Vor einem Jahr ermordete der in Marokko geborene und in Italien eingebürgerte Said M. den Italiener Stefano Leo mitten auf der Straße in Turin, weil er „Italiener und glücklich“ war. Die Staatsanwälte plädierten jetzt für die Höchststrafe. Das Gericht verurteilte den Marokkaner zu 30 Jahren Haft, insbesondere, weil der 29-Jährige keine Reue zeigte. Der Anwalt des Mörders will berufen.

… konnte Glück seines Opfers nicht ertragen

Der Mord am 33-jährigen Stefano Leo geschah am 23. Februar des Vorjahres am Ufer des Po-Flusses in Turin. Stefano war, wie jeden Tag zu Fuß zur Arbeit gegangen. Er hatte ein Headset auf, hörte Musik und nahm seinen Mörder nicht wahr. Said M. beschrieb der Polizei Motiv und Tathergang: „Ich wollte die Stadt bestrafen. Ich wählte ein junges, italienisches Opfer, weil der Mord ein Skandal sein würde“, erklärte er der Polizei. Er habe ein besonders scharfes Messer gekauft und sei dann zur Murazzi-Treppe gegangen und habe gewartet. „…ich sah ihn und war mir sicher, dass er Italiener war. Er habe Stefanos Glück nicht ertragen können, sei verzweifelt gewesen. Er wollte ihm seine Hoffnungen, seine Kinder und Freunde und Verwandte wegnehmen“. Said M. ermordete Stefano mit einem Stich in den Hals. Das Messer versteckte er, um es erneut benutzen zu können.

Verpfuschtes Leben

Der Vater des Ermordeten ist gebrochen. Der Gedanke, dass sein Sohn wegen eines Blickes, vielleicht wegen eines Lächelns sterben musste, kann er nicht akzeptieren. Said M. hat ein langes Strafregister wegen gewalttätigen Übergriffen gegenüber seiner Familie. Deshalb wurde er 2015 geschieden und in Folge obdachlos. Er lebte von der Sozialhilfe. In Turin hält er sich seit seinem sechsten Lebensjahr auf. Er arbeitete als Koch, verlor aber wiederholt seinen Job, ging zurück nach Marokko und suchte Arbeit in Spanien. Im Jänner, ein Monat vor dem Mord, kam er zurück nach Turin, wohnte in einem Obdachlosenheim und bezog wieder Sozialhilfe.

Täter hätte in Haft sitzen sollen

Erneut kam es zu Problemen. Said M. hätte eigentlich wegen einer Gewalttat eine unbedingte neunmonatige Haftstrafe absitzen müssen. Doch der Haftbefehl ging irgendwo verloren, deswegen konnte der Mann frei herumlaufen und morden. Der Präsident des Berufungsgerichtes von Turin, Eduardo Innocenti, entschuldigte sich später für diesen Umstand und machte Überarbeitung der Ämter für den Fehler verantwortlich.

Der Fall des Said M. zeigt aber vielleicht auch, welche tragischen Folgen die Entwurzelung eines Menschen in der Fremde haben kann.