In wenigen Wochen steht die Weihnachtszeit vor der Tür. Die Adventsmärkte öffnen vielleicht – für diejenigen, die sie besuchen dürfen – und die Frage wird schlagend, was schenke ich meinen Liebsten. Bei den derzeitigen Lieferengpässen und Preissteigerungen könnte diese Entscheidung allerdings sehr schnell sehr einfach werden, wenn es heißt, sich aufgrund leerer Regale in Verzicht zu üben.

Von Matthias Hellner

Wer hätte sich in den letzten Jahren einen Mangel an Wanderschuhen oder auch Kinderschuhen oder anderer Bekleidung vorstellen können? Doch die gestörten Lieferketten machen es möglich. Einzelhändler klagen vermehrt über Lieferengpässe etwa bei Outdoorjacken, aber am massivsten bei Schuhen. Teilweise kann man den Kunden in den gängigen Größen nichts mehr anbieten. So etwas habe es in der Branche zuvor noch nicht gegeben, sind sich viele einig. „Wir hatten im Mai Schuhe nachbestellt. Da habe ich mich schon gewundert, als ich Liefertermin August gelesen habe. Und dann habe ich genau hingesehen – die meinen August 2022“, so Michael Herold, Geschäftsführer Sine GmbH, die auf Ausrüstung und Bekleidung für Rucksackreisende spezialisiert ist gegenüber dem deutschen Staatssender ZDF.

Ersatzstoffe für Industrie, damit es weitergeht

Auch in weiteren Bereichen, in denen man es nicht erwarten würde, kommt es zu Problemen, die mittlerweile auch in den Supermärkten ankommen. So mussten auch Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln, die vielfach auf Vorprodukte aus China zurückgreifen, wegen der dortigen Energiekrise, wo Stromausfälle zahlreiche Fabriken lahmlegte, ihre Herstellung ändern. Sie sahen sich gezwungen, auf Substitute umzusteigen, also andere Inhaltsstoffe für die Produktion von etwa Spülmaschinentabs und Waschmitteln zu verwenden, um die Produktion aufrecht zu erhalten und leere Regale zu verhindern.

Knappheit bei Lebensmitteln

Und dies ist nicht die einzige Sparte, wo in Supermärkten bald leere Regale drohen könnten. Auch die Lebensmittelbranche kommt zunehmend unter Druck. Denn auch hier sind die Rohstoffe knapp und die Preise extrem gestiegen. Es könnte sogar eine Lebensmittelkrise drohen. Gegenüber der Lebensmittel-Zeitung erklärten Großhändler, dass es „anhaltende Engpässe und Ausfälle“ gebe und es selbst für große Supermarktketten wie Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl immer schwieriger wird, die Regale zu füllen. Wegen der gestiegenen Preise macht der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft bereits Mitte September darauf aufmerksam, dass Hartweizengrieß fehle und dies den Hartweizenmühlen und Teigwarenherstellern schwer zu schaffen macht. Ende Oktober wurde dann schließlich der Brot- und Qualitätsweizen knapp. Michael Gutting, VGMS-Präsidiumsmitglied erklärte: „Es ist derzeit schwierig bis nahezu unmöglich, Getreide mit passenden Qualitäten in ausreichenden Mengen zu beschaffen. Und wenn wir Getreide kaufen können, können wir es nicht transportieren.“ Zudem wies er auch darauf hin, dass aufgrund der hohen Preise das verfügbare Getreide dahin fließen werde, wo auch die Zahlungsbereitschaft gegeben sei und dies sei nicht der deutsche Markt.

Leere Regale in der Weihnachtszeit

Ähnlich geht es auch dem Fruchtsafthersteller Ecke-Granini. Mangel an Rohstoffen durch schlechte Ernten und hohe Preise, gestörte Lieferketten, fehlende Maschinenbauteile und knappe Kapazitäten beim Schiffstransport könnten dazu führen, dass im Weihnachtsgeschäft „einige Produkte nicht vollständig verfügbar sein“ werden. Leere Regale drohen in der Weihnachtszeit auch bei den Süßwarenherstellern. So hat das Unternehmen Mars bereits Probleme bei der Herstellung von Bounty-Riegeln gemeldet und auch der Süßwarenhersteller Ferrero weist bereits auf „Lieferverzögerungen und Nachlieferungen“ hin. Ebenso rechnet der Hersteller der Bonbons Mentos und Ricola mit Einschränkungen der Lieferungen an Supermärkte. Selbst der Großkonzern Coca-Cola steckt in der Krise, denn der Getränkehersteller kann die Nachfrage nicht mehr befriedigen. Schuld ist hier allerdings die Knappheit von Aluminium, welches für die Herstellung der Getränkedosen verwendet wird und diese Dosen fehlen nun. „Die echte Knappheit wird uns noch heimsuchen“, blickt ein Dosenhersteller gegenüber Medien düster in die Zukunft. Und damit ist er nicht allein. In Deutschland erklärte bereits der Präsident des Einzelhandelsverbandes Nord, Andreas Bartmann: „Wir werden hier auch im Vorweihnachtsgeschäft durchaus auf etwas luftige Regale blicken müssen.“ Auch rechnet er nicht damit, dass sich die Lage allzu schnell normalisiert. Er geht frühestens mit dem dritten Quartal nächsten Jahres davon aus, dass die globalen Lieferketten wieder reibungsloser funktionieren. Zudem empfiehlt der Handelsverband auch, dass Verbraucher nicht unbedingt an bestimmten Produkten festhalten sollten, sondern im Fall der Fälle auf Alternativprodukte zurückgreifen.

Reparaturen nicht mehr möglich

Was sich auf den ersten Blick als wohlmeinender Ratschlag anhören mag, hat mit der möglichen Realität dennoch wenig zu tun. Wenn oftmals sind es die kleinen Dinge, an denen es hakt. Vor allem wenn es nicht unbedingt um Geschenke geht, sondern die alltäglichen Dinge. Wenn etwa die Waschmaschine oder ein Küchengerät o.ä. kaputt geht. Wie zu hören ist, können derzeit auch teilweise Reparaturen nicht durchgeführt werden, weil es an simpelsten Ersatzteilen, wie einer kleinen Feder fehlt, die einfach nicht vorrätig ist und nicht geliefert werden kann.
Auf die Bürger kommt also wohl noch einiges zu. Neben den Preissteigerungen und der Inflation sowie höheren Energie- und Heizkosten könnte für das wenige verbleibende Geld auch bald schon nicht mehr das zu erwerben sein, was man sich vorgestellt hat. Oder es passiert vielleicht wieder ein Hackerangriff, wie erst diese Tage, als Media-Markt betroffen war und in den Filialen nichts gekauft werden konnte, weil sämtliche Systeme lahmgelegt waren. Wenn so etwas auch vor Weihnachten geschieht, steht man im Zweifel nicht nur vor leeren Regalen, sondern selbst was es noch gibt, ist unerreichbar.

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