Deshalb greifen immer mehr Frauen zur Waffe

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Selbstverteidigung benötigt Übung, ob mit Faust, Messer oder Pistolen:

Deshalb greifen immer mehr Frauen zur Waffe

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Die Anzahl der bewaffneten Frauen steigt. Früher geradezu undenkbar, wird die Frau am Schießstand zum gängigen Bild. Immer mehr Frauen ergreifen Berufe, in denen die Waffe ihr ständiger Begleiter ist. Sei es bei der Polizei oder auch beim Bundesheer. Auch privat üben sich Frauen zunehmend im Umgang mit Waffen. Gründe dafür gibt es viele – sie sind genauso vielschichtig wie die Frauen selbst.

Die Frau an der Waffe: Die ersten Male sind begleitet von Unsicherheit. Nach und nach schwindet sie und verflüchtigt sich irgendwann. So sind für die Frauen bei Polizei und Bundesheer die regelmäßigen Schießübungen Alltag. Sogenannte Trockenübungen sind für die sichere Handhabung enorm wichtig, sie tragen zur Haltekraft bei. Doch das wissen auch jene Frauen, bei denen die Waffe in der Freizeit zum Einsatz kommt. Immer mehr Frauen entdecken den Jagd- und Schießsport für sich. Klassische Männerdomänen, in die sich immer mehr Frauen erfolgreich ihren Weg bahnen und dabei ihr Geschick im Umgang mit der Waffe unter Beweis stellen.

Anstieg an Waffenbesitzerinnen

Der Trend zur vermehrten Anschaffung von Schusswaffen besteht allerdings im Allgemeinen geschlechterübergreifend. So waren im Jahr 2020 in Österreich bereits 1,13 Millionen Schusswaffen und 320.000 Waffenbesitzer ins Zentrale Waffenregister eingetragen. Laut Waffenhändlern ist die Tendenz steigend. Zahlen aus den USA zeigen einen enormen Anstieg der Waffenbesitzerinnen. So seien unter den Erstkäufern von Waffen bereits 40 Prozent Frauen. Und das nur seit Beginn der Pandemie. Für Frauen steigt das Bedürfnis ihr Eigenheim, wenn nötig mit Waffengewalt, zu verteidigen. In den USA sind die Angst vor Plünderungen, vor wirtschaftlicher Unsicherheit und Unruhen neben Selbstverteidigung die Hauptgründe für Frauen, sich eine Waffe anzuschaffen. Die unsichere Lage war wohl auch hierzulande, wie auch bereits 2015 bei der Massenzuwanderung, der Grund für das Auffüllen der Munition, aber eben auch die Anschaffung von neuen oder zusätzlichen Waffen.

Lockdowns – Gewalt in der Familie

Durch die Lockdowns kam zur allgemein unsicheren Situation einer zunehmend zerrütteten Gesellschaft auch noch die steigende Gewalt im Zuhause hinzu. Missbrauch und Übergriffe bestimmten den Alltag vieler Frauen, die den Tätern aufgrund der Corona-Politik nun vollends ausgeliefert, mit ihnen eingesperrt waren. Ein Thema, das jedoch weitgehend verschwiegen wird. Die Dunkelziffer der häuslichen Gewalt ist enorm hoch. Ein Selbstverteidigungstrainer bestätigt im Gespräch mit dem Wochenblick, dass auch er zunehmend mit Betroffenen solcher Gewalt zu tun hat.
Sowohl Gewalt in der Familie als auch die Zahl der sexuellen Übergriffe an zufällig ausgewählten Opfern ist in den letzten Jahren gestiegen. In den Kursen berichten ihm Frauen, dass es nachts auf dem Nachhauseweg vermehrt – meist durch “Südländer” – zu Übergriffen komme.

Enormer Bedarf an Selbstverteidigungskursen

Der Bedarf an Selbstverteidigungskursen für Frauen sei dementsprechend hoch, die Nachfrage ist in den letzten Jahren enorm angestiegen. Bereits für Mädchen ab 12 Jahren werden Kurse angeboten. Gerade in der Pubertät und der sexuellen Entwicklung fühlen sich viele Mädchen unsicher, weshalb sie leichter Opfer von Übergriffen werden können. Eine selbstbewusste und selbstsichere Frau werde weniger leicht als potenzielles Opfer ausgewählt. Ein Täter sucht sich ein Opfer aus, das er für schwach hält. Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit schrecken viele mögliche Täter von vornherein ab, erklärt der Experte. Das gelte für Frauen aller Altersklassen. Dementsprechend durchmischt seien auch die Teilnehmerinnen der Selbstverteidigungskurse. Doch besonders viele Frauen seien zwischen 50 und 55 Jahre alt. Die Frage, ob Frauen mittlerweile Waffen brauchen würden, könne mit einem klaren “Ja” beantwortet werden, erklärt der Trainer. Damit sollen aber keine Schusswaffen gemeint sein, meint er. Eine Frau müsse die Gewissheit haben, sich selbst verteidigen zu können. Vor allem, wenn sie nachts alleine unterwegs ist, solle sie auf Gefahrensituationen vorbereitet sein. Es sei besonders wichtig, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, wachsam die Umgebung zu beobachten.
Der Selbstverteidigungstrainer rät dazu, wahrzunehmen, wie sich Leute in der Umgebung verhalten. Panik sei im Alltag nicht angebracht, aber besondere Wachsamkeit. Denn so können Gefahrensituationen früher erkannt werden, man hat die Möglichkeit, auf Gefahren rechtzeitig zu reagieren oder ihnen aus dem Weg zu gehen.

Wenn möglich, wegrennen

Wochenblick konnte Tipps zur Verteidigung einholen: Ratsam seien Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Haarspray, Autoschlüssel oder auch die Handtasche. Ein brauchbarer Verteidigungsgegenstand soll auch der Kubotan-Schlüsselanhänger sein. Er ist ein kurzer Stock, der als Schlag- und Druckverstärker genutzt werden kann und auch zu Trainingszwecken verwendet wird. Natürlich sei auch der Pfefferspray eine mögliche Verteidigungswaffe. Von Messern oder Schusswaffen rät der Selbstverteidigungstrainer im normalen Alltag jedoch eindeutig ab. Die Gefahr der Eigenverletzung durch zu wenig Routine und unsachgemäße Handhabung sei zu groß. Bei den nächtlichen Discobesuchen komme das Mitführen von Messern und Schusswaffen ohnehin nicht infrage. Aber gerade am nächtlichen Heimweg sind Frauen mit unsicheren und übergriffigen Situationen konfrontiert. Sollte eine Frau in eine derartige Situation kommen, gilt Folgendes zu beherzigen: „Wenn möglich wegrennen, hin zu anderen Menschen. Viele Menschen schrecken den Täter ab. Unbedingt einen der direkt Anwesenden ansprechen und um Hilfe bitten. Nicht in die Menschenmenge rufen, denn da fühlt sich keiner angesprochen. Jeder denkt, der andere macht das schon!“

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