Wegen des Lockdowns sitzen zurzeit auch einige Zirkusse in Oberösterreich fest. In Wels kämpft der „Althoff“ ums Überleben, in Steyr der „Don Eduardo“ und in Ried der „Kaiser“.  Von den Zirkusbetreibern weiß keiner, wie es weitergeht. Da sie keine Vorstellungen geben dürfen, sind Künstler und auch die Tiere auf Spenden angewiesen.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

„Das Schlimmste ist die Ungewissheit“, räsoniert Zirkusdirektor Alex Kaiser (43) in seinem Wohnwagen auf dem Messegelände in Ried. „Unsere Lage ist wirklich katastrophal! So wie es im Moment aussieht, sind wir vermutlich gezwungen, hier zu überwintern, ohne etwas verdienen zu können.“

Das Linzer Gastspiel vom 12. bis zum 29. November hatte leider abgesagt werden müssen. Nun hofft Kaiser, wenigstens noch Weihnachtsgastspiel in Mauthausen retten zu können, das dort für den 20. Dezember fixiert wurde. Unter den derzeitigen Gegebenheiten scheint jedoch dies ebenfalls fraglich zu sein. 

Viel Unterstützung

Auch wenn es derzeit keine Einnahmen für Kaiser gibt, so laufen doch die Fixkosten für das 14-köpfige Personal, für die vierzig Tiere und den großen Fuhrpark weiter.

Mit denselben Problemen kämpft auch Direktor Sascha Degen vom Zirkus Althoff in Wels, wo es vor dem Lockdown nur noch zu drei Aufführungen kam. Seitdem ist auch dieses Unternehmen mit seinen zwölf Angestellten in der Bredouille. „Hilfen sind für den Zirkus nicht angedacht“, bekrittelt Degen.

Seine Klage verhallte zum Glück nicht ganz ungehört. Denn Bürgermeister Andreas Rabl überließ dem Zirkus nach Anfrage sofort die Viehzuchthalle auf dem Messegelände als Unterstand für die Tiere. Damit stünden diese jetzt wenigstens im Trockenen, freut sich Althoff-Zirkus­chefin Karina Degen.

Sie freut sich aber auch über die Gewissheit, dass ihre Leute nun nicht mehr frieren müssen, weil der Welser Unternehmer Franz Joseph Doppler spontan 20 Gasflaschen zum Beheizen der Wohnwägen für die Zirkusleute zur Verfügung gestellt hat.

„Mir hat es fast das Herz gebrochen, als ich den Zirkus in Wels gesehen habe“, betont Doppler, daher sei es für ihn klar gewesen, hier schnell helfen zu müssen. Das dürften sich auch jene Menschen in Ried  gedacht haben, die dem Zirkus Kaiser ihre Unterstützung zukommen ließen.

„Ich bin überwältigt von der Hilfe der Menschen“, bekennt der Direktor, dem Anna und Michael Bauchinger vom gleichnamigen Agrarhandelsunternehmen mit Futterspenden für seine Tiere unter die Arme gegriffen haben. Mit den 1400 Kilo Getreide, die Kaiser von ihnen bekommen hat, kommt er etwa einen Monat gut über die Runden und danach dürfe er sich erneut bei den Bauchingers melden, heißt es.

Auch Kaisers Tiere konnten in Ried in einer Messehalle Unterschlupf finden. Auf Initiative der engagierten Tierliebhaberin Andrea Steingreß aus Aurolzmünster stellte sich zudem die Rieder FPÖ mit zwei Tonnen Grasfutterbällen ein. „Wo wir helfen können, tun wir das gern, auch für gestrandete Zirkustiere“, betont der Rieder Vizebürgermeister Thomas Dim.

Auch wenn er für alles wirklich sehr dankbar sei, wie Kaiser eingesteht, so könne er doch auch nicht umhin, zuzugeben, dass er sich dafür ein wenig geniere.

Bislang hätte er nämlich immer selbst für sein Einkommen und das seiner Leute sorgen können. „Normalerweise spielen wir fünf Tage die Woche das ganze Jahr hindurch, und nun sitzen wir hier und sind auf Almosen angewiesen“, hadert Kaiser mit dem Schicksal.

Wenig zu lachen

Schon der erste Lockdown hätte ihn finanziell schwer getroffen. Im Frühjahr steckte sein Zirkus in Enns fest. „Wir haben uns dann durch den Sommer gekämpft“, nun aber vermag er kaum noch Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Das sei schon sehr frustrierend, meint Kaiser, ein gebürtiger Münchner, der den Zirkus in der 9. Generation führt. „Wir sind ein 270 Jahre altes Familienunternehmen“, erklärt er nicht ohne Stolz, doch ob es  auch die Corona-Zeit überleben wird, ist ungewiss.

Es sei wirklich eine ausweglose Situation, stößt auch Althoff-Direktor Sascha Degen ins selbe Horn. Auch er brütet frustriert über der Tatsache, dass sich sein Zirkus den Lebensunterhalt nicht mehr selbst verdienen könne und dürfe.

„Es hat uns viel Überwindung gekostet, an die Öffentlichkeit zu gehen“, gibt Karina Degen zu, „aber wir haben keine andere Möglichkeit mehr gesehen.“ 

Die Zirkusfamilie Althoff ist eine der ältesten Artisten- und Zirkusdynastien der Welt, deren Anfänge sich bis in das Jahr 1660 zurückverfolgen lassen, schwärmt man bei der unterstützenden Welser Doppler-Gruppe.

Das Alt­hoff-Programm begeistere, fasziniere und bringe die Menschen zum Lachen, ist man dort überzeugt, auch wenn die Zirkusleute im Moment zu denjenigen Menschen gehören dürften, die am wenigsten zu lachen haben.

Not macht erfinderisch

Dies gilt auch für die Familie Schotten, die den Zirkus „Don Eduardo“ betreibt, der zurzeit am Reithoffergelände in Steyr angenagelt ist.

Damit wenigstens ein bisschen Geld in die leere Zirkuskasse kommt, ist man dort mit der Drehorgel bis weit in die Linzer Gegend hinein ausgerückt, um an den Pforten der Supermärkte wenigstens ein paar Euro an Spenden zu lukrieren.