Mit den Ausnahmeregelungen für das Training der Spitzensportler hat die Regierung auch im Fußball eine Zweiklassengesellschaft geschaffen, die besonders die Kinder trifft und auch zu Verärgerung und Spaltung in den Familien führt. WOCHENBLICK sprach exklusiv mit einem Chef-Trainer.

Von Kurt Guggenbichler

„Ich überlege mir schon eine ganze Weile, ob ich den Sportminister nicht wegen Amtsmissbrauchs verklagen soll“, entrüstet sich Martin Wolf, der Obmann und sportliche Leiter des Fußballvereins „JAZ GU-Süd“ bei Graz.

Nur Spitzensportler unterliegen keinen Auflagen

„Wir müssen unseren zehnjährigen Fußballnachwuchs mit einem ungeheuren Aufwand an Man-Power und unter erschwerten Bedingungen trainieren, während der gleichaltrige Nachwuchs in den Bundesligavereinen auf Grund des Paragraphen 9 (Absatz 2, Z 1) der 4. Covid-Schutzmaßnahmenverordnung ungehindert spielen kann“, erläutert Wolf. Dies sei eine Diskriminierung. Es gebe Familien mit zwei Buben, die jeweils in einem anderen Verein trainierten: der eine in einem normalen Klub, der andere in einem Bundesligaverein. Der Bub im Bundesligaverein gilt als Spitzensportler und darf alles tun, der andere Bub ist beim Trainieren Auflagen und Beschränkungen unterworfen.

Rückkehr zum Training für alle gefordert

„Stellen Sie sich einmal vor, was dabei in diesen Kindern vorgehen muss“, gibt Wolf zu bedenken. Sein Verein habe 16 junge Spieler, für die er 16 Trainer benötige. „Das ist ein ungeheurer Aufwand, der uns sehr teuer kommt und den wir auch nicht lange durchhalten werden, auch aus sportlichen Gründen“, erläutert Wolf, der daher auch eine Rückkehr zu den alten Trainingsbedingungen fordert, und zwar für alle.
Ins selbe Horn stößt auch Oliver Karle, IT-Manager in Wattens, dessen zehnjähriger Sohn beim „FC Stubai“ kickt – wenn man das noch so nennen kann. Deshalb fordert auch er wieder einen normalen Sport- und Spielbetrieb. „Es reicht!“, sagt er.

Soziale Distanz schädlich für die Kinder

„Es ist an der Zeit, dass unsere Kinder in ihren Vereinen ihrem Bewegungsdrang wieder freien Lauf lassen können.“ Unsere Kinder seien junge Menschen, die Entfaltung und Nähe benötigten, betont Karle: Soziale Distanz, Masken und Tests sowie das Verbot, mit ihren Freunden in den Vereinen den sozialen Umgang zu üben, seien schädlich für die Kinder. Daher unterstützt auch Karle – wie mittlerweile schon 42.759 Österreicher – die Unterschriftenaktion „Kinder brauchen Sport“, die umgehend eine Freigabe der Spiel- und Trainingsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche im Freien fordert, bei Einhaltung von Vorsichts- und Hygienemaßnahmen.

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