Der deutsche Gymnasiallehrer Holger P. (37) wurde durch Ermittlungen amerikanischer Behörden als Pädophiler enttarnt. Der Mann missbrauchte sein eigenes Kind, als dieses zwei Jahre alt war und hortete Massen an pornographischem Material. Das Urteil in zweiter Instanz macht sprachlos: Zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Der Perverse war im November erster Instanz zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der Mann wurde vom Gericht als schuldig befunden, seinen zweijährigen Sohn missbraucht zu haben. Daneben hortete er Kinderpornos. Seine diesbezüglichen Aktivitäten im Internet fielen US-Behörden auf. Der Pädagoge akzeptierte das Urteil nicht und ging in Berufung. Richter Axel Schulte vom Landegericht Bückeburg (Niedersachsen) hob nun die Haftstrafe auf. Seine Begründung: Der Lehrer versuche, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Sein Verteidiger hatte damit argumentiert, dass der Kinderschänder kein sexuelles Bedürfnis mehr verspüre.

Kinderschänder erhalten fast immer Bewährungsstrafen

Laut einer Recherche der deutschen Bild-Zeitung wurden in 97,7 Prozent der Kinderschänder-Verhandlungen die Strafen zur Bewährung ausgesetzt. Und das, obwohl Kinderschänder die höchste Rückfallquote unter Sexualstraftätern hätten. In diesem Artikel werden viele andere aktuelle Fälle aufgezeigt. In Deutschland müssen die Opfer vor Gericht nachweisen, seelische Verletzungen davongetragen zu haben.

Kein „besonders schweres“ Verbrechen?

Die Zeitung stellt die Rechtspraxis bei Kinderschändern jener von Einbrechern gegenüber. Hier habe der damalige Bundesjustizminister Maas den Einbruch zu einem besonders schweren Rechtsbruch erklärt, da dabei besonders in die Intimsphäre der Betroffenen eingedrungen wird. Bei sexuellem Missbrauch an Kindern sah in der Geschichte Deutschlands offenbar noch nie ein verantwortlicher Politiker ein besonders schweres Verbrechen verwirklicht. Dabei forderte Gerhard Schröder schon 2001 eine lebenslange Haftstrafe für Kinderschänder.