Lediglich Glück gehabt? Obwohl ich als Angehöriger der Hochrisikogruppe nur die vorgeschriebene Vorsicht walten lasse und keine weiteren Vorkehrungen zu meinem Schutz treffe, mich auch nicht eingeschränkt bewege, scheint mir das in allen Ecken lauernde Covid-19-Virus aus dem Weg zu gehen.

Ein Lokalaugenschein mit Kurt Guggenbichler

„Bitte Maske aufsetzen!“, schallt es mir beim Betreten der öffentlichen WC-Katakombe neben dem Alten Rathaus in Linz entgegen. „Braver Mann“, denke ich über den mich ermahnenden Toilettenwart. Er tut nur seine Pflicht.

In der Vergangenheit haben bereits viele Menschen nur ihre Pflicht getan … Folgsam fische ich also meine Maske aus der Jackentasche, spanne sie mir, wie aufgetragen, vor Mund und Nase und wundere mich.

Schließlich bin ich der einzige Mensch, der zu dieser frühen Morgenstunde an diesem öffentlichen Abort auf dem Linzer Hauptplatz verweilt. Ich frage mich, ob ich die Maske auch während der von mir selbst verordneten, dringenden Sitzung in der Abgeschiedenheit des stillen Örtchens tragen muss.

„Im ganzen Haus herrscht Maskenpflicht“ belehrt mich der Hüter des Ortes, an dem die menschlichen Hinterlassenschaften offenbar gleich mit den demokratischen Grundrechten entsorgt werden.

Kräftig durchatmen

Aber ich will gnädig sein und glauben, dass man sich mit dem Maskentragen vor dem Virus gut beschützt fühlen kann.

Obwohl der Leondinger Mediziner Martin Haditsch der Ansicht ist, dass diese Masken nicht mehr als „wabernde Fetzen“ sind, von denen er sich mit allergrößter Fantasie nicht vorstellen könne, dass diese eine signifikante Schutzwirkung hätten.

Ich fühle mich jedenfalls erleichtert, auch weil ich mich nun aus den Niederungen des unterirdischen Häusls wieder nach oben begebe, wo ich endlich kräftig durchzuatmen gedenke, in der Hoffnung, dass mich nicht wieder die Migräne ereilen möge, wie schon so oft in den letzten Wochen.

Vor Ausbruch der sogenannten Corona-Pandemie, die nicht nur Fachärzte wie Haditsch oder Peer Eifler eher für eine „Test-Pandemie“ halten, habe ich weder Migräne noch Kopfweh gekannt. Ob daran das viele CO2 schuld ist, das ich wegen der Maske nicht ausatmen kann?

Oder sollte mein Kopfweh etwa schon der Vorbote dieser furchtbaren Virus-Erkrankung gewesen sein? Von Fieber waren meine Kopfschmerzen aber nie begleitet gewesen, sodass ich mir bislang ersparen konnte, die Telefonnummer 1450 anzurufen. Es hätte wohl auch nicht viel gebracht – bei der chaotischen Organisation für dieses Notruftelefon.

Mit unmaskiertem Gesicht spaziere ich nun im Freien und vorbei an vielen Leuten zur Tiefgarage an der Promenade, wo mein Auto parkt. Als ich – mittlerweile wieder vorschriftsmäßig maskiert  – die schmale Treppe zum Kassenautomaten hinuntersteige, macht eine Frau, die gerade die Treppe heraufkommen wollte, am Absatz kehrt und nimmt in Richtung Parkgarage Reißaus.

Viel desinfizieren

Sie hat es wohl nicht riskieren wollen, sich an mir, einer potentiellen Covid-19-Virus-Schleuder, vorbeidrücken zu müssen. Die Dame lässt sich erst wieder blicken, nachdem ich mein Ticket bezahlt habe und auf dem Weg zu meinem Wagen bin. Sicher ist sicher!

Im Auto nehme ich die Maske wieder ab und überlege, ob ich es wagen könnte, das Radio einzuschalten. Andernorts hatte ich einmal ein älteres Paar dabei beobachtet, wie es an seinem Autoradio zuerst die Tastatur mit einem Taschentuch, das mit Desinfektionsspray durchtränkt war, sorgfältig desinfizierte, ehe der Programmknopf gedrückt wurde.

Obwohl auch ich zur sogenannten Hochrisikogruppe gehöre, verzichte ich auf eine solche Prozedur.

