Zu Gast in der ältesten Schule Oberösterreichs

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Zu Gast in der ältesten Schule Oberösterreichs

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„15 DOMUS DISZIPLINAE 77“ steht über der Eingangspforte am Haus neben Bad Leonfeldens Pfarrkirche geschrieben. Wir treten ein in das „Haus der Erziehung“, das älteste Schulgebäude Oberösterreichs und eine Reise durch 400 Jahre österreichische Bildungsgeschichte beginnt.

Ein Beitrag von Elsa Mittmannsgruber

Bis ins Jahr 1850 war hier eine Schule, später sogar ein Bezirksgericht. Heute ist das historische Bauwerk eine geschichtliche Schatzkammer: das OÖ Schulmuseum.

Zeitreise durch 400 Jahre Schulgeschichte im OÖ Schulmuseum in Bad Leonfelden

Unsere Zeitreise mit Museumsleiter Norbert Frühmann beginnt im Jahre 1577, das Geburtsjahr des „Hauses der Erziehung“. Damals wurde das Gebäude als Pfarrschule im Sinne einer religiösen Ausbildung für Buben genutzt. Erst 200 Jahre später wandelte sich das Pfarrhaus durch Maria Theresias Einführung der Allgemeinen Schulordnung zu einer Bildungsstätte für Mädchen und Jungen.

„Damals gab es noch keine Lehrer, deshalb unterrichteten alte Kriegsveteranen, was die Schule sehr militärisch machte“, erklärt der Pädagoge Norbert Frühmann und drückt mir einen Lebkuchen in die Hand, worauf das Alphabet zu lesen ist. „Ein ABC-Täfelchen“, klärt er mich auf. Sie gelten als die ersten Lese­utensilien Europas und wurden auch noch zu Zeiten Maria Theresias statt den Schulbüchern zum Lesen-Lernen verwendet.

Schulanfänger erhielten schon im Mittelalter einen Lebkuchen in Form eines Alphabet-Täfelchens. „Ihr Verzehr sollte die Lernbegierde und das Auffassungsvermögen fördern und diesen schönen alten Brauch möchten wir wieder aufleben lassen“, schildert der Museumsleiter, der die Täfelchen in der alten Lebzelterei in Bad Leonfelden in ursprünglicher Form und Rezeptur herstellen lässt.

Wandbilder und Gruselpuppen

Während ich den köstlichen Lebkuchen verzehre, betrachten wir einen kleinen Ausschnitt der rund 700 Wandbilder, die das Schulmuseum verwahrt und lauschen dabei Norbert Frühmanns spannenden Anekdoten. „Was verbirgt sich wohl hier dahinter?“, fragt mich der begeisterte Schulexperte dann vor einer schweren Holztür. Sie wirkt unheimlich, vor allem, wenn man als Kind zu viele Geisterfilme gesehen hat.

Frühmann öffnet die Tür, ich schrecke mit einem Jauchzen zurück und sorge damit für allgemeines Gelächter. Denn was mich so erschrocken hat, war eine Puppe in Gestalt eines Jungen, der umringt von Ratten und Heu sein Geschäft verrichtet. „So war das damals“, kommentiert Frühmann sichtlich erheitert und legt sein historisches Wissen eingehend dar bis wir vor der nächsten Tür stehen.

„Den Brotkorb höher hängen“

Hier ist mir klar, was sich dahinter verbirgt, denn es ist eine Kerkertür. Doch wieder erwartet mich eine Überraschung: Spielende Kinder, ein Gelehrter, Hühner und ein hängender Brotkorb. „Kennen Sie das Sprichwort ,Jemandem den Brotkorb höher hängen’? Das bedeutet jemanden strenger zu behandeln, weil man meint es gehe ihm zu gut.

Früher mussten nämlich die Schüler ihr Jausenbrot vor den Mäusen in Sicherheit bringen und legten es in einen Brotkorb, der an einem Strick im Klassenzimmer hing. Waren die Kinder schlimm, drohte der Schulmeister den Korb höher zu hängen, damit sie ihn nicht mehr erreichen“, klärt mich der Museumsleiter auf. „Und ja, einst wurde dieser Raum wirklich als Kerker genutzt. Nämlich für die Väter, die sich weigerten, ihr Kind in die Schule zu geben, weil sie es für die Arbeit zu Hause benötigten“, erzählt Frühmann weiter.

Der strenge Schulmeister lehrt

In unserer Führung quer durch die Jahrzehnte erfahre ich noch allerhand Wissenswertes aus den mitreißenden Erzählungen Norbert Frühmanns, welche man so sicher in keinem Buch nachlesen kann. Wir passieren das Lehrmittelkabinett und schließlich eine beeindruckende Schulklasse aus dem 19. Jahrhundert.

Hier überrascht uns Frühmann sogar mit einer historischen Schulstunde, die er normalerweise für Schulklassen abhält. Dabei schlüpft er in die Kleidung und Rolle des strengen Schulmeisters oder des „zimperlichen Fräuleins“. Bei uns war es der Schulmeister, der mir an der Tafel das Lesen der Kurrentschrift lehrte. Danach musste ich auch noch mit Griffel auf einer Schiefertafel einen Schreibtest absolvieren: Zum Glück bestanden!

Kritik an der Schulreform

Als sich dann der Schulmeister wieder zum Museumsleiter gewandelt hat, erklärt er mir am Rückweg, was er vor allem Erwachsenen mitgeben will: „Das Museum soll Einsichten in die Erziehung und den Unterricht ermöglichen“ und zeigen, was schlechter aber auch besser gemacht wurde. Denn die gegenwärtige Schul- und Bildungssituation betrachtet Frühmann kritisch.

Die Schulreform sei nicht gelungen: „Die Schule ist kein Unternehmen, die Reform ist völlig fremd jeder Praxis“. Vorbild und Mittelpunkt sollte die Beziehung der Lehrer zu den Kindern sein. Die Kinder solle man begeistern, mit ihnen üben, richtiges Lehrmaterial einsetzen und auch das Musische und Kreative fördern. „Die Schule ist überfrachtet und das Wesentliche tritt dabei in den Hintergrund“, weiß Frühmann.

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