Christian Kern gibt sich gerne als volksnaher Arbeiter. In der ÖBB ließ er seine Mitarbeiter länger schuften.

Geschickt als Proteste gegen die Krankenkassenreform oder die Arbeitszeitflexibilisierung getarnt, wird nach den ersten Gewerkschafts-Demonstrationen in Linz und Wien deutlich, dass es den Ausrichtern mehr um die Existenz der schwarz-blauen Bundesregierung an sich, als um deren Vorhaben geht.

Ein Kommentar von Chefredakteur Christian Seibert


Theater und Schauspielerei

Post-Gewerkschafter Hermann Köstinger trat sogar ins ultimative Fettnäpfchen und forderte vor tausenden Demonstranten in Che-Guevara-Manier den „Sturz“ der Bundesregierung.

Von derlei Umsturz-Rhetorik befeuert, versuchen die Gewerkschaften nun in jene Oppositionsrolle zu schlüpfen, in der die SPÖ parlamentarisch nie angekommen ist. Den Protest auf die Straße zu bringen, birgt natürlich auch Gefahren.

So marschierte in Linz auch die gewaltbereite „Antifa“ Seite an Seite mit SPÖ-Granden wie Ex-Bürgermeister Franz Dobusch. Und die Inhalte? Obwohl das 12-Stunden-Modell der Regierung wie eine Kopie aus Kerns „Plan A“-Reformpapier wirkt, setzte sich der Ex-Kanzler an die Spitze der Protestzüge in Wien und mimte so den Arbeiterführer.

demo linz gewerkschaft
In Linz demonstrierte ein breites Bündnis von SPÖ-Anhängern bis hin zur gewaltbereiten Antifa gegen den 12-Stunden-Tag.

Kern will wieder Kanzler sein

Auch dass er selbst es war, der eine 12-Stunden-Regelung bei den ÖBB eingeführt hat, scheint vergessen. Für schnöde Oppositionsarbeit ist sich Kern offenbar zu schade. Er, der stets einen „neuen Stil“ in der Politik einforderte, scheint nun über den Druck der Straße ins Kanzleramt zurückkehren zu wollen und wird mit diesem „Plan B“ ebenfalls scheitern…