30 Jahre lang vermittelte das Berliner Jugendamt Kinder und Jugendliche an Pädophile. Beschwerden und selbst Todesfälle wurden ignoriert, die Behörden scheinen die Kinder bewusst ausgeliefert zu haben. 2019 wurden alle Verfahren eingestellt.
Im Zuge einer Studie sollen jetzt die Netzwerke erforscht werden, doch die Aufarbeitung läuft schleppend. Die bisherigen Ergebnisse zeigen: Pädophile Netzwerke reichen bis in die höchsten Ebenen der Gesellschaft. Im Zentrum des Netzwerks steht der Universitätsprofessor Helmut Kentler, der sich durch das Propagieren von Kindersex als Teil der Erziehung einen Namen gemacht hat.

Das Kentler-Experiment

Der pädophile Professor Helmut Kentler war Pädagoge und Psychologe. Er veröffentlichte auch Erziehungsratgeber, die zum Sex mit Kindern rieten. Denn Kinder sollten seiner Meinung nach Sexualität mit Erwachsenen „erlernen“.
Kentler setzte sich dafür ein, dass Jugendliche aus problematischen Verhältnissen, denen beispielsweise die Obdachlosigkeit droht, an pädophile Männer vermittelt werden.
Alleine das zeigt, wo Kentler, der Zeit seines Lebens ein anerkannter Teil der Gesellschaft war, Pädophile verortete: in tragenden Rollen. In Rollen, die so weit über jugendlichen Problemfällen stehen, dass es ihnen möglich ist, Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen zu re-integrieren.

„Schwachsinnige Jungen“

1981 erklärte Kentler, der auch Abteilungsleiter des Pädagogischen Zentrums Berlin war vor FDP-Bundestagsabgeordneten, die Pädophilen hätten „diese schwachsinnigen Jungen nur deswegen ausgehalten, weil sie eben in sie verliebt, verknallt und vernarrt waren.“
Noch immer ist nicht umfassend geklärt, wie Kentler seinen Einfluss auf die Jugendämter geltend machte, sodass das Projekt, das unter dem Namen „Kentler Experiment“ lief, tatsächlich in Berlin und darüber hinaus umgesetzt wurde. Hunderte Kinder und Jugendliche wurden so hilflos an Pädophile als Sexsklaven ausgeliefert.

Hauptverantwortlicher: Berliner Landesregierung

Eine Hildesheimer Forschergruppe konnte ermitteln, dass die „Kindeswohlgefährdung in öffentlicher Verantwortung“ mindestens bis 2003 stattfand. Das Netzwerk von pädophilen Akteuren sei aufgrund des Kentler-Experiments „geduldet“ worden, bestätigt Wolfgang Schröer von der Uni Hildesheim. Kentler habe viel Einfluss auf die Berliner Landesregierung ausgeübt. Eine präzise Aufarbeitung des Systems steht nach wie vor aus, weil es schwierig sei, an Akten und Daten zu kommen. So würde seitens der Behörden selbst die Herausgabe der Organisationsstrukturen der Ämter im betreffenden Zeitraum verwehrt. Fest steht: der Senat für Jugend, Familie und Bildung wurde seit den 70er-Jahren von FDP, CDU und SPD gestellt.

Universitäten beförderten Pädo-Netzwerk

Die bisherigen Forschungsergebnisse zeigen, dass Kentlers Missbrauchs-System in tragender Rolle vom universitären Bereich etabliert wurde.So bildeten das Pädagogische Zentrum Berlin, das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung sowie die Freie Universität und das Pädagogische Seminar Göttingen institutionelle Eckpfeiler zur wissenschaftlichen Deckung des „Experiments“.
Auch zum Pädagogischen Zentrum Berlin und zur Berliner Odenwaldschule, die 2015 nach Bekanntwerden des dortigen Missbrauchsskandals schließen musste, lassen sich Verbindungen des Pädo-Professors nachweisen.

Betroffene sind machtlos

Das genaue Ausmaß des Skandals ist nach wie vor im Verborgenen. So ließ sich bisher weder die Anzahl der Opfer, noch die der Täter ermitteln. Den Opfern wurden mittlerweile von Seiten des Berliner Senats Entschädigungszahlungen in noch ungewisser Höhe zugesagt. Einige Betroffene sehen darin jedoch nur Lippenbekenntnisse, sie fühlen sich machtlos. In einer Stellungnahme klagen sie: „Alle Worte von SenBJF haben keinerlei Wert, wenn hinter den Kulissen weiterhin mit harten Bandagen der Juristerei gegen die Betroffenen gearbeitet wird”.
Außer ihnen wird für die Taten niemand mehr büßen. Die Taten sind alle mittlerweile verjährt und Pädo-Professor Kentler verstarb bereits 2008.