Der Schock sitzt noch immer tief: Der langjährig in Österreich lebende Tunesier Mohamed H. ermordete mutmaßlich brutal ein betagtes Ehepaar in Linz. Der OÖ Polizeichef bestätigt danach: Der Mörder handelte im Sinne des „Islamischen Staates“ (IS). Doch jetzt fragen sich viele: Wer ist der Mann hinter dem grausamen Doppelmord?

„Europa keine Insel der Seligen mehr“

Gefasst verkündete Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) am Montagnachmittag: „Europa ist keine geschützte  Insel der Seligen mehr. Österreich und Oberösterreich liegen mitten in Europa.“ Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ), der persönlich in den Fall verwickelt war und zuvor die Polizeiarbeit im Fall teilweise scharf kritisiert hatte, klärte seine Position auf:

„Zu keinem Zeitpunkt wurde von mir Polizeiarbeit schlecht gemacht. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass es unterschiedliche Erkenntnisse gab. Die Tat hat mich tief schockiert. aber es hat jetzt die entsprechenden Gespräche gegeben. Es ist zu dieser Sache einstweilen alles gesagt.“

Linzer IS-Doppelmord: Das sind die Details

Polizeichef bestätigt IS-Hintergrund

Doch wer ist der Mann hinter dem brutalen Doppelmord? Die Ermittlungen haben gezeigt: Der Tatverdächte hat rund 14 Tage vor seinem Mord auf Facebook seine Treue zum IS-Anführer al-Baghdadi bekundet. Seit Mitte 2016 wurden Tendenzen auf festgestellt, die auf eine Radikalisierung hindeuteten.

OÖ-Landespolizeidirektor Andreas Pilsl gibt weitere Informationen preis: So waren alle Facebook-Beiträge des Täters auf Arabisch verfasst. Auf die Frage, ob denn sein Account nicht überwachte wurde, entgegnet Pilsl: „Eine Beobachtung des Facebook-Accounts war gar nicht möglich, weil das rechtlich nicht möglich war. Das gilt auch für Messenger-Dienste.“

Täter war schon in Libyen auffällig

Er soll außerdem in Libyen schon in Haft gewesen sein. Selbst gab er an, wegen seinem Bart bzw. seinem äußeren Auftreten verhaftet worden zu sein. Insider vermuten deshalb, dass die Inhaftierung auch in Libyen wegen radikal-islamischer Umtriebe stattgefunden haben könnte, was den Aufenthalt des Tunesiers in Österreich noch problematischer erscheinen lässt.

Weitere Schläfer wurden im konkreten Fall noch nicht ausfindig gemacht, wie der Landespolizeidirektor erklärt: „Tatsache ist, dass wir jetzt auf Hochdruck arbeiten und die Interaktionen des Täters auf Facebook überprüfen. Das ist Knochenarbeit und da wird geschaut, so rasch als möglich alle Nationalitäten festzustellen und wer hinter dem Profil steckt. Bei Facebook ist ja nicht immer sicher, dass hinter einem Account auch tatsächlich diese Person steckt. Zum jetzigen Zeitpunkt, bei den ersten Auswertungen, hat sich noch nichts diesbezüglich ergeben.“

Hass auf die FPÖ

Pilsl erklärt weiter: Der Täter radikalisierte sich erstens durch sein reales Leben, indem sich der Tunesier von allen Seiten benachteiligt fühlte. Der Frust des Islamisten endete in etlichen Streitigkeiten und auch in Tierquälerei. So ließ der Mann offenbar zwei Katzen in einem Fensterspalt qualvoll verenden, dafür setzte es später eine gerichtliche Geldstrafe wegen Tierquälerei.

Diesen Hass projizierte er auf die FPÖ, aber teilweise auch auf die Polizei. Zum anderen wurde er ab Oktober 2016 richtig auf Facebook aktiv, verherrlichte alle möglichen Terroranschläge. Sein letzter Eintrag war der Treueschwur auf den IS zwei Wochen vor dem Mord.

Wusste die Ehefrau mehr?

Die Frau soll bei ihrer Einvernahme gesagt haben, sie habe zwar von den islamischen Umtrieben gewusst, eine Radikalisierung sei ihr aber nicht aufgefallen. Die Aussage der Musim-Konvertitin aber nicht besonders glaubwürdig zu sein, wie der Polizeichef durchblicken ließ.

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