Peinlich: Die QR-Codes der Impfpässe von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, und Premier Jean Castex kursieren seit Tagen im Internet. Macron spricht von „Schlamperei oder einem boshaften Akt von Mitarbeitern im Gesundheitswesen“.  Der Staatschef ist angeschlagen: Die immer massiveren Proteste gegen den Impfpass und Impfzwang zwingen Macron nun zum Einlenken. Er denkt laut über Lockerungen nach.

  • Datenleck bei Impfpass-QR-Codes
  • Von Präsident Macron und Premier Castex
  • Macron vermutet Bosheitsakt
  • Neues Tool soll Abhilfe schaffen
  • Anhaltende Proteste gegen Impfregime 
  • Macron rudert zurück
  • Lokale Impfpässe möglich

Falsches Impfdatum 

Macrons Impfpass-QR-Code kursierte insbesondere auf Snapchat und Twitter. Der Code zeigt neben seinem Geburtsdatum auch das Impfdatum an. Es lautet auf 13. Juli 2021. Tatsächlich wurde Macron am 31. Mai geimpft, berichtet das Online-Medienportal Franceinfo. Auf Nachfrage im Präsidentenpalast, wie diese Diskrepanz entstand, hieß es: Das Impfdatum sei nachträglich eingetragen worden, weil es Probleme beim Datentransfer gab.

Während man beim Premier vermutet, dass sein QR-Code über Pressefotos seines Mobiltelefons an die Öffentlichkeit gelangte, glaubt man bei Macron an einen „Bosheitsakt“ von Mitarbeitern im Gesundheitssystem, die Zugang zur Impfdatenbank haben. Macron hat sich wegen der rigorosen Impfpflicht in dieser Berufsgruppe viele Feinde geschaffen. 

Schwarze Liste in Planung

Die Regierung arbeitet jetzt an automatisierten Tools, um Betrug mit gestohlenen QR-Codes im Internet zu unterbinden. Aktuell ist das nur manuell möglich. So will die Regierung eine „schwarze Liste“ von Codes einrichten, die möglichst vielen Menschen zugänglich ist. Künftig könnte man zB per Formular bei einer definierten Stelle die Deaktivierung des gestohlenen QR-Codes beantragen.

Möglich wäre auch die Generierung eines neuen QR-Codes und die De-Aktivierung des alten über einen Link auf der Impf-Webseite. Wer einen gestohlenen QR-Code benützt, fliegt dann bei der Kontrolle aufgrund eines Hinweises auf. Dann drohen drei Jahren Gefängnis und eine Geldstrafe von 45.000 Euro. 

Macrons Impfregime bröckelt 

Der französische „Gesundheitspass“ entspricht in etwa unserer 3-G-Regel. Er gilt seit Juni, seit Juli auch bei Reisen. Ab Ende September ist er auch für über 12Jährige verpflichtend. Der Pass gilt bis 15. November, Premier Castex wollte eine Verlängerung, was erneute Proteste provozierte und die Stimmung im Land weiter aufheizte. Mittlerweile kündigten viele Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte, die den Impfzwang ablehnen. Rund 3.000  wurden bis auf weiteres ohne Bezahlung suspendiert.

Es kam zu dramatischen Szenen, wenn langjährige Mitarbeiter mit zwei oder drei Kindern plötzlich vor dem Nichts standen. Aus Protest verbrannten Mitarbeiter von Krankenhäusern öffentlich ihre Arbeitskleidung und Diplome. In einigen Krankenhäusern, etwa in Lille, herrscht Personalnotstand. Dort stellte man nun 50 neue Mitarbeiter ein. Weder Lebenslauf noch Berufserfahrung waren erforderlich. Weil die Lage nun zu eskalieren droht, rudert Macron nun zurück.

Kommen „lokale Impfpässe“?

Macron erklärte vorige Woche anlässlich einer Gewerkschaftsversammlung: sobald die Gesundheitsdaten es zulassen, und er glaube das könnte bald der Fall sein, könne man in Regionen mit niedrigem Virusaufkommen Einschränkungen aufheben. Immerhin gebe es bereits 30 Departements, wo die Inzidenz unter 50 auf 100.000 Einwohner gerechnet, liegt. Macron-Sprecher Gabriel Attal brachte jetzt die Idee lokaler Impfpässe ins Spiel. Dort, wo das Virus kaum mehr zirkuliert, könne man den Pass aufheben, wo die Politik weiterhin „Gefahr im Verzug“ wähnt, soll er bleiben.  Die Idee wird jetzt im zuständigen Rat diskutiert. 

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