Der Himmel weint über uns, als unsere Reisegruppe Südtirol in Richtung Oberösterreich verlässt. Während unseres dreitägigen Besuchs in diesem idyllischen Herrgottswinkel jenseits des Brenners hatte Petrus die Himmelsschleusen weitgehend geschlossen gehalten und uns somit nicht nur einen trockenen, sondern bisweilen sogar sonnigen Aufenthalt in Brixen und Bozen beschert.

Ein Bericht von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Kein Schmuddelwetter hat unsere akribisch geplante Stippvisite im schönen Land an Etsch und Eisack getrübt und schon von Innsbruck an konnten wir das allmähliche Eintauchen in einer der schönsten europäischen Kulturlandschaften genießen.

Brixen: Traumhafte Altstadt

Wir, eine etwa dreißigköpfige Fan-Gemeinde von „Wochenblick“-Lesern, die ich mit einigen meiner Redaktionskollegen begleite, verlassen Linz am Freitagmorgen mit dem Bus. Am späteren Nachmittag nähern wir uns Brixen mit seiner schönen Altstadt, die uns idyllisch verwinkelt an der Nordgrenze von Weinrebe und Kastanie begrüßt.

südtirolNicht zuletzt wegen der Aussicht auf das bevorstehende Törggelen bei der Familie Kerer im Gattererhof hoch über Brixen verlassen wir am Beginn der für den Autoverkehr gesperrten Altstadt in leicht euphorischer Stimmung unseren Bus, um uns schnell zu unseren nahen Unterkünften zu begeben.

 

Innsbruck: Besuch auf dem Bergisel

Unsere Quartiere sind kleine, saubere und funktionelle Altstadt-Hotels, die uns eine Erkundung des Zentrums ohne große Anmarschwege ermöglichen.

Nach dem schon zu Mittag in Innsbruck absolvierten Besuch des Kaiserjägermuseums auf dem Bergisel, was mit vielem Stiegensteigen verbunden war, dürfte unsere Reisegesellschaft kurze Wege nun durchaus zu schätzen wissen – wie auch die Südtiroler Kost.

Törggelen beim Bauern

Die gute Luft in Brixen scheint sogar ziemlich appetitanregend zu sein. Schnell ein wenig frisch gemacht und los geht’s, schnurstracks in den Gattererhof. Die dort aufgetischten Schmankerlplatten mit verschiedenen Fleischsorten, die dampfend in einem Sauerkrautbett ruhen – eine Art Südtiroler Bauernschmaus, werden in der Enge der wildromantischen Stube, wo sich auch das menschliche Klima der Reisegruppe schnell erwärmt, mit großem Genuss bis auf den letzten Bissen verputzt – einschließlich der offerierten Kastanien.

Was wäre Südtirol ohne seine „Käschtn“. Dazu fließt der Wein so rasch durch die Kehlen wie das Wasser des Eisack durch Brixen.

Bozen: Am Grab von Luis Amplatz

Tags darauf, am Samstagmorgen, geht’s mit dem Bus auf kleine Fahrt, nach Bozen, in die Hauptstadt der „Autonomen Provinz Bozen-Südtirol“. Das erste Ziel dort ist zunächst das Landtagsgebäude, wo unsere Gruppe von den Abgeordneten Pius Leitner und Ulli Mair herzlich empfangen wird. Danach informieren uns Mair und Leitner über die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation im Land, dem es noch relativ gut geht, wie wir hören, das aber auch stark auf eine Lösung des Flüchtlingsproblems hofft.

Historisch Interessierte zieht es nach dem Landtagsbesuch zum Grab des Südtiroler Freiheitskämpfers Luis Amplatz, wo es für sie einen berührenden Schnellkursus in jüngerer Südtiroler Geschichte durch einen ehemaligen Amplatz-Wegbegleiter gibt. Diese Geschichte scheint in Europa schon weitgehend verdrängt worden zu sein.

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Am Waltherplatz

Ein anderer Teil der Reisegruppe stürzt sich mit mir in das bunte Treiben des quirligen Bozener Marktes mit seinem vielfältigen Angebot an Obst, Käse, Würsten und Gewürzen. Danach träumen wir uns bei einem Cappuccino in einem der Schanigartencafés am Waltherplatz, dem Hauptplatz von Bozen, in den noch verbliebenen Nachmittag hinein.

In den letzten wärmenden Strahlen der November-Sonne mustern wir die Vorüberflanierenden und schießen dort und da noch schnell ein paar Fotos vom Geschehen in der Stadt. Als es schließlich Zeit zum Aufbruch ist, marschieren gerade Polizei und Militär zu einem Platzkonzert auf, das wir leider nicht mehr hören werden. Also, adieu, du mein klingendes Bozen!

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Edle Weinverkostung

Eine Weinverkostung und ein Abendessen in Peters Weinbistro „Vinus“ in Brixen erwarten uns schon. Vermutlich wären wir noch ein Stück schneller zurückgefahren, hätten wir von der hervorragenden Qualität der Weine und Speisen gewusst, die uns dort serviert werden sollten: allesamt Gerichte aus einer Hauben verdächtigen Küche.

Herrlich gesättigt klingt der Abend dann selig aus und bis auf einige Unentwegte, strebt die Mehrheit der Tafelrunde gleich nach dem Dessert ihren nur unweit entfernten Quartieren zu, um dort mehr oder weniger schnell in den Schlaf zu verfallen. Morgen ist Heimreisetag…

Stolze Franzensfeste

Obwohl die stolze Franzensfeste schon ruft, ist am Sonntagfrüh noch Zeit für einen individuellen, morgendlichen Stadtrundgang durch Brixen, denn die ehemalige militärische Anlage ist nicht sehr weit entfernt. Das imposante Bauwerk auf dem Weg zum Brenner ist noch immer ein Musterbeispiel hervorragender Festungsarchitektur, die zwar von keinem Feind, aber von der modernen Zeit außer Gefecht gesetzt wurde.

Dass die Franzensfeste in früheren Epochen guten Schutz geleistet hätte, lässt dieses alte Sperrwerk, das heute vier Verkehrsschneisen in zwei Teile zerreißen, immer noch erahnen.

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Visite am Brenner

Auch die Brennergrenze sperrt heute nichts mehr, nicht einmal den unerlaubten Reiseverkehr. Wenn sich die Fahrzeuge heute dort wieder in Massen auf der Bundesstraße durch die Grenzstation wälzen, dann wegen des dort angesiedelten Einkaufs-Outlet, an dem auch wir kurz halten.

Schnell noch eine Pizza in einer der wenigen, aber dauerhaft überfüllten Gaststätten gegessen und ab geht es in Richtung Heimat – bei strömenden Regen. Irgendwie passt das Wetter auch zur Stimmung, weil unsere Gruppe im Bus unisono bedauert, dass die drei schönen Tage der „Wochenblick“-Leserreise so rasch verflogen sind.