Wem gehört die Krim? Darüber streiten heute Russen und Ukrainer. Weitgehend vergessen jedoch ist, dass diese Halbinsel im Schwarzen Meer einmal auch unter österreichischem Kommando stand. Das war in den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs, vom März bis November 1918. „Mein Großvater war in Odessa der letzte k. u. k. Militärgouverneur“, berichtet seine 90-jährige Welser Enkelin Rita Margarethe Klicpera.

Auf der Krim ist ihr Opa, Feldmarschall-Leutnant Eduard von Böltz, bis heute auch nicht vergessen. Das zeigte sich im vergangenen Herbst  bei einem Besuch der alten Dame mit ihren Angehörigen in Odessa, wo nicht nur das Grab ihres Vorfahren die kommunistische Zeit überdauert hat, sondern auch das Andenken an einen mehr als freundlichen Feind. Denn Eduard Böltz, der nach Klicperas Angaben ein lebensfroher Mensch gewesen sei, war erwiesenermaßen kein grausamer Besatzer.

Enkelin hält Erinnerungen an ihren Opa wach!

Und wäre er nicht Offizier geworden, er hätte wohl als talentierter Tenor oder Maler Karriere machen können, ist die Enkelin, Witwe eines einst gefragten Welser  Augenarztes, überzeugt.  In ihrer Familie wird nur mit allergrößter Hochachtung über „den Feldmarschall“ geredet und Rita Klicpera selbst hält in ihrer Wohnung die Erinnerung an ihren Opa unübersehbar wach. Dieser hochrangige k. u. k. Militär Eduard von Böltz, der nur 54 Jahre alt wurde, absolvierte nicht nur den österreichischen Generalstabslehrgang, sondern zudem den russischen in Kasan, wo Böltz auch seine Frau Natalia kennenlernte.

Letzter österreichischer Krim-Kommandant: Familie ist stolz auf ihren Feldmarschall 1

1.045 Briefe und Karten von Generalfeldmarschall-Leutnant

Ihr hat er in der Zeit ihres Zusammenseins 1.045 Briefe geschrieben, die ein wertvolles Zeitdokument sind und die von seiner Enkelin auch wie ein Schatz gehütet werden.
Unter den Hinterlassenschaften ihres Opas befindet sich auch die Originalpartitur des Böltz-Marsches, den Eduard vom berühmten Wiener Hoch- und Deutschmeisterregiment gewidmet bekommen hat, dessen Kommandant er von 1908 bis 1912 war. Noch in Odessa endete sein Soldatenleben, ob er dort durch Fremdgewalt oder durch eigenen Entschluss starb, ist bis heute nicht geklärt.

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