Wie auch Österreich befindet sich Israel bereits zum dritten Mal im Lockdown. Jetzt wurde dieser noch verschärft: Seit Mitternacht dürfen sich die Israelis nicht mehr über einen Radius von 1.000 Metern von ihren Wohnstätten entfernen. Israels restriktive Corona-Politik fungiert für Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz bekanntlich als Vorbild. Wird auch er seine Bürger, die Österreicher, bald einsperren?

Wir erinnern uns: Erst als sich das Corona-Virus nach allen vorangegangen Warnungen längst in Österreich eingeschleppt war, schwenkte die Regierung auf die mittlerweile jedem in Theorie und Praxis bekannte, restriktive Lockdown-Politik um. Doch es waren nicht die verstörenden Bilder aus China und auch nicht die Schreckensszenarien aus Italien, die den Bundeskanzler im Vorjahr zur restriktiven Corona-Politik motivierten. Es war ein Telefonat mit Benjamin Netanjahu im März, von dem Bundeskanzler Sebastian Kurz später sagen sollte, dass es ihn „wach gerüttelt“ habe. 

Eingesperrt in 1.000-Meter-Radius

Im Unterschied zu Österreich durften in Israel bisher auch während des Lockdowns auch alle Geschäfte und Schulen geöffnet halten. Damit ist nun Schluss. Für mindestens 14 Tage sollen die radikalen Verschärfungen andauern, die die Israelis in einem Radius von 1.000 Metern rund um ihre Wohnstätte gefangen halten sollen. Lediglich Arztbesuche und Lebensmitteleinkäufe erlauben den Israelis hinkünftig, sich außerhalb des 1.000-Meter-Radius zu bewegen.

Israel: Freiwilligkeit spielt bei Impfungen keine Rolle

Die Verschärfungen wurden nur wenige Stunden nach dem Eintreffen der ersten Lieferung des Covid-mRNA-Impfstoffs des US-Pharma-Konzerns Moderna eingeführt. Auf Freiwilligkeit scheint Israel in der Impf-Frage nicht zu setzen. So kündigte Netanjahu bereits an, dass alle Israelis die älter als 16 Jahre sind, bis März durchgeimpft sein sollen. Israel werde dadurch das erste Land sein, das Corona hinter sich lasse, versprach Netanjahu, der sich derzeit auf die bevorstehenden Neuwahlen im März vorbereitet.

Israel erste Corona-Diktatur?

Bereits zum vierten Mal in nur zwei Jahren müssen die Israelis im März wieder zur Wahlurne. Grund dafür ist, dass es Premier Netanjahu seither nicht gelungen ist, sich auf eine funktionierende Koalition zu einigen. Sogar parteiinterne Kritiker warnen bereits davor, dass Israel die Demokratie hinter sich gelassen habe. Denn vor allem durch die Corona-Notdekrete konzentriere sich alle Macht auf Benjamin Netanjahu, obwohl dieser keine parlamentarische Mehrheit hinter sich hat. Auch der israelische Historiker Yuval Harari warnte bereits davor, dass in Israel „die erste Coronavirus-Diktatur“ entstehe.

Kurz ließ Gesundheitsministerium erneut von Israel beraten

Bundeskanzler Sebastian Kurz lässt sich von Israels fehlender Demokratiequalität offenbar nicht beirren. Erst am 30. Dezember ließ sich das österreichische Gesundheitsministerium auf Wunsch  des Kanzlers von Benjamin Netanjahu im Zuge einer Telefonkonferenz über Israels Impfstrategie beraten. Um von den erfolgreichen Erfahrungen von Israels Impfprogramm zu lernen, wie Netanjahus Büro über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.