Es ist Samstagnacht im Lokal „Strom“ beim Urfahraner Donauufer nahe des Ars Electronica Center. Die Partymeute, großteils Asylanten, feiert ausgelassen. Sie pöbeln, berühren ungeniert weibliche Gäste. Neben Warnschildern im Lokal und in den Toiletten, die auf die Gefahren von Taschendiebstahl und Sexismus hinweisen, ist das Sicherheitsgefühl gleich Null. Dann eskaliert die Situation…

Gedeckt von seinen Begleitern legt sich einer der Asylanten ungeniert weißes Pulver, vermutlich Kokain, auf den Tisch. Mitten im Lokal zieht er es sich in die Nase, springt auf und schreit mit seinem Bier in der Hand.

„Doch als wäre die Situation schon nicht skurril genug, erschreckt es noch viel mehr, dass niemand von diesem Vorfall irritiert gewesen zu sein scheint oder ihn gemeldet hätte. Gesehen haben es Dutzende“, erzählt ein Gast, der an diesem Abend im Cafe „Strom“ war, dem „Wochenblick“.

Linzer Polizei-Chef: Akzeptanz für Drogen zu groß

Es sei auch nicht das erste Mal, dass im Lokal öffentlich Drogen konsumiert wurden, schildert er weiter. Für den Linzer Stadtpolizeikommandanten Karl Pogutter ist das jedoch ein „subjektiver Eindruck“. Denn „ein Gast geht rein und sagt ‚da raucht irgendeiner, da passiert etwas mit Drogen’ und der nächste meldet das vielleicht gar nicht“, erklärt Pogutter weiter.

Für ihn zeigt die gesamte Situation jedoch etwas viel Wichtigeres: Dass die Akzeptanz und der Konsum von Drogen in der Bevölkerung viel zu groß ist. Und so könne das Linzer Drogenproblem nie gelöst werden.

Drogenkonsumenten hauptsächlich Österreicher

Das „Linzer Drogenproblem“ beschäftigt in letzter Zeit Politik und Medien sehr stark. Dabei werden vor allem die Dealer und die Brennpunkte wie der Hessenpark, das Kremplhochhaus oder auch der Hinsenkampplatz thematisiert. Für Karl Pogutter geht die derzeitige Debatte jedoch am Hauptproblem vorbei.

Denn auch wenn bei den Lösungsvorschlägen der Politik von Streetworkern und Maßnahmen zur Suchtprävention gesprochen wird, rückt die Diskussion in erster Linie den Drogenhandel im öffentlichen Raum in den Fokus. Doch für Pogutter muss das Problem vor allem von der anderen Seite angegangen werden: „Man müsste nicht auf den Dealer schauen, sondern auf den Konsumenten. Denn bei den 180 Dealern hatten wir auch 193 Menschen, die es gekauft haben.

Das waren alles Österreicher, bis auf vier oder fünf. Jetzt könnte man sagen: Diese Menschen haben kein Unrechtsbewusstsein, dieses Haschisch oder das Marihuana dort zu kaufen. Sie wollten es kaufen. Wenn sie das jetzt verändern wollen, müssen sie auch daran arbeiten, dass niemand hingehen und das kaufen will. Da müssen sie hingehen und sagen: Denkt mal nach, ihr schädigt euch, ihr werdet krank vom Drogenkonsum!“

Drogenhandel in Linzer Lokalen

Neben dem „Strom“ gibt es in Linz diverse andere Lokale, in denen ungeniert mit Drogen gehandelt und diese auch konsumiert werden. Für Polizei-Chef Pogutter eine klare Folge der Gesetzeslage: „Der Gesetzgeber hat voriges Jahr im Juni den Handel im öffentlichen Raum besonders pönalisiert. Das heißt: Ein Suchgiftdealer bekommt mehr Strafe, wenn er das öffentlich macht, als wenn er es nicht öffentlich macht. Jetzt ist es ganz logisch, dass jemand das im Hintergrund, etwa in einem Lokal, macht, weil er bei Erwischen weniger Strafe bekommt.“

Für die Polizei ist das jedoch kein Vorteil, wenn sich die Drogenszene auf ein paar Lokale konzentriert, anstatt sich draußen zu verteilen: „Aus polizeilicher Sicht ist das egal. Da bin ich schmerzfrei, ob das so oder so ist. Tatsache ist, dass das allgemeine Empfinden in der Öffentlichkeit größer ist, als wenn es im Hinterzimmer stattfindet“, weiß Pogutter und spielt damit ein weiteres Mal auf die Debatten um Hessenplatz und Kremplhochhaus an.

Härte gegen Drogendealer sinnvoll

Für ihn ist deshalb auch klar, dass neben den Konsumenten verstärkt gegen die Dealer vorgegangen werden muss. Obwohl dies etwas ernüchternd ist, denn es kommen immer wieder neue Dealer. Dieselben jedoch nicht mehr, stellt der Stadtpolizeikommandant klar: „Alle, die wir mitgenommen haben, kamen nie wieder. Wir haben voriges Jahr etwa 180 Menschen eingesperrt wegen Handeln im öffentlichen Raum. Von diesen kamen nur vier wieder.“

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