Nanu? Sebastian Kurz scheint sein Land wirklich wichtiger zu sein als seine Person: Der türkise „Wunderwuzzi“ eignete sich offenbar über Nacht die Fähigkeiten der Zweiteilung an. So zumindest ließe sich der heutige Kontrollverlust der „Message Control“ interpretieren. Denn während Kurz eigentlich gerade als Abgeordneter im Nationalrat angelobt wird, sollte er sich gleichzeitig auf dem Weg in die Schaltzentrale in der EU befinden. Diesen Schluss ließ zumindest sein Twitter-Account zeitweise vermuten. Das Netz amüsiert sich trefflich über den peinlichen Fauxpas der ÖVP-Mitarbeiter, die wohl einfach die Konten ihrer beiden Galionsfiguren verwechselten. 

  • Macht der Gewohnheit, Ehrlichkeit über Machtverhältnisse oder nicht unterscheidbares politisches Profil?
  • Offenbar darf der Steuerzahler weiterhin für die Betreuung der Kurz-Accounts aus dem Kanzleramt bezahlen
  • Opposition sieht darin ein weiterhin Indiz, dass das „System Kurz“ mit Schallenberg einfach fortgeführt wird

Kurz-Flucht in die Immunität statt Flug nach Brüssel

Eigentlich soll wohl der neue Kanzler Alexander Schallenberg einen Dienstantrittsbesuch in Brüssel ableisten. Dies lässt zumindest die Wortwahl schließen: Immerhin ist von der „ersten Reise als Bundeskanzler“ die Rede. Auch das mitgelieferte Bild zeigt den gelernten Diplomaten – und nicht Kurz, der heute sicherlich lieber im Flugzeug säße und garantiert ohne „Pöbel“ mit seinen globalistischen Freunden in Brüssel gemauschelt hätte, als nur in die parlamentarische Immunität zu flüchten.

Aber eines ist somit klar: Schallenberg übernimmt wohl das Social-Media-Team seines Vorgängers. Offensichtlich tut es sich noch sichtlich schwer, die beiden ÖVP- Politiker auseinander zu halten. Denn abgesehen von der doch etwas unterschiedlichen Optik lässt derzeit nichts erahnen, dass Schallenberg ein anderes Profil pflegen wird als Kurz. Immerhin bekannte er sich offen im Parlament zu dessen Kurs und nahm den skandalumwitterten Parteichef in Schutz.

(Nicht) aus dem Schatten des Schattenkanzlers treten

Seine Kritiker sehen ihn als „Platzhalter“ und Kurz als „Schattenkanzler“. Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Kommissionspräsidentin Ursula Von der Leyen, die sich in eine Ex-Adelsfamilie einheiratete, den blaublütigen Kollegen erkennt. Immerhin hatte Kurz seinen einstigen Außenminister bei seinen illustren Auslandsreisen oft im Schlepptau.

Die Darstellung als Strippenzieher in der Partei gefiel dem Neo-Klubobmann der Türkisen ganz und gar nicht. Eifrig beteuerte Kurz am Vortag: „Ich bin kein Schattenkanzler“. Zwar war der peinlichen Pannen-Post nur wenige Sekunden online. Für einen Screenshot durch aufmerksame Zeitgenossen reichte es aber dennoch.

Steuerzahler darf für Kurz‘ Account-Betreuung blechen

Die Sache hat aber nicht nur eine lustige Note – sondern auch einen ernsten Hintergrund. Denn nun stellt sich wohl nicht zu Unrecht die Frage: Muss der Steuerzahler hier etwa weiterhin das mutmaßlich fürstliche Gehalt eines Mitarbeiters finanzieren, der aus dem Kanzleramt heraus die Öffentlichkeitsarbeit für den ÖVP-Chef erledigt?

So mancher Twitter-Nutzer wundert sich, dass die Grünen als Juniorpartner sich weiterhin von der Kurz-Partie „frotzeln“ lassen. Denn so wirklich wie ein endgültiger Abschied aus dem Kanzleramt hört sich die weitere Betreuung der Social-Media-Agenden durch das bisherige Stammteam nicht an…

Opposition sieht „System Kurz“ in nächster Runde

Auch bei der Opposition kann man sich die Schadenfreude nicht so recht verkneifen – und warnt gleichzeitig vor der Bedeutung des Umstandes, dass das Kanzleramt offenbar auch weiterhin das Twitter-Konto von Kurz betreut. Für die Salzburger FPÖ-Landeschefin Marlene Svazek ist dies ein Indiz, dass das „System Kurz“ weitergeht.

Ähnlich sah dies auch die SPÖ-Abgeordnete Julia Herr: „Das ist kein Neustart, das ist eine Farce!“

Die NEOS erinnerten an Kurz‘ Schattenkanzler-Dementi:

Verwunderung auch in der Medienlandschaft

Mit merklich einigem Schmunzeln nahm auch der ZiB2-Moderator Martin Thür, dessen Kurz-Interview in der öffentlichen Wahrnehmung maßgeblich zum Sturz des jungen Altkanzlers beitrug, zur Kenntnis. Auch er zitierte die jüngste Kurz-Aussage.

Auch deutsche Medienmacher sahen den Fauxpas als exemplarisch an. Die mangelnde Glaubwürdigkeit der türkisen Kanzler-Rochade ist somit mittlerweile sogar schon bei den Journalisten in unserem Nachbarland zur Lachnummer geworden.

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