Auch ohne Gas wird es einen heißen Herbst geben

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Die Warteschlangen aus der Nachkriegszeit sind zurück:

Auch ohne Gas wird es einen heißen Herbst geben

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Seit Corona und dem Ukraine-Krieg ist das Leben mühseliger geworden: Eklatanter Mitarbeitermangel in allen Branchen verursacht Schlangenbildung in vielen Geschäften. „Wie in der Nachkriegszeit“, murmelt eine ältere Frau: „Da musste man sich auch überall anstellen und bekam nur selten das, was man brauchte und wollte.“ So geht es heute auch vielen Österreichern mit ihrer Politik. Der Herbst dürfte heuer nicht kalt, sondern ziemlich heiß werden.

Vor allem die Lockdowns der Vergangenheit werden heute von Händlern und Gastronomen als Ursache dafür genannt, dass heute in den Geschäften der meisten Branchen das Personal fehlt. In Wirtshäusern müssen potenzielle Gäste heute länger als früher darauf warten, wahrgenommen zu werden und häufig gibt es dann auch noch Verständigungsschwierigkeiten, weil die Servicekräfte nur schlecht Deutsch sprechende Personen aus dem Ausland sind. Wer Glück hat, wird von einer Frau aus der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) bedient. Diese kann Deutsch und kennt auch die Kundenschlangen noch gut aus ihrem Heimatland, wo diese bis zum Zusammenbruch des Bauern- und Arbeiterstaates zum Alltag gehörten. „Aber in Österreich?“ Mehr Schlangen als früher kann man neuerdings auch in den McDonalds-Filialen sehen, wo sich vielfach Personal aus aller Herren Länder um die Gäste bemüht. Beim „Mäcci“ in Ansfelden sind gerade wieder einmal die Eier und das Brot ausgegangen, was die Knäuel der Wartenden und das Chaos dort noch vergrößert, zumal die Sachlage den Gästen nur radebrechend erläutert werden kann. Auch mit dem Eintippen der Bestellungen in den Buchungsautomaten scheint sich dort niemand auszukennen.
Warten muss man in diesen Tagen auch an der Brot- und Fleischtheke in der Ansfeldner Spar-Filiale, wo ein Kunde, ein älterer Mann, ratlos um sich blickt und nach einer Bedienung Ausschau hält. Schließlich entdeckt er am anderen Ende der langen Verkaufstheke den Schatten einer Verkäuferin. Er will ihr gerade winken, als sie auch schon wieder in den hinteren Räumen verschwunden ist.

Leben ist langsamer geworden

„Ich wollte sie bitten, mir an der Brottheke eine Mehlspeise einzupacken“, sagt er und wartet geduldig weiter. Als er in der Ferne neuerlich eine Verkäuferin erspäht, verfolgt er sie unauffällig und stellt sie bei einem Regal, wo sie ihm nicht mehr entkommen kann. Dort erfährt er dann aus ihrem Mund, dass sie nur für die Fleischtheke zuständig sei. Verdammt! Immerhin scheint man beim Spar aber noch über Personal zu verfügen, das dort auch mit einer Vielzahl von Aufgaben beschwert zu sein scheint. „Tja, überall wird gespart“, meint daraufhin eine Kundin im mittleren Alter, die die verzweifelte Personalsuche des Mannes mitbekommen hat.
Doch das Argument mit dem Sparen ist ihm ein Rätsel. „Gerade die Lebensmittelkonzerne haben doch in der Corona-Krise satte Gewinne gemacht“, erklärt er: „Warum sind die Lebensmittel dann so teuer?“ Eine Kundin glaubt den Grund dafür zu kennen: „Schuld ist der Ukraine-Krieg!“
Der Krieg scheint bei der Linzer Fleischhauerei Wegschaider an der Stockhofstraße nicht die Ursache für ihre Probleme zu sein. Weil dort auch Essen ausgekocht wird, stauten sich unlängst die Essensabholer, da die offerierten Fleischlaibchen und auch andere Speisen noch nicht verfügbar waren. „Unser Koch ist heute leider krank“, bedauert die Bedienung, „nun müssen wir alles selber machen.“ Sie bittet um Geduld.

