Seit der Kindheit zogen mich Bilder von Menschen, die aller Willkür zum Trotz gegen Unrecht aufstehen, in den Bann. Bei der Großdemonstration am 31. Jänner wurde auch ich zum Zeitzeugen solcher Dynamik.

Ein Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Über 20.000 Menschen bekundeten ihren friedlichen Widerstand gegen das Corona-Regime der Kurz-Regierung. Ständig schlossen sich Passanten dem Demozug an. Aus den Fenstern winkten Bürger solidarisch zu und applaudierten. Es herrschte eine Aufbruchstimmung. Und mit ihnen donnerten die Parolen des Tages durch die Häuserschluchten Wiens: „Friede, Freiheit, keine Diktatur“ und „Kurz muss weg!“

Dabei sah es lange nicht rosig aus. Mit fragwürdiger Begründung verbat die LPD Wien jede regierungskritische Demo. Und das obwohl der Verfassungsgerichtshof schon im ersten Lockdown ein Verbot von Versammlungen in Wien für unrechtmäßig erklärte.
Dabei zählt Versammlungs-Freiheit zu den Grundpfeilern unserer Gesellschaft. Seit über 150 Jahren ist sie ein hohes, mühsam erstrittenes Gut, steht mehrfach im Verfassungsrang. Um zu verhindern, dass alle Österreicher sehen, dass der Kaiser nackt ist, wollte man sie aushebeln. Aber sie machten ihre Rechnung ohne das Volk, den eigentlichen Souverän.

Es zeigte eindrucksvoll: Es ist bereit, der Freiheit eine symbolische Gasse zu schlagen und friedlich dafür einzutreten, dass die totalitären Anwandlungen der Politeliten endlich der echten, „alten“ Normalität weichen. Und ihr seid wahrlich nicht allein mit eurem Grimme.