Ich drücke mutig eine nicht-desinfizierte Taste, und schon liegt mir der Sänger Herbert Grönemeyer mit seiner altbekannten musikalischen Forderung plärrend in den Ohren: „Gebt den Kindern das Kommando …“ Mittlerweile ist aus seinem gesungenen Wunsch Realität geworden, denke ich.Zumindest bei uns Österreicher  wo nun wirklich die Kinder an der Macht sind, wie viele Menschen  aus meinen Umfeld zornig räsonieren

Denn seit „Basti und seine Bobo-Bande“  – das ist kein Kinderbuch von Thomas Brezina – die Trommel für uns ruderndes Volk auf der rot-weiß-roten Staatsgaleere schlagen, scheint der Infantilismus in dieser Republik zur Leitlinie fürs Regieren geworden zu sein.

Davon zeugen unter anderem der Baby-Elefant für die Abstandhaltung und die in vier Farben leuchtende Gefahrenampel zur Corona-Bekämpfung.

Furcht verbreiten

Alles nur zu unserem Besten, glaubt Gesundheitsminister Rudi Anschober, der früher einmal Kinder unterrichtete und heute Erwachsenen vorschreibt, was sie in Zeiten wie diesen tun dürfen und was nicht. Streng genommen könnte er auch das Händeschütteln per Verordnung verbieten.

Dazu wird es aber wohl nicht kommen, hoffe ich; zumal heute sogar schon längst Bankdirektoren, Chefärzte oder Bischöfe, denen man Infantilismus eigentlich nicht unterstellt hätte, einander durch Anstoßen der Ellenbögen oder durch Reiben der Schuhspitzen begrüßen. Nun ja, wenn es der Seuchen­eindämmung dient?

Als Grönemeyer ausgeröhrt hat, wechsle ich den Sender und höre nun Anschobers besorgte Stimme über die rasant gestiegenen Zuwächse an Corona-Infektionen seit Ausbruch der Pandemie. Danach werden die neuesten Zahlen bekanntgegeben, die vielen Menschen wieder den kalten Schauer über den Rücken jagen dürften.

Ich habe fast schon ein schlechtes Gewissen, mich nicht davor zu fürchten. Dass mir das Virus ziemlich egal ist, behalte ich aber lieber für mich, denn sich nicht davor zu fürchten, ist zurzeit nicht opportun.

In dieser Saison sind nur Angsthasen gesellschaftlich akzeptiert, alle anderen, darunter wohl auch ich, werden als unbelehrbare „Covidioten“ oder „CoronaLeugner“ diffamiert.

Vorsichtig bewegen

Beim Zeitungskiosk in einem Welser Supermarkt treffe ich auf zwei Männer, die sich angesichts der Schlagzeile „Alles für Impfungen in OÖ vorbereitet“ über die sogenannte Pandemie unterhalten.

„Sind wir jetzt schon in der zweiten Welle?“, fragt der eine ängstlich den neben ihm stehenden Bekannten, der sich daraufhin seine Maske noch tiefer unters Kinn zieht. Statt einer Antwort gibt es ein Schulterzucken. Offenbar herrscht eine gewisse Ratlosigkeit – im Kleinen wie im Großen.

Dabei sind im Supermarkt Nudeln und Klopapier noch in ausreichender Menge vorrätig, was mir eine Verkäuferin auf Nachfrage bestätigt. Auch wenn die Panik des Frühjahrs auszubleiben scheint, so meine ich doch bemerkt zu haben, dass sich die Menschen in Gebäuden und Straßen wieder etwas vorsichtiger bewegen als noch vor wenigen Wochen.

In der innerstädtischen Vergnügungsmeile von Wels, in der Hafergasse, aber auch in der Schmidtgasse, scheint es stiller geworden zu sein. Dort hat man ebenfalls Vorkehrungen gegen die Ansteckung getroffen, die vor der Café-Konditorei Urbann zusätzlich noch die Sicht der Gäste einschränken.

Intelligentes Virus

Bis vor kurzem konnte man dort auf den an der Straße und entlang des Lokals platzierten Tischen das Geschehen in der unmittelbaren Umgebung gut beobachten. Doch seitdem die einzelnen Sitzgarnituren durch Zwischenwände getrennt sind, verweilt man dort als Gast in einer Art Zelle. Immerhin ist diese nach vorn und oben hin geöffnet.

Zwar spazieren auch an der geöffneten Vorderseite der Zelle die Flaneure knapp neben den an den Tischen sitzenden Personen vorbei, doch das intelligente Virus scheint zu wissen, dass es dabei nicht gefährlich werden darf. Das dürfte zumindest die Annahme jener Experten in unserer Kinder-Regierung sein, die die Corona-Verordnungen machen.