieskirchen) und Vöcklamarkt.

Volkskultur

„Alle diese Vereine sind auch Mitglieder im europäischen Verband der historischen Schützen“, erläutert Lohninger, wozu auch die so genannten Wehrschützen gehören. „Da wir Festschützen sind, war für uns die seinerzeitige Verschärfung des EU-Waffengesetzes nie ein Problem“, sagt Grabner auf Nachfrage, weil bei ihren Prangerstutzen keine Kugeln aus dem Lauf kämen, sondern nur Pulverdampf, da es ziemlich krache.

Dieses Krachen gehört für ihn jedoch zur Tradition, weil damit die Feste in unserem Land „eingeschossen“ beziehungsweise angekündigt werden.
„Dieser festliche Lärmbrauch gehört zur reichen Kultur von Oberösterreich“, bestätigt Landesverbandsobmann Franz Huber: „Das Schießen mit dem Prangerstutzen verkündet schöne Stunden der Gemeinschaft, es wird damit auf besondere Höhepunkte des Lebens und des Jahresablaufes aufmerksam gemacht.“

Viele Anlässe

Bei welcher Gelegenheit die jeweiligen Vereine aufmarschieren und „schießen“ richtet sich nach den jeweiligen Bräuchen im Ort. „Wir zum Beispiel, in Oberwang, gehen am Neujahrstag von Haus zu Haus, um auf das neue Jahr hin zu weisen“, sagt Prangerschütze Johann Grabner. In Vöcklamarkt wiederum „schießen“ Lohningers Prangerschützenkameraden zu Ostern die Auferstehung ein.

Auch bei Geburten rücken da und dort die Prangerschützen aus.
Der ehemalige ÖVP-Landtagsabgeordnete und nunmehrige Landesjägermeister Sepp Brandmayr sieht in dieser Tätigkeit einen „wertvollen Beitrag zur Erhaltung unseres Brauchtums und unserer Volkskultur.“ Denn viele Feste würden von den Prangerschützen mitgestaltet und erhielten dadurch einen feierlichen Charakter.

Hoher Stellenwert

Gerade das Salzkammergut sei eine Region in dem diese Werte noch einen hohen Stellwert hätten und mit der Bevölkerung tief verwurzelt seien, pflegte der frühere Verbandsobmann der Heimat- und Trachtenvereine, Peter Steinkogler, stets zu betonen und schon bei früherer Gelegenheit stellte er fest: „Gerade in einer Zeit, in der Europa näher zusammenrückt, wird es immer wichtiger, den Wert unserer Heimat hochzuhalten.“

Konkret meinte er damit, „das bodenständige Brauchtum und die traditionelle Volkskultur.“ Das findet auch Johann Grabner, der sich – was die Pflege der Tradition in seiner Heimatgemeinde betrifft – nicht beklagen kann. „Oberwang hat 1.700 Einwohner, wovon 47 aktive Mitglieder der Prangerschützen sind – mehr als 3 Prozent der Bevölkerung.“ Kann man mehr verlangen?

Gut aufgehoben

Man muss, ist er sich mit Lohninger einig. In Vöcklamarkt habe der Ort zwar fast so viele Einwohner (4.728) wie die Postleitzahl (4870), dennoch hat der örtliche Prangerschützenverein nur an die 30 aktive Mitglieder.

Doch auch dort bemühe man sich ständig um die Jugend, versichert Lohninger. „Wichtig ist es den jungen Leuten zu sagen, dass sie bei uns eine Heimat haben, in der sie gut aufgehoben sind“, betont Grabner: In einer Zeit wie heute, in der rundherum viele Gefahren lauerten, sei dies sogar ziemlich wichtig.

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