Leonding ist lustig, aber nur für den, der das Folgende auch wirklich unterhaltsam findet. Es geht um Stadtgestaltung, Stadtentwicklung und um Rechtsauslegungen, die eher bedenklich sind und an andere Systeme erinnern. An nicht-demokratische…

Ein Beitrag von Georg M. Hofbauer

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Seit Wochen läuft das Gerücht, die Kürnberghalle in Leonding werde abgerissen. Nicht gleich in den nächsten Wochen, aber es würde ein Neubau des Veranstaltungszentrums an der Meixner-Kreuzung am Harter Plateau erwogen. Entsprechende Änderungen bei der Flächenwidmung seien schon in die Wege geleitet.

Neuer kontra alter Bürgermeister

Doch überall Stillschweigen, der SP-Bürgermeister, der den „Wochenblick“ leider nicht mit Rückrufen zu beehren pflegt, wurde übrigens in der letzten Gemeinderatssitzung vor Weihnachten zu dem offensichtlich mehr als heiklen Thema befragt. Sein Vorgänger Dr. Herbert Sperl (SPÖ) stellte als einfacher Bürger die Frage zur heiklen Causa. Sperl beschreibt die Antwort des amtierenden Bürgermeisters so: „Er sagte weder Ja noch Nein, er hat aber auch nicht eindeutig dementiert. Er hat nur herumgeredet“.

Gut informierte Kreise sprechen schon seit Längerem von dem Plan und von Problemen mit Installationen und dass eine Sanierung teurer kommen würde als ein Neubau. Und wenn dem tatsächlich so sein sollte: Warum wird dann in Leonding oder im Land Oberösterreich, das ja möglicherweise solche Projekte mitfinanziert, nicht offen darüber gesprochen? Also diskutiert, wie in einer Demokratie mitteleuropäischen Zuschnittes.

Dürfen nichts sagen…

Diese Frage sollte erlaubt sein. Die Antwort darauf, warum nicht „Für und Wider“ abgewogen und offen Diskurs geführt wird, gibt uns Leondings Vizebürgermeister Michael Täubel (FPÖ), der gerade auf Teneriffa weilt, telefonisch auf Anfrage: „Ja, das mit der Kürnberghalle stimmt. Wir dürfen nur nichts sagen darüber.“ Und Täubel ergänzt auf Nachfrage des verblüfften „Wochenblick“-Chefreporters: „Wir haben ein Stillschweigeabkommen unterschreiben müssen. Ich weiß, so etwas ist nicht üblich, aber es werden extern Stadtentwicklungsideen erstellt, aber man darf nichts erzählen.“

Warum er unterschrieben habe und ob so ein Maulkorb-Erlass denn üblich sei? Täubel: „Ich habe unterschrieben, weil ich sonst ausgeschlossen worden wäre und nichts mehr erfahren hätte.“ Vielsagender Nachsatz: „Das ist nicht das einzig Seltsame in Leonding.“ Und in der Tat, die Vorgangsweise könnte Beachtung und Aufmerksamkeit deutlich über die Gemeindegrenzen hinaus finden, wie die Anfrage bei einem Juristen ergibt.

Sperl: Schlimmer als in Nordkorea

Dieser Jurist ist ausgerechnet wieder Ex-Bürgermeister Dr. Herbert Sperl, der vom „Wochenblick“ über die seltsamen Vorgänge punkto Entscheidungsfindung in seiner Heimatstadt aufgeklärt wird: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine derartige Vorgangsweise von der Gemeindeordnung gedeckt ist. Ich verstehe aber auch nicht, dass man so ein Papier unterschreibt.“
Und Sperl ergänzt: „Das ist nicht wie in Nordkorea, das ist deutlich schlimmer als in Nordkorea…“

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