In Norderstedt bei Hamburg sollen vier Häuser für „Flüchtlinge“ entstehen. Für das 25 Millionen Euro teure Bauvorhaben gibt es heftige Kritik.

Im schleswig-holsteinischen Norderstedt gibt es Streit. Grund dafür ist ein Bauvorhaben, welches vor rund einem Jahr die SPD, Die Grünen, die Linke und die Wählergemeinschaft „Wir für Norderstedt“ gegen die Stimmen von AfD, CDU und FDP mit knapper Mehrheit beschlossen haben.

Bisherige Unterkünfte oft baufällig

Da der Wohnungsmarkt in dem rund 78.000 Einwohner zählendem Ort angespannt ist, müsse man etwas tun, denn gerade Migranten hätten es Wohnungsmarkt besonders schwer. Insgesamt leben bisher rund 1.100 „Geflüchtete“ in Norderstedt, die an 12 unterschiedlichen Standorten untergebracht sind – allerdings sind einige der Unterkünfte in einem baufälligen Zustand.

Daher hatte der Sozialausschuss den Bau von vier „Flüchtlings“-Unterkünften für insgesamt 25 Millionen Euro beschlossen. Auch geht mach in Norderstedt von gleichbleibenden oder steigenden Migrantenzahlen aus. „Die Zahl bleibt konstant, die etwa 200 Abgänge im Jahr werden durch Familiennachzug, Geburten und Zuweisungen ausgeglichen“, so Sozialdezernentin und Grünen-Politikerin Anette Reinders.

Bauen mit allem Komfort

Nun wurden die Pläne für die ersten zwei Häuser vorgestellt. Entstehen soll ein Gebäudekomplex mit 38 Wohnungen, die auf zwei Häuser verteilt werden. 18 Wohnungen sind für Einzelpersonen vorgesehen, acht für drei und zwölf für vier Bewohner, Familien mit Kindern. Die Wohnungen werden auch über Abstellräume im Keller verfügen und mit Balkons und Terrassen ausgestattet sein. Vorgesehen sind zudem 28 Stellplätze.

Auf zwei Geschossen plus Staffelgeschoss sollen rund 2.200 Quadratmeter Wohnfläche entstehen. Die Wohnungen sind zwischen 46 und 84 Quadratmeter groß, mit Bad, Küche, Wohn- und Schlafräumen komplett ausgestattet. Kalkulierte Kosten sind 8,2 Millionen Euro sind für die beiden Häuser. Etwas kleiner fällt die zweite Asylunterkunft aus. 26 Wohnungen, sieben für Einzelpersonen, zehn Zweier-Apartments, drei für drei und sechs für vier Bewohner. Autos sollen in der dazugehörigen Tiefgarage geparkt werden. Kosten 5,7 Millionen Euro.

Die grüne Sozialdezernentin weiß zudem auf die Vorteile der Planung hin: Da die Mehrzahl der Asylsuchenden allein komme, sei in den beiden neuen Häusern der Anteil an Einzelwohnungen hoch. „Und wenn diese Menschen wie bisher in den Unterkünften zusammen mit Fremden leben müssen, erhöht das das Konfliktpotenzial“, sagt Reinders. Außerdem seien die neuen Häuser auch so konzipiert, dass auch Norderstedter dort einziehen können, wenn Räume frei werden.

Kritik von den anderen Parteien

An dem 25 Millionen-Projekt gibt es von Seiten der anderen Parteien heftige Kritik. „Schicke Neubauten für Asylmissbrauch auch in Hamburgs Nachbarschaft. Ein Schlag ins Gesicht jedes Steuerzahlers“, schrieb die Hamburger AfD auf Facebook. Aber auch CDU und FDP äußerten Bedenken und sprachen davon, dass sozial schwache Familien und Senioren die geplanten Flüchtlingsunterkünfte als schlechtes Signal wahrnehmen könnten.

Der Stadtvertreter Frank Schulze (CDU) erklärte schon kurz nach dem Beschluss vor einem Jahr: „Es ist für das friedliche Zusammenleben unserer Bürger mit oder ohne Migrationshintergrund nicht förderlich, hier eine einzelne Bevölkerungsgruppe den anderen Bevölkerungsgruppen der Menschen in Norderstedt vorzuziehen.“