Am vergangenen Wochenende drohten auch in Großbritannien die Proteste und Unruhen im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegung zu eskalieren. Unter anderem machten sich dabei Demonstranten an Denkmälern zu schaffen – die jetzt in London ganz offiziell unter die Lupe genommen werden sollen. 

Am eindrücklichsten war dabei wohl der Vorfall in Bristol. Dort stürzten der wütende Mob die Statue von Edward Colston in das Hafenbecken. Der städtische Wohltäter des 17. und 18. Jahrhunderts soll nämlich – wie zahlreiche andere in der westenglischen Stadt – am einstigen afrikanischen Sklavenhandel mitverdient haben. Die Demontage des Denkmals führte in der Folge zu unglaublichen Reaktion – Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton sah es überhaupt als Anlass, die Entfernung auch anderer vermeintlich „rassistischer“ Statuen zu fordern.

London installiert „Diversity Kommission“

Dass er mit dieser Stoßrichtung nicht alleine ist, zeigt jetzt ein Vorstoß des muslimischen Bürgermeisters der britischen Hauptstadt London. Dieser setzte nämlich eine sogenannte „Diversity-Kommission“ ein. Deren Aufgabe soll es sein, die Monumente und anderen Sehenswürdigkeiten der Metropole an der Themse historisch zu durchleuchten und auch gegebenenfalls den künftigen Umgang damit vorzuschlagen.

Sadiq Khan, selbst Sohn pakistanischer Einwanderer, ist nämlich der Ansicht, dass die jüngsten Proteste zeigen würden, dass das Londoner Stadtbild samt Straßennamen, Gedenktafeln und Statuen vor allem die viktorianische Ära des 19. Jahrhunderts ehren würde. Heute aber sei seine Stadt „eine der diversesten Orte der Welt“, weshalb er sich eine Sichtbarmachung dieses Umstandes wünscht. 

In London war ebenfalls eine berühmte Statue von Vandalenakten betroffen – nämlich jene von Winston Churchill. Der Kriegspremier, der noch 2002 zum „größten Briten aller Zeiten“ gewählt worden war, wurde in einem Schmieraktion salopp zum „Rassisten“ degradiert…

Khan: London verdankt Reichtum der Sklaverei

Khan macht den Vorvätern Londons einen Vorwurf: „Eine unangenehme Wahrheit ist, dass unsere Nation und Stadt einen Gutteil ihres Wohlstandes seiner Rolle dem Handeln mit Sklaven verdankt. Während der öffentliche Raum diese Ära offen darstellt, wurde das Wirken vieler Communities zum Leben in unserer Hauptstadt absichtlich ignoriert.

Die neue Kommission bezieht dabei auch Historiker, Künstler und die Zivilgesellschaft ein. Den Vorsitz teilen sich die Kultur-Vizebürgermeisterin Justine Simons und Debbie Weekes-Bernard. Die Vizebürgermeistern für soziale Integration, soziale Mobilität und Zivilgesellschaft ist selbst dunkelhäutig. 

Tories: „Kriegserklärung gegen Denkmäler der Stadt“

Keine Freunde mit dieser neuen Kommission haben unterdessen die in der Stadt als Opposition agierenden Konservativen. Sie unterstellten Khan eine „Kriegserklärung gegen die Denkmäler der Hauptstadt“. Anstelle sich „in Tugendhuberei zu gefallen und eine spaltende Debatte zu führen“, solle dieser „sich auf seinen Job organisieren.

Die Kritik teilen auch hochrangige Tory-Parteimitglieder mit fremden Wurzeln wie Priti Patel, die indischstämmige Innenministerin des Landes. Sie ärgerte sich darüber, dass auch Ausschreitungen zum Teil der Proteste wurden: „Diese Demonstrationen wurden von Kriminellen unterwandert. Gerechtigkeit wird folgen.“