„Bleiben Sie zuhause und treffen Sie niemanden!“, appellierte der Bundeskanzler an die Österreicher. Kein Problem für diejenigen, die bereits in festen Händen sind oder gar das Glück einer eigenen Familie haben.

Für Singles sieht es da schon schlechter aus. Selbst die Dating-App Tinder wandte sich anlässlich des Lockdowns an die Nutzer mit der Bitte, aus Gründen der Covid-Sicherheit vorerst keine Dates abzuhalten. Die Satirezeitschrift „Die Tagespresse“ zeigte unlängst das Foto eines besonders romantischen Antrags. Mit den Worten „Willst Du meine Lockdown-Bezugsperson werden?“ hält ein junger Mann mit einer Klopapierrolle um die Hand seiner Angebeteten an.

Zweisamkeit trotz Reisebeschränkungen

Durch die Corona-Maßnahmen der Regierung wird auch das Liebesleben vieler Österreicher auf die Probe gestellt. Mit der Kampagne ‚Love is not tourism‘ (Liebe ist kein Tourismus) sprechen sich internationale Paare auf Twitter gegen die Reisebeschränkungen aus, die sie von ihren Partnern trennen. Vanessa aus der Schweiz beschwert sich: „Meine Lebensplanung kann nicht bis ‚nach der Pandemie‘ warten!“ Doch viele sehen in den Ausnahmen auch eine Chance. So gilt die Nähe zum Lebenspartner als ein unmittelbares Grundbedürfnis, das nicht dem strengen Reglement der Regierung unterliegt. Natürlich führte das Bekanntwerden dieser Ausnahmeregelung erst einmal zu einem Aufschrei der Poly­amourösen und jener, die sich nicht festlegen wollen.

Mehr Beziehungen durch Corona-Maßnahmen

Doch viele sehen darin offenbar eine Chance auf mehr Bewegungsfreiheit. So erklärten sogar die überzeugtesten Singles in Kommentarspalten und in sozialen Medien, zukünftig vor allem auf Nachfrage der Polizei einen sogenannten „Lebenspartner“ zu haben, den sie gerade besuchen wollten. Doch wird die Ausnahmeregel nur missbraucht oder finden durch sie auch neue Paare zueinander? Eine Studie der Sigmund-Freud-Universität fand heraus, dass drei von vier Paaren, die sich noch nicht lange kennen, am liebsten mit dem neuen Partner in den Lockdown gehen – dabei hatten 79 Prozent der Befragten das soziale Distanzieren stark verinnerlicht. Gleichzeitig verstärkte sich bei vielen der Befragten der Kontakt zur Familie und ebenso jener zu sexuellen oder romantischen Beziehungen. Vor allem Frauen intensivierten durch den Lockdown ihre Sexualkontakte und entschieden sich eher zu einer Beziehung.