Mord und Gewalt an Frauen nehmen jährlich zu. Seit 2014 hat sich die schwere Gewalt an Frauen bereits verdoppelt. Der Lockdown verstärkt die häusliche Gewalt ungemein. So stieg die Gewalt an Kindern während der Corona-Lockdowns um 49 Prozent. 

Die Eltern in der Kurzarbeit, die Kinder im Homeschooling: Durch die Corona-Politik sind Österreichs Familien stärker denn je auf ihr Zuhause zurückgeworfen. Hinzu kommen Geldsorgen und Zukunftsängste. Viele kommen damit nicht klar: Die Konflikte nehmen massiv zu. So auch die häusliche Gewalt an Frauen und Kindern.

Gewaltschutzzentrum: Kommende Monate werden hart

„Je länger der Lockdown dauert, desto mehr kommen solche Konflikte natürlich auch an den Tag. Durch die Lockdown-Situation entsteht in den Familien manchmal so was wie eine fast kochtopfartige Spannung“, erklärte der Familienseelsorger Josef Lugmayr von der Erzdiözese Linz gegenüber dem ORF. So nahm die häusliche Gewalt 2020 erheblich zu. Die Chefin des Gewaltschutzzentrums Oberösterreich, Eva Schuh, blickt deswegen mit Sorge auf die kommenden Monate, die aller Voraussicht nach weiter von der Corona-Politik und den Lockdowns bestimmt sein werden. Im Gewaltschutzzentrum rechnet man mit einem weiteren Anstieg im Beratungsbedarf.

Dramatischer Anstieg bei häuslicher Gewalt

Die Statistik zur häuslichen Gewalt ist alarmierend. Seit dem Vorjahr waren fast acht Prozent mehr Hilfesuchend, ein Plus von 19 Prozent bei Betretungsverboten und um 44 Prozent mehr Festnahmen nach Konflikten. Zudem stieg die Gewalt an Kindern um 49 Prozent:  „Besonders dramatisch finden wir, dass Kinder, und zwar alle unter 18 Jahren, massiv von Gewalt betroffen sind. Hier haben wir im Vergleich zum Jahr 2019 eine Steigerung von 49 Prozent, wo Eltern gegen ihre minderjährigen Kinder Gewalt ausüben“, berichtete Eva Schuh gegenüber dem ORF.

Alternativen für Lockdown finden

Oberösterreichs Vize-Landeshauptmann, Dr. Manfred Haimbuchner, zeigte sich besorgt über die dramatische Entwicklung. Er fordert angesichts der Gewaltexplosion „vernunft- und evidenzbasierte Alternativen zu der restriktiven Lockdown-Politik zu finden.“ Haimbuchner erklärt: „Der Lockdown wird für eine steigende Zahl von Frauen und Kindern zur Gewaltfalle. Dieser Anstieg in der Statistik wird von einem vermutlich noch weit höheren Anstieg im Bereich der Dunkelziffer begleitet und erfordert ein rasches Gegenhandeln. Das ist ein weiterer gewichtiger Grund dafür, endlich vernunft- und evidenzbasierte Alternativen zu der restriktiven Lockdown-Politik zu finden.“

Haimbuchner: Wegschauen keine Option

Haimbuchner ruft die Bevölkerung dazu auf, bei der Gewahrwerdung von Anzeichen häuslicher Gewalt – etwa im Wohnumfeld – nicht zu schweigen, sondern sich an die Behörden zu wenden: „Wegschauen darf bei Gewalt niemals eine Option sein.“

Leiden Sie unter häuslicher Gewalt? Hilfe bietet beispielsweise die Frauenhelpline gegen Gewalt unter 0800/222 555 österreichweit, rund um die Uhr, kostenlos und anonym.