Unterstützungen kamen nicht an

Geduld ist heute überall nötig, weil das reale Leben in den letzten zweieinhalb Jahren merklich langsamer geworden ist, trotz noch schnellerer Fortbewegungs- und Kommunikationsmittel. Obwohl Banküberweisungen heute in Ist-Zeit und auf Knopfdruck vorgenommen werden können, warten nicht wenige Menschen noch immer auf die Corona-Hilfen, die ihnen vom Staat versprochen wurden.
Viele aber brauchen diese Hilfen mittlerweile gar nicht mehr, weil deren Betriebe in den letzten Wochen und Monaten Pleite gegangen sind. Der Grund: Den Klein- und Mittelbetrieben, die lange auf Unterstützung hofften, ist mittlerweile die Luft ausgegangen und auch jene, die das „Glück“ hatten, sich mit den Hilfszahlungen während der Pandemie noch über Wasser halten zu können, sind ebenfalls untergegangen.
Im ersten Halbjahr versanken heuer bereits 2429 Unternehmen im Meer der Insolvenz, darunter wenigstens 262 Betriebe aus Oberösterreich, weitere 5700 Firmen sind stark ausfallgefährdet. Die meisten Geschäftszusammenbrüche verzeichnet der Handel und das führende Pleiten-Bundesland ist Niederösterreich, gefolgt von Vorarlberg, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Kärnten, Burgenland, Wien und der Steiermark. In Österreich sind die Shop-Flächen nach Angaben des Handelsverbandes um 500.000 Quadratmeter geschrumpft.

Auch Privatleute sind pleite

So gesehen kann man nicht behaupten, dass wir gut durch die Krise gekommen sind, wie der frühere Bundeskanzler Sebastian Kurz und auch seine Nachfolger stets gute Stimmung zu verbreiten versuchten. Für die aktuell prekäre Situation macht die derzeitige Regierung ebenfalls den Ukraine-Krieg verantwortlich, einschließlich des Engpasses bei Gaslieferungen sowie lange Lieferketten und nicht zuletzt die Inflation, die auch Privatleute zusehends insolvent werden lässt: Bundesweit sind es mittlerweile schon 4724 Personen, 683 davon sind in Oberösterreich daheim. Im Schnitt sind die Leute mit 60.000 Euro verschuldet und im Segment der Privatpleiten ist noch kein Ende in Sicht, ist man in der oberösterreichischen Schuldnerberatung überzeugt, weil die Teuerungen und die Belastungen weitergehen. Dabei machen die Energiekonzerne Millionengewinne, was diese aber nicht davon abhält, den Strompreis weiter anzuheben. „Wenn nicht bald zusätzliches Geld kommt, sind wir erledigt“, hört man viele oberösterreichische Familien klagen. Österreichweit sind es schon 97 Prozent der Bevölkerung, die die Auswirkungen auf ihren Haushalt spüren. Man kauft heute nur noch das Notwendigste ein, was wiederum den Konsum schwächeln lässt. Wie die Statistik Austria berechnete, hat der Handel im Juni – ausgenommen der Lebensmittelbereich – um 8,3 Prozent weniger Umsatz gemacht. Die Situation im Land spitze sich drastisch zu, vor allem für die Bevölkerung, heißt es auch von der Sozialberatung der oö. Caritas, bei der immer mehr Menschen Hilfe suchen. Sofortige Hilfszahlungen, die von der Regierung avisiert wurden, könnten das Schlimmste ein wenig abfedern, doch der Staat lässt sich Zeit beim Auszahlen. Was dieser als „kurzfristig“ bezeichnet, soll frühestens Anfang September mit der Entlastung von Familien und Personen mit geringem Einkommen beginnen. Das betrifft Arbeitslose, Sozialhilfebezieher, Mindestpensionsempfänger und Studierende, die 300 Euro bekommen sollen. Wie aber werden die Leute bis dahin über die Runden kommen? In den Familien sollte die zugesagte Sonderbeihilfe von 180 Euro mittlerweile schon am Konto sein und für jedes Kind zwischen sechs und 15 Jahren werden zum Schulstart 100 Euro ausgeschüttet. Für den Oktober sind dann 500 Euro für jeden Österreicher avisiert.

Situation im Land spitzt sich zu

Das alles dient aber nur dazu, die Bevölkerung ruhig zu stellen, die bereits die Fäuste in den Taschen ballt. Denn die Hilfsgelder werden bis zur Auszahlung von der galoppierenden Inflation schon längst aufgefressen sein. Daher rechnet die Regierung mit einer großen Welle von Anti-Teuerungs-Demonstrationen, für die sich Nehamer, Kogler & Konsorten warm anziehen sollten, wie zu hören ist, und nicht nur deshalb, weil die Bevölkerung dann auch wegen des fehlenden Gases bereits in der Kälte sitzen könnte. (Siehe dazu Kommentar auf Seite 13.)

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