In Ried machte Physik-Genie Anton Zeilinger seinen ersten Schrei

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Nobelpreisträger aus dem Innviertel

In Ried machte Physik-Genie Anton Zeilinger seinen ersten Schrei

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Die Bevölkerung unseres Landes ist stolz auf ihn: Am 10. Dezember wird dem gebürtigen Innviertler Anton Zeilinger in Stockholm der Nobelpreis für Physik verliehen. Das Haus, in dem er einst seinen ersten Schrei gemacht haben soll, steht heute weitgehend unbeachtet neben dem Nachtklub „La Bohème“ in der Bahnhofstraße in Ried. Die Villa hat die Hausnummer 66 und wohl auch schon bessere Tage gesehen.

Das Objekt ist zweifellos in die Jahre gekommen, was der immer noch frisch wirkende gelbe Anstrich ein wenig überspielt. Oft schon bin ich an diesem Haus achtlos vorübergefahren, doch am Freitag voriger Woche hielt ich erstmals an, um es mir genauer anzusehen. Denn seit ich hörte, dass der frischgebackene Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger dort zur Welt gekommen sein soll, betrachte ich es mit anderen Augen.

Auf nach Wien

Er soll eine Hausgeburt gewesen sein, heißt es, und seine Eltern hätten zu dieser Zeit in der Villa gewohnt. Entbunden wurde Anton von seiner Mutter zwölf Tage nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs, am 20. Mai 1945, und ich kann mir gut vorstellen, wie die Wiege mit dem späteren Nobelpreisträger auf der Wiese vorm Haus in der Frühlingssonne gestanden haben könnte. Die Wiese macht heute nicht mehr viel her. In ihrem Zugangsbereich stehen Mülleimer herum und ein geöffneter Sack mit Grillkohle und ein Fußball liegen einsam auf der grünen Wiesenfläche. Als ich sie betrete, beschleicht mich dennoch dasselbe ehrfürchtige Gefühl, dass mich einst auch beim Betreten des Geburtshauses von Franz Stelzhamer überkam. Der ist bekanntlich unser bedeutendster Mundartdichter und aus dessen Feder floss auch der Text für die spätere oberösterreichische Landeshymne. „Wannst net fort muaßt, so bleib”, heißt es in der 3. Strophe des „Hoamatgsangs“, doch gerade dies war dem Sohn der Rieder Familie Zeilinger offensichtlich nicht möglich. Denn laut Melderegister soll er 1946 mit seinem Vater nach Linz übersiedelt sein. Warum nur mit seinem Vater? Wo war die Mutter geblieben? Und ist Anton mit seinem Vater wirklich nach Linz gegangen oder etwa bei Verwandten in der Umgebung von Ried wohnen geblieben? Wir wissen es nicht, weil niemand darüber Auskunft geben will oder kann. Die familiären Verhältnisse der Familie sollen ein wenig verzwickt gewesen sein, sagen Rieder. Sicher ist, dass Tonis Vater, der mit Vornamen ebenfalls Anton hieß, eine Molkerei besaß und landwirtschaftlicher Mikrobiologe war. 1955 übersiedelte er mit seinem Sohn nach Wien, wo der Herr Papa dann von 1969 bis 1971 Rektor der Universität für Bodenkultur war. Zwischenzeitlich hatte der Sohn an der Universität Wien Physik und Mathematik studiert und mit einer Arbeit über festkörperphysikalische Untersuchungen mit Neutronen promoviert. Jahre später würde es ihm und einem Team gelingen, erstmals das Phänomen der Quanten-Teleportation zu demonstrieren, was ihn weltberühmt machen und ihm auch den Spitznamen „Mr. Beam“ einbringen sollte.

Stur weitergemacht

“Wie schafft man so etwas?”, wurde Zeilinger einmal gefragt. „Nur mit Leidenschaft“, sagte er und wohl auch mit Neugierde. So soll er schon als Kind die Puppen seiner Schwester zerlegt haben, weil er wissen wollte, „wie etwas funktioniert“. Den Innviertlern sagt man nach, dass sie manchmal richtige Sturschädel sein können, was auch von Vorteil sein kann, wie Zeilinger aus eigener Erfahrung wissen dürfte. Man müsse seinen Spinnereien ein bisschen vertrauen, ließ er schon beizeiten verlauten. Doch er vertraute ihnen nicht nur, er verfolgte sie auch.
Als ihn nämlich zwei namhafte Professoren von der Beschäftigung mit der Quantenphysik abbringen wollten, weil sie darin nur vertane Zeit sahen, machte der Rieder trotzdem unbeirrt weiter – mit Erfolg. Der Nobelpreis für den nun 77-jährigen Innviertler ist jetzt die späte Würdigung für seine herausragende Forschungstätigkeit.
Plötzlich wollen sich viele in Zeilingers Glanz sonnen. Die Stadt Ried wird wohl eine Straße nach ihm benennen oder umbenennen und die Bahnhofstraße wäre ein idealer Kandidat dafür. Viele wollen es schon früh gewusst haben, dass aus ihm einmal etwas Großes werden würde. Er sei nämlich immer schon sehr gescheit gewesen und ein großer Denker, konnte man aus dem Mund seiner Cousine Maria Moder vernehmen. Das mag durchaus stimmen, auch wenn Zeilinger – bescheiden wie er ist – diese Einschätzung für sich selbst nicht vornehmen dürfte. Er dürfte auch seine Karriere und den Erfolg mehr dem Zufall überlassen haben, an den Zeilinger fest glaubt.

Praktischer Nutzen

Bevor ich meine Suche nach Zeilingers Spuren in Ried beendete, schaute ich noch schnell in der Buchhandlung in der Weberzeile vorbei, wo ich Zeilingers Werk mit dem Titel „Einsteins Spuk“ erwerben wollte, in der Annahme, dass im Geschäft schon eine ganze Ecke mit der Literatur des heutigen Nobelpreisträgers eingerichtet sei. Doch es war nichts da! “Das Ganze hat uns ein wenig überrascht“, bedauerte der Verkäufer und fügte noch hinzu: “Zeilingers Bücher werden bei uns nicht nachgefragt.” Dabei sind Zeilingers Gedanken und Betrachtungen von unschätzbaren Wert, wie auch der praktische Nutzen seiner Forschungsergebnisse, die ihm selbst komischerweise nie wichtig waren. Aber durch Quantenverschlüsselungen werden jetzt abhörsichere Netzwerke möglich.

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