Die Wartezeiten für den Besuch des Vaters oder der Mutter in einem Altenheim dauern aufgrund der Corona-Maßnahmenverordnung mittlerweile fast schon so lang wie die Wartezeit auf einen Facharzttermin, ärgert sich der Linzer Imbissbudenbetreiber Franz Wohlmut alias „Kaiser Franz“.

Ein Bericht von Kurt Guggenbichler

Mittlerweile liegen aber nicht nur die Nerven der Familienangehörigen blank, sondern auch die der Heimbewohner, sagt er. „Ich war jedenfalls sauer“, gesteht Wohlmut, „als ich am 4. Mai hören musste, dass ich meine Mutter frühestens am 17. Mai besuchen könnte.

Da hört sich doch alles auf.“ Mit Othilie Wohlmut (73), der Frau Mama, hat der in Linz lebende Sohn einen guten Kontakt, obwohl diese im Bezirksaltenheim Ulrichsberg im Oberen Mühlviertel lebt.

„Sind die noch dicht?“

„Wir telefonieren täglich“, sagt Franz, „und einmal im Monat fahre ich auch zu ihr.“ Am 4. Mai wäre es für ihn sogar höchste Zeit gewesen, da er seine Mutter zuletzt bei seiner Hochzeit im Februar gesehen hatte.

Der Ausbruch der sogenannten Corona-Pandemie hatte nämlich seinen obligaten Besuchsplan zum Erliegen gebracht. Daher freute sich Franz schon sehr auf ein Wiedersehen mit der Mutter, bis er erfuhr, dass dies für ihn erst frühestens in drei Wochen möglich sei. „Sind die noch ganz dicht?“

Wandte sich an die Politik

In seiner Verzweiflung wandte sich „Kaiser Franz“ via Facebook an die Landtagsabgeordnete Ulrike Schwarz (Grüne), die er aus Rohrbach kannte, und bat sie um Hilfe wegen eines früheren Termins.

„Ich hab es schon im Facebook gelesen“, schrieb ihm Schwarz prompt zurück und machte Franz ein wenig Hoffnung: „Ich habe heute meine Enkelkinder da, aber ich ruf‘ gleich morgen bei der Bezirkshauptmannschaft an – das kann es nicht sein.“

Ihr sei zwar klar, dass die Empfehlungen nicht viel Spielraum ließen, fügte sie noch hinzu, aber mit etwas gutem Willen müsse das schon gehen. „Ich melde mich, sobald ich mehr weiß, Ulli.“

Deprimierendes Erlebnis

Das war das Letzte, was Franz Wohlmut von der grünen Landtagsabgeordneten hörte. Vermutlich hatte sie nicht viel erfahren und scheinbar hat es irgendwo auch am guten Willen gefehlt. Verlass ist in Österreich nur auf die Obrigkeitshörigkeit der Menschen.

So wäre Franz dann auch nichts anderes übrig geblieben, als seinem Besuchstermin abzuwarten, hätte nicht seine Schwester Christina die bereits für den Muttertag (12. Mai) vereinbarte Visite an ihn abgetreten.

„Diesen Termin habe ich mir dann mit meinem jüngeren Bruder geteilt“, erzählt Franz: „Jeder von uns hatte dann eine Viertelstunde – ist das nicht deprimierend?“

„Im Gefängnis sind Insassen heute besser dran“

Als er schließlich seiner Mutter mit mindestens drei Metern Abstand, mit Gesichtsmaske, Handschuhen und einem Plastikschurz gegenübersaß, wollte keine rechte Gesprächsstimmung aufkommen.

„Die alten Leutchen sind nach diesen Wochen der Absonderung nervlich bereits auf dem Zahnfleisch“, sagt Franz. Denn im Bezirksaltenheim Ulrichsberg käme seine Mutter aus ihrem Zimmer nur bis in den Gemeinschaftsraum, und es gibt für dieses Haus auch keinen Garten. „Ich glaube, im Gefängnis sind die Insassen heute besser dran.“