Alles sei völlig in Ordnung und die Schulschließungen würden die Entwicklung und Bildung der Kinder nicht beeinträchtigen, hieß es im Laufe der Corona-Krise immer wieder. Doch weder der Staat noch die Schulen oder die Eltern waren wirklich auf das Experiment des „absence learning“ oder „Homeschooling“ vorbereitet. Auch die Organisation PANDA (Pandemics – Data and Analytics) wies schon früh auf die negativen Folgen der Maßnahmen für die Bildung von Kindern und Jugendlichen hin.

  • Schulschließungen ließen teilweise Kontakt zu Lehrern abbrechen
  • Mangelnde Vorbereitung auf „Homeschooling“ und fehlende Lernmittel
  • Durch Lockdowns wurde deutlich weniger Stoff durchgenommen, starke Defizite der Schüler in Sprachen und Mathematik
  • Maßnahmen in Schulen haben negtive Auswirkungen auf Lernerfolg

Es zeichnete sich schon sehr früh ab, als Lehrer berichteten, dass sie während des ersten Lockdowns ihre Schüler nicht mehr erreichten. Rund 20 Prozent der Schüler in Österreich waren einfach abgetaucht und für die Lehrkräfte nicht erreichbar – und dies nur in Österreich, welches im weltweiten Vergleich wohl noch eher als privilegiert gelten kann. Nach aktuellen Zahlen der UNESCO waren durch die Covid-Pandemie 1,6 Milliarden Schüler und Studenten auf der ganzen Welt von den Schließungen der Schulen und Universitäten sowie vom Aussetzen von Alphabetisierungsprogrammen und von Programmen zum lebenslangen Lernen betroffen.

Online-Lernen ist gescheitert

Dabei spielte nicht nur die Verfügbarkeit von Internet oder eines Computers eine Rolle für den Lernerfolg während der Pandemie. Zwar fanden sich für die 20 Prozent der abgetauchten Schüler in Österreich, dass diese aus sozial benachteiligten Schichten stammen würden, dass kein Internet oder kein Computer vorhanden sei – laut UN und UNESCO traf dies weltweit auf 830 Millionen bzw. 463 Millionen Lernende zu – dies enthält aber noch nicht das Problem, dass weder die Schulen, noch die Lehrpläne oder die pädagogischen Maßnahmen auf einen langandauernden Fernunterricht ausgerichtet waren und es damit auch noch keinerlei wirkliche Erfahrung gab.

Denn Studien kommen zu dem Ergebnis, dass das Online-Lernen an sich scheiterte. So zeigte sich, dass es bei den Schülern durch den virtuellen Unterricht negative Auswirkungen bei den Leistungen in Mathematik und auch in den Sprachen gab. In einer weiteren Studie in den USA wurde auch versucht, die Lerndefizite quantitativ zu erfassen und zu beziffern. Dabei prognostizierte man, dass – vorausgesetzt die Schüler könnten im Herbst 2020 wieder regulär in die Schulen zurückkehren – nur mit 63 bis 68 Prozent der Lernzuwächse im Lesen und 37 bis 50 Prozent der Lernzuwächse in Mathematik im Vergleich zu einem regulären Schuljahr zu rechnen sei. Allerdings ging man auch davon aus, dass dies nicht alle Schüler betreffe, sondern dass die Verlust bei dem oberen Drittel der Schüler geringer ausfallen könnten.

Was machen mit dem Schuljahr?

Auch in Österreich kam es kurz zu einer Diskussion, wie mit dem Corona-Schuljahr umgegangen werden sollte. Die Volksschullehrerin und ehemalige Ombudsfrau im Bildungsministerium Susanne Wiesinger – die durch ihr Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“ einer breiteren Öffentlichkeit bekanntgeworden war, stellte ebenfalls einen großen Leistungsabfall bei vielen Schülern fest. Vor allem sah sie sogenannte Brennpunktschulen davon betroffen, weshalb sie eine Wiederholung des Schuljahres für viele Schüler als sinnvoll erachtete. Auf allzu viel Zustimmung traf dieser Vorschlag jedoch nicht, auch mit mehreren Fünfern war im Corona-Jahr in Österreich der Aufstieg möglich.

Psychische Probleme und ineffektivere Kommunikation

Weitere Probleme beim Lernfortschritt stellten sich auch durch die weiteren Corona-Maßnahmen in den Schulen heraus. Nicht nur, dass die verstärkten Hygiene-Maßnahmen die geschätzte Unterrichtszeit verkürzen, eine psychologische Studie sah auch einen Zusammenhang zwischen den erzwungenen Fehlzeiten während der Lockdowns – gerade in den frühen Jahren des Schulbesuchs – und späteren Fehlstunden bei Jugendlichen durch Schwänzen.

Aber auch aus der Pflicht zum Maskentragen resultieren Probleme. Nicht nur psychologischer und gesundheitlicher Natur, sondern auch für die Bildung. So erklärte die WHO, als sie zum Tragen von Masken in Schulen aufforderte, dass nicht nur die Auswirkungen der Maßnahme auf die Ausbreitung des Virus, sondern auch auf die Gesundheit der Kinder immer im Auge behalten werden müsste, was allerdings nicht wirklich geschah. Zudem wurde auch schon von Beginn dieser Maßnahme an darauf aufmerksam gemacht, dass ein bedecktes Gesicht die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern stark erschwere. Auch bei Kindern in Kinderkrippen und Kindergärten wurden durch die Maßnahmen Probleme in der Sprachentwicklung festgestellt, vor allem bei mehrsprachigen Kindern waren teilweise Rückschritte bei den Deutschkenntnissen festzustellen.

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