Für Gesundheitspersonal und körpernahe Dienstleister solle es – zumindest für die Dauer der Pandemie – eine Impfpflicht geben, forderte nun die Leiterin der Bioethikkommission, Christiane Druml, die Bundeskanzler Sebastian Kurz u.a. zum Thema Impfen berät.

Von Kornelia Kirchweger

Das „Freiwilligkeits-Mantra“ der Bundesregierung sieht sie kritisch: das führe zu einem Misstrauen gegenüber der Impfung. Wichtig sei die RICHTIGE Information, sonst könnten die Milliarden für den Kauf der Impfstoffe verloren sein.

Impfverweigerer woanders einsetzen

Statt von Impfpflicht rede sie lieber von „Berufsausübungserfordernis“. Laut Epidemiegesetz könne eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal (Ärzte, Krankenschwestern, etc. ) zwar angeordnet werden, zwingend sei sie aber nicht. In Spitälern wird das aktuell nur bei Neueinstellungen verlangt. Das wäre auch für körpernahe Dienstleister, wie Friseure, Fußpfleger, etc. sinnvoll. Aber das entscheide die Politik, meint sie. Wer sich aus diesen Berufsgruppen nicht impfen lassen wolle oder könne, sei eben „anders einzusetzen“, empfiehlt sie. Das sei nicht neu, es dürfen ja jetzt auch schwangere Friseurinnen Kunden nicht die Haare färben. Für eine generelle Impfpflicht ist Druml nicht. Neben Wirksamkeit und Verträglichkeit sei nämlich u.a.  auch zu klären, ob man mit einer Impfung andere anstecke oder nicht.

Keine Nebenwirkungsdatenbank

Um das „Für und Wider“ abwägen zu können, müssen die Menschen jedenfalls gut über die Impfung informiert werden. Sie sagt auch gleich dazu, was man den Leuten sagen soll: nämlich, dass die Entwicklung des Impfstoffes nicht übereilt, sondern lediglich die Behördenwege abgekürzt wurden. Dass der wichtigste Teil noch fehlt, nämlich die über Jahre gewonnenen Erkenntnisse zur Wirkung von Impfstoffen am Menschen, erwähnt Frau Druml nicht. Allerdings forderte die Kommission schon  2015 eine „Nebenwirkungsdatenbank“ für Impfungen. Öffentlich und leicht verständlich. Die gebe es leider bis heute nicht, bedauert Druml. Die britische Regierung ist gerade dabei, so etwas aufzubauen. Denn wegen der neuen Corona-Impfung rechnet sie mit einer Lawine unerwünschter Nebenwirkungen.

Beratungsgremium des Bundeskanzlers

Die Bioethikkommission berät den Bundeskanzler „in allen gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen und rechtlichen Fragen aus ethischer Sicht, die sich im Zusammenhang mit der Entwicklung der Wissenschaften auf dem Gebiet der Humanmedizin und -biologie ergeben“. Sie wurde 2001 unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gegründet, insbesondere im Hinblick auf Neuentwicklungen in der Gentechnologie, Stammzellenforschung, Klonen oder Sterbehilfe.