Jagdkommando half bei Erdklang-Suche

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Leute verwundert über die ominöse Aktion inmitten des Traunsees:

Jagdkommando half bei Erdklang-Suche

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So mystisch wie der malerische Ort Traunkirchen vielen Besuchern erscheint, so merkwürdig erschien vielen auch das Spektakel, das sich dort am Wochenende in aller Öffentlichkeit ereignete: Eine halbe Hundertschaft Soldaten unterstützte ein Medienhaus dabei, welches an der tiefsten Stelle des Traunsees nach dem „Klang der Erde“ suchen ließ. Aus reinem Spaß an der Freud‘? Oder steckte gar etwas ganz Anderes dahinter?

So viele Besucher an einem begräbnisfreien Tag hatte der Friedhof von Traunkirchen schon lang nicht mehr gesehen. Am Freitagnachmittag voriger Woche lagerten dort an der Friedhofsmauer, die dem See zugewandt ist, viele Neugierige jeden Alters, um das Getümmel, das sich zu ihren Füßen abspielte, zu beobachten.
Denn dort, wo sonst beschauliche Ruhe herrscht und zivile Spaziergänger den Johannesfelsen umrunden, lagerte heimisches Militär. Am Seeufer, in der Nähe jenes Bankerlplatzes, an dem die bekannte Malerin Xenia Hausner gern ein Päuschen einzulegen pflegte, hatten Pioniere eine Plattform aufgebaut, an dem auch ein Klein-U-Boot vertäut war.

Geräusche einfangen

„Was geht hier vor?“, fragte einer der Zaungäste seinen Friedhofsmauernachbarn, der auch nicht klüger war als er. Was die beiden noch nicht wussten, bekamen sie kurz darauf von einem Soldaten im Kampfanzug erzählt, der in das Geschehen irgendwie involviert zu sein schien. Morgen, so erklärte er, würde dieses U-Boot unterhalb des Traunsteins zur tiefsten Stelle des Sees hinabtauchen, um dort in 191 Metern Tiefe ein installiertes Lauschgerät, ein so genanntes Hydrophon, zu bergen. Damit waren im Auftrag eines Wiener Medienhauses Geräusche eingefangen worden, welches dieses als den „Klang der Erde“ bezeichnet.
Darüber hinaus waren auch die für Menschen nicht wahrnehmbaren Schwingungen der Erde oberhalb und unterhalb des Sees gemessen worden. Zu diesem Zweck hatten Soldaten vier Seismometer installiert, einer davon auch auf dem Gipfel des Traunsteins, erläutert Michael Nowotny, der Hauptlehroffizier für Tauchen und amphibische Ausbildung des Jagdkommandos, das diesem Ereignis mit etwa 50 Soldaten assistierte. Auch tags darauf würden seine Leute beim Tauchgang des U-Bootes begleitend dabei sein, allerdings nur bis eine Tiefe von 80 Metern. „Wir nutzen dieses Ereignis auch, um zu üben“, sagt Nowotny, was die Zaungäste am Freitagnachmittag auch hautnah miterlebten, als ein Black-Hawk-Hubschrauber spektakulär über dem Traunsee einschwebte, um Kampfschwimmer abzusetzen, die dann Zivilisten evakuierten und in Sicherheit brachten – so das Trainings-Szenario.

Wofür und wozu?

Aber was hat dieses Training mit dem Einfangen von Erdklängen zu tun, fragten sich die verwirrten Zaungäste, die sich unter Erdklängen nicht viel vorstellen können. Hört sich das Ergebnis so an wie die Sendersuche bei einem Radio? Ein undefinierbares Rauschen? Und welche Erkenntnisse sollte das bringen? Oder steckte etwa gar was ganz Anderes hinter der mit viel Spektakel inszenierten Aktion? Der Grundsatz, viel Wirbel um etwas zu machen, um den eigentlichen Zweck zu verbergen, ist immer noch ein probates Täuschungsmittel.
Aber wenn es nur ein reines Medienspektakel war, mit hauptsächlich unterhaltendem Charakter, warum schauten dann auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner vorbei und Jagdkommando-Chef, Brigadier Philipp Segur-Cabanac? Für das Jagdkommando sei diese Übung nicht schwerer oder herausfordernder gewesen als andere Übungseinsätze auch, bestätigt Kampfschwimmerchef Nowotny dem Wochenblick. Der Sinn und Zweck nach angeblicher Klangsuche in den Tiefen wollte sich für die meisten Beobachter des aufwendigen Spektakels nicht wirklich erschließen. „Za wos brauch ma des, Travnicek?“, hätte Helmut Qualtinger heute vermutlich gefragt und damit wäre er nicht allein. Na wenigstens konnten unsere Navy Seals trainieren, sagte eine vom Jagdkommando begeisterte junge Frau, was seine Truppe aber ohnehin mehrmals im Jahr tut, wie Kampfschwimmerchef Nowotny versicherte. Das Rauschen im eigenen Blätterwald des Medienhauses war jedenfalls gewaltig und die Stille in der Tiefe war es wohl auch. Denn dort, am tiefsten Punkt des Traunsees, hämte die Konkurrenz des Wiener Medienhauses, gäbe es wahrscheinlich weder etwas zu finden noch zu sehen.

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