Von Gug(e)ln und Kopftüchern

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Von Gug(e)ln und Kopftüchern

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Natürlich gehört es seit jeher zum Brauchtum, was die Bekleidung betrifft: Das gute, alte Kopftuch nämlich, das in letzter Zeit nicht in die modische, sondern in die politische Diskussion geraten ist.

Für letztere ist in diesem Beitrag aber kein Platz, wir verfolgen ausschließlich die Spuren, die das den Kopf schützende und zierende Textilstück im Laufe der Jahrhunderte hinterlassen hat.

Das Kopftuch der Bäuerinnen

Zunächst stößt man auf den Ausdruck „Gug(e)l“, und zwar deshalb, weil einem aus der Kindheit noch immer dieser Begriff als Synonym einer einfachen Kopfbedeckung für Frauen ein Begriff ist. „De oide Bäuerin mit‘n Gugl auf‘n Kopf“ klingt einem da noch im Ohr. Und bekommt im Danubia-Volkslexikon (1948) unter „Gugel“ bestätigt: „1) Mönchskapuze mit Schulterkragen, schon im Altertum gebräuchlich 2) in österreichischer Mundart: das Kopftuch der Bäuerinnen“.

Noch eingehender ist der Name im „Wörterbuch zur oberösterreichischen Volksmundart“ beschrieben: „Gugl: 1.Gupf, Kogel, Bodenerhebung. Vgl. Auf der Gugl am Bauernberg in Linz. – 2. herabgebundenes Kopftuch, auch von Berigln verwendet. – Aus mittellateinisch cuculla, mittelhochdeutsch gugel“.

Kugelartiger Kopfputz

In diesem Zusammenhang seien auch gleich die „Berigln“ vorgestellt: So bezeichnet man im Ausseer Land die schiachn Perchtn/Maschkerer. Nur ein Leseschritt ist es zur „Guglhaubm“, die lexikalisch definiert ist als „eine wie eine Gugl (Kapuze) den ganzen Kopf einhüllende Haube, unterm Kinn mit zwei Bändern gebunden; früher kugelartiger Kopfputz.“

Eine interessante Gug(e)l-Spur führt in „Das große Handbuch der Oper“, in dem man tatsächlich ein Werk mit besagtem Wort finden kann, nämlich die 1901 in Bremen uraufgeführte Oper „Gugeline“ des in Südtirol geborenen Ludwig Thuille (1861 – 1907). Die Sopranrolle der Titelheldin ist beschrieben mit „Gugeline, ein Mädchen vom Land“, das nach einem Verwirrspiel im 5. Akt sein Glück in den Armen eines Prinzen findet.

Mittelalter-Mode

Ursprünglich ist die Gugel genau definiert als „ein ab den Hochmittelalter nachweisbares Kleidungsstück, das fast ausschließlich von Männern getragen wurde.Die Gugel war eine kapuzen­artige Kopfbedeckung, die auch die Schultern bedeckte und aus verschiedenen Stoffen, vor allem aus Wolle, angefertigt wurde“.

Die Kopftücher, wie wir sie heute kennen, sind ein „dreieckiges oder zu einem Dreieck gefaltetes Stück Stoff, mit dem der Kopf bedeckt wird. Es kann auf verschiedene Arten getragen werden, meist unter dem Kinn oder im Nacken verknotet, aber auch lose hängend oder in anderen Varianten“.

Arbeitsschutzbekleidung

Auf bildlichen Darstellungen, von der Malerei bis zum Fernsehbild, sind durchwegs Frauen als Kopftuch-Trägerinnen ausgewiesen.

Historisch in persönlicher Erinnerung sind vielen noch unsere „Trümmerfrauen“ nach dem 2. Weltkrieg, die den Bombenschutt wegräumten und sich vor Schmutz und Staub mit einem Kopftuch schützten. Dieses war auch lange Zeit Teil der vorgeschriebenen Arbeitsschutzbekleidung.

Heutzutage sieht man bei uns auch mitunter Männer mit Kopftüchtern, und zwar den „Bandanas“, die in der Art eines Piraten-Kopftuches getragen werden, das auch von den Rockern gezeigt wird. Womit wir endgültig beim modischen Accessoire gelandet sind.

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