In den letzten Tagen macht im Mainstream ein Bild eines schwarzen Aktivisten die Runde, der einen verletzen Weißen aus der Gefahrenzone trägt. Das ist aber nicht einmal ein Viertel der Geschichte. 

Auf den Teil, dass das furchtlose Einschreiten von Patrick Hutchinson heldenhafte Züge hat, dürften sich noch alle Seiten einigen können. Vom medialen Mainstream wird dies aber derart exklusiv bespielt, dass der Eindruck entstehen soll, auf Seiten der „Black Lives Matter“-Proteste stünden ausschließlich Edle, welche sogar die ‚Bösen‘ beschützen – und zwar sowohl durch selektiven Videoschnitt, als auch durch die Auswahl der Fotos.

Originalton zu lebensgefährlichem Mob beschnitten

Die Art der Darstellung hat allerdings gleich mehrfachen Haken – einen davon liefert der Held vom Samstag im Originalton. Denn auch wenn Hutchinson zu seinen Beweggründen ausgiebig zitiert wurde: Den Teil, wo er sein Einschreiten damit begründet, dass er verhindern wollte, dass der Mob den von ihm geretteten Mann zu Tode prügelt, zitierten etablierte Medien im deutschen Sprachraum kaum. Der Stern lässt das Videointerview sogar einfach später beginnen. Zum Vergleich, die BBC-Version:

Mainstream schafft vereinfachtes Gut-Böse-Narrativ

Auch zum eigentlichen Ablauf der Konfrontationen zwischen wütenden BLM-Demogängern und mutmaßlich rechtsgerichteten Denkmalschützern wird das Narrativ beeinflusst. Der ORF framte schon am Wochenende die wechselseitige Gewalt als vermeintlich rechtsextremen Angriff. Und hauptsächlich zwei Dinge schafften es in die mediale Öffentlichkeit.

Neben dem mutigen Vorgehen von Hutchinson war auch noch die Geschichte eines Gegendemonstranten prominent, der sich neben dem Denkmal für einen von einem islamistischen Terroristen getöteten Polizisten erleichterte. Stimmen, die mit Schleifung und Beschmierung anderer Statuen kein Problem hatten, heuchelten Empörung.

BLM-Gewalt nur von freien Medien thematisiert

Was hingegen völlig unterging, war das Ausmaß an Brutalität, den Teile des BLM-Mobs an den Tag legten. Der AFP-Fotojournalist Daniel Leal-Oliveras, der auch zu jenen Fotografen gehörte, der Hutchinson vor die Linse bekam, dokumentierte diese Gewalt sogar minutiös. Auf redaktionellen Bildergalerien wie dem APA Picturedesk sind sie selbstverständlich verfügbar. Aber die Bilder von Schwarzen, die einem am Boden liegenden Mann auf den Kopf springen, fanden ihren Weg nicht in die Berichte des Mainstreams.

Solche Kollektionen brachten nur freie Medien wie der britischen Ableger des US-Portals Breitbart oder die Grazer Tagesstimme überhaupt als Teil der täglichen Berichterstattung. Auch auf Twitter finden sich Dokumente der teils rohen Gewalt, etwa das Kurzvideo eines nordirischen Fotografen. Dabei sieht man, wie sich eine ganze BLM-Meute auf einen einzelnen Mann stürzt – also offensichtlich kein Einzelfall an diesem Tag in London.

Erinnerungen an Manipulation in Asylkrise

Dass der Mainstream trotz vorhandenen Bildmaterials einseitige Narrativ bespielt, ist nichts neues. Erst im März entstanden an der griechisch-türkischen Szene manipulative Bilder. Wie der Wochenblick damals aufdecken konnte, waren teils dieselben Fotografen wie beim bisherigen Höhepunkt der Migrationskrise im Jahr 2015 beteiligt.

Ein griechischer Fotojournalist reproduzierte dabei sein preisgekröntes Mitleidsbild fünf Jahre später mit einem anderen Protagonisten überhaupt fast deckungsgleich erneut. Am Ende musste der Mainstream sogar zugeben, mit Bildern manipuliert zu haben.