Selbstversorgungs-Prinzip findet auch bei uns immer mehr Anhänger

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„Ein Honiglecken ist eigene Autarkie nicht!“

Selbstversorgungs-Prinzip findet auch bei uns immer mehr Anhänger

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Durch Pandemie und Krieg ist die Angst vor einer Nahrungsmittelknappheit in der Bevölkerung gestiegen. Daher überlegen immer mehr Menschen, zu Selbstversorgern zu werden. Aber wie? Die Unternehmensberaterin Andrea Drescher zeigt wie’s geht. Sie hat ihr Einfamilienhaus Innviertel im Laufe von zwölf Jahren in eine autarke Überlebensinsel verwandelt.

Dies sei von heute auf morgen aber nicht zu machen gewesen, sagt sie: „Es war ein Entwicklungsprozess.“ 2007 hat alles angefangen, als sich bei ihr die Erkenntnis manifestierte, dass unser Finanzsystem keine Zukunft hat. Daher wollte sich Andrea möglichst unabhängig machen von diesem System, aber es ging ihr dabei auch um das Forcieren von mehr Regionalität, Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Getreide vom Nachbarn

Wer den Besuch von Supermärkten und (Online)-Shoppingcentern vermeiden möchte, müsse Eigeninitiative entwickeln, betont die engagierte Selbstversorgerin, die ihren Ernährungsbedarf heute zu 80 Prozent mit Lebensmitteln aus der eigenen Herstellung beziehungsweise aus dem bäuerlichen Umfeld zu decken vermag.
Dies gelingt ihr mit dem Anbau von Obst und Gemüse und mit dem Sammeln von Pflanzen, Kräuter und Beeren auf den Wiesen und in den Wäldern. Ihr Wasser bekommt sie aus dem eigenen Brunnen, das Brot bäckt sie selbst und das Getreide dafür erhält sie von ihren Nachbarn.
„Ich habe das Glück, unter Bauern auf dem Land zu leben, die den Überschuss mit mir teilen“, freut sich Andrea. Das eine oder andere Mal ist auch ein schönes Stück tierisches Fleisch dabei, denn „eine Vegetarierin bin ich nicht.“ Fleisch esse sie aber nur von einem Tier, „das noch ein Leben vor dem Tod gehabt hatte.“ Was sie nicht selbst produziert und auch nicht von Nachbarn bekommen kann, muss sie einkaufen, wie beispielsweise Butter, Weinessig, Olivenöl etc.
Ganz ohne Geld komme man leider nicht aus, wenn man auf bestimmte Dinge nicht verzichten möchte, sinniert Andrea und verweist auf ihre Zitronenvorliebe. „Bei meinem Bedarf bräuchte ich dafür ein eigenes Gewächshaus,“ gibt sie zu bedenken, zudem habe sie Zweifel, ob die Pflanzen den Winter in unseren Breiten ohne Heizung überstehen würden.

Geräte leihen

„Ich habe mit dem Selbstanbau ganz klein begonnen,“ erzählt sie. Es hat alles mit einem kleinen Hochbeet angefangen und heute baut sie im Wechsel schon eine große Menge von Saatgut an. Beim gemeinsamen Rundgang durch ihr Refugium verweist sie nicht ohne Stolz auf den Bereich, in dem die Topinambur wachsen und nur unweit entfernt davon, gedeiht der Vogerlsalat. Auch andere Blattsalate, Gurken, Kohlrabi und Paradeiser und noch anderes sprießt zur gegebenen Zeit.
Doch für die Selbstversorgung braucht es viel Geduld. „Man muss nicht gleich eine 100-prozentige Autarkie erreichen,“ sagt Andrea allen, die sich mit dem Gedanken tragen, es ihr gleichtun zu wollen. Künftige Selbstversorger sollten über handwerkliche Fähigkeiten verfügen, auch wenn die Zeiten von Robinson Crusoe und Freitag, die auf einer Insel überleben mussten, schon lange vorüber sind, wie sie bemerkt. Trotzdem besteht bei vielen Leuten mittlerweile der Wunsch, sich selbst versorgen zu wollen, und dies habe ihrer Ansicht nach auch etwas mit eigenverantwortlichem Leben, mit Entschleunigung und mit Erdung zu tun.
Menschen, die in der Stadt leben und dort nur über eine Wohnung mit Balkon oder Terrasse oder einen kleinen Garten verfügen, können auch zu Selbstversorgern werden. Man dürfe allerdings nicht glauben, dabei Zeit oder Geld sparen zu können, warnt Andrea, denn ein Honiglecken sei die eigene Autarkie nicht.

Kastanien als Material für Putzmittel

„Nur die Harten findet man im Garten“, sagt sie und schmunzelt. Sie macht zudem darauf aufmerksam, dass auch die in der Stadt lebenden Selbstversorger ein Minimum an Werkzeug und Küchenmaschinen benötigten, denn die Naturalien wollen schließlich auch verarbeitet werden: zu Marmeladen, zu Arzneien, zu einem schmackhaften Essen oder zu Waschmitteln.
„Wer sich Zeit nimmt, im Herbst Kastanien zu sammeln, diese klein zu schneiden und dann zu trocknen, kann gleich in mehreren Bereichen der Selbstversorgung punkten“, schreibt Andrea in ihrem Buch „Selbstversorger-Tipps von Oma & Co.“ Denn mit den Kastanien verfüge sie das ganze Jahr über das Ausgangsmaterial, das man zur Herstellung von Waschmitteln, Putzmitteln, Zahnputzpulver aber auch zum Schutz gegen Fruchtfliegen und Motten verwenden könne.
„Heute bin ich tiefenentspannt“ sagt sie, weil sie die Gewissheit hat, im Bedarfsfall schon einige Zeit von der eigenen Versorgung leben zu können.

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