Bei der Verkündung der Lockdown-Verlängerung bis 8. Februar nannte der Bundeskanzler Südtirol als Negativbeispiel. Dort habe man am 7. Jänner geöffnet und laut Sebastian Kurz nach nur zehn Tagen in den Lockdown zurückkehren müssen. Alles andere wäre fahrlässig, so Kurz. Jetzt entpuppte sich der Südtirol-Lockdown als eine weitere, glatte Lüge des Kanzlers!

Die Südtiroler können über die Aussage des österreichischen Bundeskanzler nur mit dem Kopf schütteln: Nach wie vor sind Schulen und Geschäfte in Südtirol geöffnet. „oe24“-Reporter Michael Vogl sah sich die Lage vor Ort an und zeigte, dass in Südtirol – anders als in Österreich – geschäftiges Treiben vorherrscht. Geschäfte, Restaurants und sogar Kosmetikstudios sind geöffnet. Und die Corona-Zahlen sinken!

Macht Kanzler die Österreicher mit Fake News gefügig?

Aus dem Büro des Südtiroler Landeshauptmanns Arno Kompatscher erklärte gegenüber der ORF-Redakteurin Diana Weidlinger, dass der Bundeskanzler „leider falsch informiert“ sei.

Doch genau auf Grundlage dieser Falsch-Information argumentierte Kurz am Sonntag die Unausweichlichkeit der Lockdown-Verlängerung in Österreich. Alles andere sei „grob fahrlässig“ mahnte er und appellierte damit um ein weiteres an die Angst der Österreicher.

Hat der Kanzler auch die Landeshauptleute mit dem erfundenen Südtirol-Lockdown für die österreichische Verlängerung überzeugt? Der schockierte „oe24-Reporter“ Vogl stellt fest:  „Wenn Bundeskanzler Kurz Südtirols Vorgehensweise als Negativ-Beispiel angeführt hat, ist dies nicht korrekt. Auch die österreichischen Landeshauptleute wurden mit dieser Aussage getäuscht”.

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Die „Kurz-Geschichte“ im O-Ton

So äußerte sich Kurz am Sonntag im Wortlaut: „Ich weiß, dass viele jetzt sagen: Man sollte mutig sein, man sollte ein kalkuliertes Risiko eingehen und zumindest den einen oder anderen Öffnungsschritt wagen. Und, ich glaube, Sie alle kennen mich, ich bin eigentlich eher ein mutiger Mensch. Aber in diesem Fall wäre das nicht Mut, sondern es wäre Leichtsinn. Ich würde fast sagen: Das wäre Fahrlässigkeit. Südtirol hat am 7. Jänner geöffnet – und schließt heute wieder. Die Öffnung hat genau zehn Tage gedauert. Nach zehn Tagen kehrt Südtirol in den vollständigen Lockdown zurück. Und ich weiß aus vielen Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern, dass die Schließungen dramatisch sind. Aber auf-zu, auf-zu, eine Öffnung für eine Woche oder für zehn Tage – und dann so hohe Infektionszahlen, dass wir mit noch einer schlechteren Situation wieder schließen müssen und das vielleicht für noch längere Zeit – das bringt auch niemanden weiter.“