Aus Furcht vor Kreditausfällen erhöhen die Banken ihre Risikovorsorge. Denn gerade der Lockdown könnte viele Unternehmen in die Insolvenz treiben – und damit die Banken in eine neue Krise.

Bisher sind die Banken relativ glimpflich durch die Krise gekommen. Hinter den Kulissen werden allerdings schon Vorkehrungen für die nächste Krise getroffen. Bislang litten die Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken stärker unter der Null- und Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank als unter den Folgen der Corona-Krise, doch das könnte sich sehr schnell ändern. Denn die meisten Banken erhöhen wieder ihre Risikovorsorge, d. h. sie legen Geld zurück um damit um Ausfälle von Krediten abzudecken, die sie Geschäfts- und Privatkunden vergeben haben.

Risikovorsorge der Banken ist deutlich gestiegen

Wie die ersten veröffentlichten Zahlen der Deutschen Bank für das dritte Quartal zeigen, ist die Risikovorsorge zwar im Vergleich zum zweiten Quartal etwas gesunken, liegt aber mit 273 Millionen noch immer 56 Prozent über dem des Vorjahresquartals und dürften durch den zweiten Lockdown nun im vierten Quartal wieder ansteigen. Die DZ-Bank, das Spitzeninstitut der genossenschaftlich organisierten Volks- und Raiffeisenbanken – und das zweitgrößte Kreditinstitut Deutschlands – hat ihre Risikovorsorge im ersten Halbjahr verfünffacht. Daher verlangte die Präsidentin des Bundesverbands der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, Marija Kolak, nach dem Lockdown-Beschluss der Bundesregierung weitere Hilfen für Banken und Unternehmen. So forderte sie etwa, dass die staatliche Bank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) die privaten Banken entlasten und auch Schnellkredite an kleinere Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigen ausgeben solle.

Auch Landesbanken erhöhen Vorsorgerücklagen

Auch die jeweiligen Landesbanken der Sparkassengruppe haben zu kämpfen. Mitte Oktober erklärte die Bayerische Landesbank, dass sie wegen der steigenden Risikovorsorge bisher nicht in der Lage sei, eine Prognose für das diesjährige Ergebnis abzugeben. Die Norddeutsche Landesbank steigerte ihre Vorsorge für Kreditausfälle bis Ende des Halbjahres von einer auf 99 Millionen Euro – neue Zahlen werden erst Ende November wieder veröffentlicht. Die Landesbank Baden-Württemberg erhöhte ihre Risikovorsorge im ersten Halbjahr von 63 auf 281 Millionen Euro – damals ging man allerdings noch davon aus, dass es einen zweiten Lockdown nicht geben würde.

Derzeit trifft es die Realwirtschaft

Da die Gegebenheiten in der Corona-Krise jedoch anders sind, als noch während der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren, sind die Banken derzeit noch nicht so stark betroffen, aber das kann sich schnell ändern. Denn im Gegensatz zu vor zehn Jahren, trifft Corona derzeit in erster Linie die Realwirtschaft. Und da vor allem den Mittelstand, also großteils kleinere Betriebe, die ohne staatliche Finanzhilfen derzeit nicht überleben können – also Gastronomie, Messewirtschaft, Kulturveranstalter, Handel usw. – und seit Corona um ihre Existenz ringen. Aber diese kleinen Firmen und Gewerbetreibenden sind seht oft Kunden bei den Volksbanken und Sparkassen. Und wenn sie in großer Zahl in die Insolvenz schlittern und ihre Kredite nicht mehr bedienen können, kann dies auch sehr schnell zum Problem für die Banken werden. Dann müßten etwa einzelne Geldinstitute von der Gruppe gestützt werden oder mit anderen fusionieren. Für die Chefvolkswirte innerhalb der Sparkassengruppe ist daher klar, dass das Kreditrisiko zunehmen wird. Für sie stellt sich schon nicht mehr die Frage, „ob es eine Belastung der Kreditinstitute geben“ wird, sondern „wie hoch diese Belastung ausfallen wird“.