Wissen Sie, was Diktokratie ist? Ein Unwort der Zukunft, sagt die Wortschöpferin desselben – und die ist keine geringere als Kanzler-Beraterin Antonella Mei-Pochtler.

Kommentar von Kornelia Kirchweger

Überwachung als ‚Selbstkontrolle‘?

Ja, das ist jene Dame, die kürzlich in der Financial Times im Zusammenhang mit einer Corona-Verfolgungs-App ankündigte: „Diese wird Teil der neuen Normalität sein. Jeder wird sie haben. Ich glaube, die Menschen werden sich selbst kontrollieren wollen“. Denn eine Pandemie müsse irgendwann auch von unten nach oben gemanagt werden.

Stimmt. Denn wenn keiner mitmacht, geht der Befehl ins Leere. Deshalb braucht es Diktokratie. Herr Kurz geht das schon merklich an, wenn auch noch verhalten. Mei-Pochtler ist ja seine engste Beraterin auf dem Weg zur „Normalisierung des öffentlichen Lebens“ nach Corona. Er hört ganz bestimmt auf sie.

Manipulation des blöden Bürgers

In einer Kolumne im „Standard“ erläuterte die Top-Beraterin vor einigen Jahren, warum an der „Diktokratie“ kein Weg vorbei führe. Politik ist dabei gleich Produkt-Marke. Und es geht um Markenführung. Wie erreicht man die? Durch Führen und Verführen. Einpeitschen und Einflüstern. Diktatur und Demokratie. Diktokratie eben.

Im Zentrum dieser Bemühungen stehen wir: die Konsumenten, die Staatsbürger, die Steuerzahler. Die Erhalter jener, die uns sagen, wo es langgeht und uns freundlich erklären, warum wir vom Geld, das man uns abnimmt, nur wenig oder gar nichts zurückkommen.

Wir, die Masse – vermeintlich manipulierbar wie der Pawlowsche Hund, der beim Läuten des Glöckchens sabbert, weil man ihm das „Fressen“ vorgaukelt.

Der Köder: die „Neue Normalität“

Marken müssen Stärke zeigen, den „Abglanz fremder Träume“ vermitteln, heißt es weiter. Hat übrigens schon ganz gut funktioniert. Etwa bei der EU-Beitrittskampagne. Gemeinsam, statt einsam, bläute man uns damals ein. Und jetzt: aus der Traum. Oder Greta Thunberg im Kampf gegen die Klimakatastrophe.

Abgelöst, durch einen noch größeren Feind: das Virus Corona, hochgepusht zur Polit-Marke, die aber auch nicht mehr so recht zieht. Doch das nächste Produkt wartet schon. Die „Neue Normalität“, die Erlösung, die heile Welt, in der alles gut wird. Wenn wir uns nur diktokratisch fügen.

Zum Beispiel, Apps akzeptieren, die Auskunft darüber geben, wann wir uns wo mit wem treffen. Oder uns mit einem unbekannten Impfstoff gegen einen noch unbekannteren Feind immunisieren lassen.

Der Traum – unser altes Leben

Denn wir alle haben diesen Traum: das wieder zu dürfen, was wir vorher durften, in der Demokratie. Die ist dann halt mit einer Brise Diktatur gewürzt. Diktokratie ist die Zukunft, erklärt die Kanzler-Beraterin.

Erfolgreiche Marken wie Nokia, Adidas oder Puma machen das so: sie hören, was der Kunde will, finden heraus, was er wirklich braucht, und projizieren etwas (gaukeln ihm vor), was er wünscht….das seien Marken, die wirklich Wert schaffen.

Diktokratie? Nein, danke!

„Wir müssen uns trauen, mit Widersprüchen zu leben… Führung und Freiheit. Peitsche und Zuckerbrot. Diktatur und Demokratie“ – sagt die Kanzler-Beraterin. Alles, was mir, als kritischer Bürger und Konsument, dazu noch einfällt, ist ein lautes und entschiedenes: Nein, danke!