Neuer Trend „Smacking“: Spontan-Watschen unter Prominenten

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In Zeiten von "Mikroaggression" und westlichem Befindlichkeits-Wahnsinn

Neuer Trend „Smacking“: Spontan-Watschen unter Prominenten

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Am vergangenen Wochenende wurden gleich zwei Unterhaltungskünstler vor laufenden Kameras Opfer gewaltsamer Übergriffe durch andere „Unterhaltungskünstler“ – auch wenn zwischen beiden Ereignissen 10.000 Kilometer lagen: Zuerst wurde am Samstagabend dem „Comedian” Oliver Pocher am Rande eines Boxkampfs vom Rapper „Fat Comedy” aus heiterem Himmel ins Gesicht geschlagen. Noch bizarrer war dann der Zwischenfall bei der Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag, als Schauspieler Will Smith dem Moderator Chris Rock eine heftige Ohrfeige versetzte – nachdem dieser sich über die Alopezie (krankheitsbedingten kreisrunden Haarausfall) von Smiths Ehefrau Jada Pinkett Smith lustig gemacht hatte. Für viele, die den über die Jahre seines Erfolgs immer unsympathischer und großkotziger gewordenen Schauspieler nicht abhaben können, ein Beweis, dass man zwar den Mann aus der Gosse, nicht aber die Gosse aus dem Mann bekommt.

Ein Beitrag von Daniel Matissek für Ansage!

Aufschlussreicher als die primitiven Übergriffe selbst war jedoch die öffentliche Reaktion auf beide Fälle: Interessanterweise nämlich blieb jede Empörung des selbstgerechten Betroffenheitsmilieus aus – und das mag vor allem damit zu tun haben, dass die Angreifer in beiden Fällen der Stereotype von Opfergruppen entsprechen, die es sonst „schwer haben im Leben“: Hier der Migranten-Rapper, dort der schwarze Hollywood-Upcomer. Zudem galten die Opfer beider Attacken als „verdiente Ziele“: Komiker auf Kosten anderer, die viel austeilen, aber selten einstecken müssen.

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Verdiente Opfer

Bei Chris Rock als Gleichfarbigem blieb die Rassismus-Keule sowieso im Sack. Die Academy  verurteilte zwar Smiths Attacke – allerdings erstaunlich spät. Dass Smith zweimal das US-Skandalwort „fucking“ verwendete, schien zunächst fast mehr Anstoß zu erregen als die Ohrfeige. Noch erstaunlicher war die Unterstützung, die Smith von prominenter Seite erhielt: In einem schnell wieder gelöschten Tweet sprach ihm die demokratische Abgeordnete Ayanna Pressley, die wie Smiths Ehefrau ebenfalls unter Alopezie leidet, sogar ausdrücklich ihren Dank aus. Sie lobte „alle Ehemänner, die ihre Ehefrauen verteidigen, die mit Alopezie leben und täglicher Ignoranz und Beleidigung ausgesetzt sind.“ Auch Liam Payne, Sänger der Band One Direction, ließ verlauten, Smith habe „das Recht“ zu seiner Aktion gehabt.

Dass sich selbst Abgeordnete und andere Gestalten des öffentlichen Lebens umgehend auf Smiths Seite stellen, zeigt, welcher Grad an Verrohung, nicht nur in den USA, erreicht ist. Im durch Social Media, Corona und andere politische Konflikte bis zum Äußersten aufgestachelten „Arousal“ der westlichen Gesellschaften entdecken offenbar viele durch die Zustimmung zu solchen öffentlichen Gewalttaten ein Ventil für den eigenen tiefsitzenden Frust. Es braucht wenig Phantasie, sich vorzustellen, was für ein Skandal losgebrochen wäre, wenn ein weißer Schauspieler dem Schwarzen Chris Rock buchstäblich vor aller Welt geohrfeigt hätte, um die Ehre seiner Frau zu verteidigen. Die Karriere des Betreffenden wäre beendet, der zugesprochene Oscar vermutlich gar nicht verliehen, die Veranstaltung vielleicht sogar abgebrochen worden.

Noch pikanter wäre ein Szenario, in dem ein schwarzer Schauspieler sich von einem weißen Showmoderator beleidigt gefühlt hätte und daraufhin handgreiflich geworden wäre: In den fast bis zur Schwelle eines Bürgerkrieges polarisierten USA wären die üblichen Debatten über toxische Männlichkeit, „White Privilege“, Rassismus, Gewalt, tatsächlich oder angeblich überholte Rollenbilder und so weiter noch viel heftiger ausgebrochen. So jedoch, dank der passenden Pigmentierung von Täter und Opfer, konnte BLM-Smith in aller Ruhe seinen Preisgewinn auf der After-Show-Party feiern; die Trophäe wird ihm garantiert nicht mehr aberkannt – und dass seine weitere Karriere unter dem skandalösen Vorfall leiden wird, ist eher unwahrscheinlich.

© Singlespeedfahrer, Wikimedia, CC0 1.0

Neues Influencer-Phänomen?

Im Fall Pochers waren die Dinge ähnlich gelagert; als Weißer taugt er auch nicht als Märtyrer. Anscheinend stößt sich keiner mehr an dieser Art der „Konfliktbewältigung“, weil primitive Gewalt wieder „in“ ist – vor allem unter Rappern, die wohl nicht länger nur als Maul-, sondern endlich auch mal als Fausthelden wahrgenommen werden wollen. Dies ist umso verwunderlicher in einer Zeit, in der sogenannte Mikroaggressionen und hypersensibelste Befindlichkeiten die westlichen Gesellschaften prägen. Wo ein Indianerschmuck im Kindergarten, Dreadlocks bei Weißen oder falsche Begrüßungsanreden schon Minderheiten „tief verletzen“ können, wo Eltern, Lehrer und Polizisten das Prinzip der Gewaltfreiheit und Eskalation über alles stellen und jegliche Härten verpönt sind, da wird plötzlich das Losschlagen aus dem Nichts zum Influencer-Trend? Bemerkenswert.

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Auch im Fall von „Fat Comedy“ und seiner Version „Kanak Attack” gegen einen zugegebenermaßen nervtötenden, unlustigen Alman blieb mediale Kritik an seinem rüpelhaften Ausfall aus. Vielleicht lag es ja an seiner prompt nachgereichten Erklärung der Tat: Er wolle seine Spontanattacke als stellvertretende Genugtuung verstanden wissen für all jene, die von Pocher „niedergemacht“ worden seien, so „Fat Comedy”. In einem mittlerweile gelöschten Post versuchte der Täter sich wie folgt zu rechtfertigen: „Weil du [Pocher] […] Menschen gerne erniedrigst, Menschen unterstützt die behaupten Vergewaltigt worden zu sein obwohl es nicht stimmt – die Anzeige nehme ich sehr gerne in Kauf.“ Dies bezog sich auf Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Rapper Samra, die Pocher mehrfach zitiert hatte. Auch später zeigte er keine Reue: „Ich will es nicht verharmlosen, aber ich habe keinen erschossen oder umgebracht, sondern nur eine geklatscht. Das wird jetzt völlig falsch aufgegriffen. So ehrenwert und nachvollziehbar dieses Motiv auch ist, so inakzeptabel war doch die Methode.

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