Oberösterreichs Friseure sind hochgradig verärgert: Denn wenn sie auch seit Montag wieder arbeiten dürfen, glauben sie nicht, dass sie viel Geschäft machen werden. Die Ursache dafür ist die jüngste unverständliche Lockdown-„Lockerung“ der Regierung, die mehr einengt als erleichtert.

Ein Lokalaugenschein von Kurt Guggenbichler

Doch die neueste Verordnung zur Inanspruchnahme körpernaher Dienstleistungen verärgert auch die Kunden von Friseuren, für die der Besuch nun zu einer teuren Angelegenheit werden könnte, wie der ehemalige Voest-Abteilungsleiter Horst Urban (80) aus Linz-Dornach klagt. „Ich gehe jeden Dienstag zum Friseur und einmal monatlich zur Fußpflege, wofür ich nun einen Test benötige“, erläutert er und fragt: „Wer bezahlt mir diesen Test beim Arzt oder Apotheker? Und wer bezahlt mir das Taxi, wenn ich damit zu einer Station fahren muss, bei der ich einen Gratistest bekäme? Und soll dann das Taxi zwei, drei Stunden auf mich warten, bis ich dort an die Reihe komme?“

Keiner weiß, wie es funktionieren soll

Wie der Friseurbesuch bei alten und nicht mobilen Kunden einigermaßen reibungslos funktionieren soll, ist auch der Friseurmeisterin Antje Weißböck aus Manning bei Ottnang schleierhaft. Beim Besuch des Wochenblick am letzten Mittwoch wühlt sie sich gerade verzweifelt durch einen dicken Aktenordner mit Verordnungen aus den letzten Covid-Monaten und versucht dem jüngsten Edikt zu entnehmen, was ihre Branche neuerdings tun darf und wie dies in der Praxis umgesetzt werden könnte.
Zu diesem Zweck hatte sie auch schon mit Wolfgang Eder, dem Bundesinnungsmeister der Friseure, telefoniert, der ihr schon „völlig entnervt“ erklärt hatte, dass er auch nicht wisse, wie das alles funktionieren solle.

Wer soll die Testergebnisse kontrollieren?

Denn bei der vorgeschriebenen Abstandsregel von 20 Quadratmetern kann Weißböck nur noch eine Kundschaft im Geschäft bedienen. Da hat dann ihre einzige Angestellte, ihre Tochter Miriam Weißböck (28), nicht mehr viel zu tun, weshalb diese nun um ihren Job fürchten muss. „Das Ganze sei ein ausgemachter Schwachsinn“, erklärt dazu ihr Kollege Christian Bacher aus Linz. Der Innungsfunktionär sieht sich – wie im übrigen viele seiner Kollegen – außer Stande, die Testergebnisse seiner Kunden zu kontrollieren, weil dies schon aus Datenschutzgründen nicht erlaubt sei.

Unzufrieden mit der Chaos-Verordnung der Regierung

Das sieht auch die potentielle Friseurkundin Herta Hummer aus Atzbach so. Nicht nur sie fragt sich, warum Kunden, die mit einem negativen Testergebnis zum Friseur kämen, dann auch noch Masken tragen müssten. Selbiges gilt für das getestete Personal. Dass die nur einmal wöchentlich zum Test müssen, obwohl dieser bekanntlich nur eine Gültigkeit von 48 Stunden hat, ist eine weitere Ungereimtheit dieser jüngsten Chaos-Verordnung der Regierung. „Auf Grund der ganzen widrigen Umstände, die nun mit einem Friseurbesuch einhergehen, haben mir schon viele Kunden abgesagt“, betont Antje Weissböck, die die die geforderten Tests wie ihre Kundin Beate Scharax aus Schwanenstadt für „eine Zumutung“ hält. „Die wollen lediglich die vielen eingekauften Tests loswerden“, vermutet die Friseurmeisterin.