Viele Gründungen sind einfach sagenhaft

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Viele Gründungen sind einfach sagenhaft

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Viele nützen die Ausflugszeit und die Kurzurlaube um die Maifeiertage dazu, Burgen, Schlösser, Ruinen, Stifte oder markante Kirchen zu besuchen und das heimatkundliche Wissen aufzufrischen bzw. anzureichern.

Bei vielen Objekten kommen Gründungssagen hinzu, die zwar keinen Anspruch auf historische Fakten erheben können, aber volkskundlich interessant und unterhaltsam sind. Sie haben sich im Laufe der langen Überlieferungszeit entwickelt und geben auch verschiedenen Lesarten Raum.

Sagen aus Oberösterreich

Blicken wir zum Beispiel auf die Gründung des Stiftes Kremsmünster zurück, ziehen zwei Sammlungen „Sagen aus Oberösterreich“ zu  Rate, die Erich Weidinger (Verlag Ueberreuter) und Friedl Hofbauer (Kremayr&Scheriau) zusammen gestellt haben. Und begleiten Gunther, den Sohn Herzog Tassilos von Bayern, auf die Jagd im dicht bewaldeten Raum von Kremsmünster. Auf ein Wildschwein hat es der junge Draufgänger abgesehen. Und es betritt auch bald ein wilder Eber die Forstbühne.

Wütende Wildschweine

Das Duell wird in Details unterschiedlich geschildert. Bei Weidinger stößt Gunther dem Eber den Speer in den Rücken und fällt dabei vom Pferd. Das verletzte Borstenvieh fällt ihn an, der Jüngling zückt das Schwert und kann das Tier töten.

Doch die schweren Verwundungen des Herzogsohnes führen zu dessen Tod. Bei Hofbauer schleudert Gunther den Spieß gegen den Eber und verletzt ihn im Nacken. Das wütende Wildschwein verwundet daraufhin mit seinen spitzen, starken Hauern den Jäger tödlich. Dass auch das verletzte Tier stirbt, muss man sich denken…

„Schneeweißer“ Hirsch mit einem Lichtschein

Teil 2, die nächtliche Trauer des Vaters Tassilo neben seinem toten Sohn: Bei Weidinger tritt plötzlich aus dem dunklen Wald ein Hirsch hervor, dessen Geweih hell und weit leuchtet – und verschwindet wieder. Bei Hofbauer kündigt sich der „schneeweiße“ Hirsch mit einem Lichtschein an. Er trägt auch ein rot flammendes Kreuz zwischen den Geweihspitzen und stellt sich kurz neben Vater und Sohn, ehe er abtaucht.

Teil 3, die Konsequenz: Die himmlische Rotwild-Regie lässt anno 777 in Tassilo flugs den Entschluss reifen, für den Sohn eine Gedenkstätte zu errichten. Bei Hofbauer liest man von einer Kapelle aus Holz, die später durch eine Kirche mit Gunthers Grabstätte ersetzt wird. Bei Weidinger erfolgt gleich die Klostergründung, die nun schon 1.240 Jahre zurückliegt.

„saaagenhafte“ Schilderung…

Teil 4, die Tatsachen: In Franz Ertls Führer „Kremsmünster – Denkmal der Frühgeschichte“ gehen wir der „saaagenhaften“ Schilderung auf den Grund. Demnach soll ein bayerischer Markgraf, damals „Cunt“ genannt, auf einem Patrouillenritt im umstritt­enen Niemandsland auf den awarischen Spähtruppführer, einen Epor, gestoßen und im Zweikampf ums ­Leben gekommen sein. Womit also dessen „Heldentod“ die Stiftsgründung bewirkt  haben dürfte.

…mit einem Augenzwinkern

Ein Gunther ist zudem in keiner Urkunde der Gegend vermerkt und kann auch gar nicht Tassilos Sohn gewesen sein. Denn die Gebeine in besagtem „Gunthergrab“ stammen von einem rund 35-jährigen Mann. Doch im Jahr 777 war Herzog Tassilo auch erst 35 und somit als Vater auszuschließen. Soweit die nüchterne Historie, die gottlob ihre Sagen gebiert, die man mit dem entsprechenden Augenzwinkern liest…

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