Morddrohung nach Buchveröffentlichung: Es geht auch um Parteienfinanzierung

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Packeln hat halt Tradition

Morddrohung nach Buchveröffentlichung: Es geht auch um Parteienfinanzierung

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Die Lebenserinnerungen des ehemaligen Versicherungsdirektors Walter Oberlechner (88) scheinen für manche so brisant und bedrohlich zu sein, dass der heute in Klaus lebende Autor kurz nach Veröffentlichung seines Buches eine Morddrohung per SMS erhielt.

“Das ist schon schockierend”, sinniert Walter, der sich keiner Schuld bewusst ist. Sein Leben habe er nämlich stets im aufrechten Gang bewältigt, was nicht leicht sei in einem Land, in der die Politik überall hineinspiele. Dabei könnte alles so einfach sein…

Aber: “Warum ist das Einfache so schwierig?”, frage ich Oberlechner bei meinem Besuch und nenne damit auch schon den Titel seines im Herbst erschienen Buches, das auf Seite 104 eine brisante Passage enthält, die noch heute für Unruhe zu sorgen scheint. Ob die Morddrohung wirklich damit zusammenhängt, vermag der Autor nicht zu sagen, vorstellbar wäre es für ihn aber schon, weil es dabei um verdeckte Parteienfinanzierung geht, die bei der ÖVP schon 1991 obligatorisch gewesen sei.

Unter Druck gesetzt

Deshalb war Oberlechner von den aufgeflogenen Mauscheleien der Kurz-Regierung auch nicht überrascht, weil auch Walter einmal in derartige Machinationen hineingezogen werden sollte. “Ich habe mich allerdings gewehrt, dabei mitzumachen und habe dafür auch teuer bezahlen müssen, räsoniert er. „Man hat mir ziemlich übel mitgespielt“, räsoniert Oberlechner und diese Tatsache scheint noch heute an ihm zu nagen. „Ich war 1991 Geschäftsführer der “Verges”, eines Unternehmens in Wien, das die Abfertigungsansprüche von Arbeitnehmern durch eine Versicherung deckt“, erzählt er und er sei dabei auch recht erfolgreich gewesen. „Die Unternehmen rannten mir die Tür ein, um mitmachen zu können und auch die Banken rissen sich darum, unser Geld verzinsen zu dürfen“, betont Oberlechner. Er handelte einen guten Zinssatz aus und die Vertreter der Wiener Wirtschaftskammer, die die Prämien mit einem großen Betrag stützten, staunten über das kaufmännische Talent des “Verges”-Geschäftsführers.

Telefonat mit Schüssel

So dauerte es auch nicht lange, bis sich der spätere Bundeskanzler Wolfgang Schüssel beim damals 57-jährigen Oberlechner meldete und diesen via Telefon fragte, ob sich Walter vorstellen könnte, ein Inserat in der Wirtschaftskammerzeitung zu schalten. “Ich bejahte natürlich”, sagt Oberlechner, aber er fragte Schüssel auch, ob er für sein Inserat, das normalerweise 5000 Schilling gekostet hätte, bessere Konditionen bekäme.

Daraufhin erklärte ihm Schüssel ohne Umschweife, dass Oberlechner für das Inserat nicht 5000 Schilling, sondern eine Million Schilling zu bezahlen hätte. Dem Verges-Chef blieb kurz die Luft weg und als er sich wieder gefangen hatte, fragte er Schüssel, ob dieser ihn vielleicht pflanzen wolle? “Werden Sie nicht frech”, bellte Schüssel ins Telefon und beendete das Gespräch.

Bereits zehn Minuten später hatte Oberlechner seinen Syndikatsvorsitzenden am Telefon, um Walter für sein Verhalten „Herrn Schüssel gegenüber“ abzukanzeln. Walter verteidigte sich mit den Worten, dass er eingesperrt gehörte, wenn er für ein 5000-Schilling-Inserat den verlangten Preis bezahlen würde. Kommt nicht infrage!

Verweigerung

“Sie werden schon noch unterschreiben”, meinte der Anrufer. Wenig später wurde „Verges“-Direktor Oberlechner zu einem Herrn Buchinger bestellt, der ihm mitteilte, dass Walters Gehalt nun halbiert und er als Geschäftsführer unter Kuratel gestellt würde, wenn er nicht sofort unterschriebe. Diese Drohungen zogen sich zwei Monate hin, wie Walter in seinem Buch schreibt, doch er weigerte sich weiterhin, dem Druck nachzugeben.

“Mir war bewusst, dass es hier um versteckte Parteienfinanzierung ging und ich erpressbar werden würde, wenn ich zustimmte”, erläuterte er rückblickend. „Daher blieb ich standhaft, zumal ich wusste, dass man mir rechtlich nichts anhaben konnte.“

Verleumdet

Also versuchte man es auf eine andere Tour. Über eine bekannte Tageszeitung ließ man Oberlechner bezichtigen, Geld verludert zu haben. Diese Anschuldigung wurde zwar tags darauf widerrufen, doch Walters Ruf war angeschlagen – eine gängige Praxis in der Politik bis heute. Nun reichte es Oberlechner und er strebte eine einvernehmliche Auflösung seines Dienstverhältnisses an, das man ihm zunächst ebenso verweigerte wie eine Abfertigung. Doch auch in dieser Hinsicht setzte sich Walter letztlich durch. Danach hatte er dort keine Freunde mehr. Daraufhin verließ Oberlechner Wien und ließ seine „Feinde“, die ihn nicht zu brechen vermochten, zurück, um sich mit dem Geld aus seiner Abfertigung die Villa in Klaus zu kaufen, die er seither sarkastisch Schüssel-Villa nennt. In der Nähe seines Domizils, in Steyerling, war es dann vor etwa drei Jahren zu einer seltsamen Begegnung zwischen Oberlechner und einem Mann gekommen, der ihn über die damaligen Geschehnisse in Wien ausfragte.

„Irgendwie scheint diese Sache einige Leute immer noch zu beschäftigen“, vermutet Walter. Mit der an ihn gerichteten Morddrohung hätte er sich einem befreundeten Richter in Linz anvertraut, der sich um die Sache kümmern wollte. Passiert sei bis heute allerdings nichts.

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