Bei der Live-Diskussion auf Wochenblick.TV am Dienstagabend wurde über viele Stellschrauben diskutiert, an welchen die Freiheitlichen drehen müssen, damit ihr schwerer Neustart auch erfolgreich sein kann. Auch die blaue Medienpolitik war dabei ein zentrales Thema. 

Bei dieser Frage handelt es sich um ein wahres Reizthema – denn die FPÖ machte in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen im Bereich. Über Jahre begleitete die reichweitenstarke Kronen Zeitung als Haus- und Hofmedium den Aufstieg der Blauen zur Volkspartei. Im Nachlauf des Ibiza-Videos verkehrte sich deren Berichterstattung aber ins Gegenteil – wie durchdringend diese Kampagne war, arbeitete das Freilich Magazin aus Graz kürzlich in einer Studie detailliert heraus.

Wie Generalsekretär Michael Schnedlitz nun in der von Wochenblick-Chefredakteur Christian Seibert moderierten Gesprächsrunde mit FPÖ-Urgestein Andreas Mölzer und Politikberater Robert Willacker anklingen ließ, steht nun das große Umdenken bevor.

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Breitere Aufstellung: „Mehr Kanäle, mehr Möglichkeiten“

Wie Schnedlitz nämlich bekräftigte, möchte sich die FPÖ im Medienbereich breiter aufstellen. Dabei denkt er einerseits auch ein eigene Medien – aber auch unabhängige, patriotische Medien wie der Wochenblick könnten demnach eine mediale Rolle bei der Wiedergeburt des dritten Lagers spielen. Denn: „Es ist die politische Klasse und die Medienklasse, die etwas versucht zu erklären, was in der Bevölkerung nicht mehr so ist.“

Man könne nämlich beobachten, dass das „mediale und politische System nach links gerückt ist“, während man den Menschen einrede, sie wären nach rechts gerückt. Die Freiheitlichen wollen dies ansprechen – und dabei auf unterschiedlichste Arten der politischen Kommunikation setzen. Denn breite Medienpolitik vermeide auch ein allfälliges Abhängigkeitsverhältnis: „Mehr Kanäle, mehr Möglichkeiten“.

Der Politikberater Robert Willacker stimmte an diesem Punkt zu: Die Partei täte gut daran, „möglichst alle Möglichkeiten“ an modernen Kommunikationsmitteln auszuschöpfen. Dabei könne sie auch unterschiedliche Wählergruppen ansprechen – insofern sie den jeweils passenden Ton finde: „Man kann alles fordern – es kommt nur darauf an, wie man es verpackt“. Gerade ÖVP-Kanzler Kurz habe dies bewiesen.

 

Mölzer: Mischung aus eigenen Medien und Mainstream

Auch Andreas Mölzer, als Herausgeber der Zur Zeit selbst im Sektor der patriotischen Medien aktiv, stimmte der Wichtigkeit der eigenen Publizistik zu. Die freiheitliche Gesinnungsgemeinschaft würde die Print- und Onlinemedien des eigenen Lagers favorisieren. Auch sieht er diese durchaus in der Lage, das Stammwählerpotenzial zu erreichen. Gleichzeitig müsse man allerdings aufpassen, dass man nicht „im eigenen Saft kocht und im Selbstbestätigungsmodus verbleibt“.

Daher sei auch die Konfrontation mit dem „kritischen Mainstream“ weiterhin wichtig. Dort müsse man aber keine Angst haben, wenn man unbefangen und authentisch ist. Wie man den Wähler erreicht sei wichtig – nicht wie die Mainstream-Journalisten reagieren: „Auch Armin Wolf kocht nur mit Wasser.“ Schnedlitz pflichtete bei, dass man sich der Reichweite der öffentlich-rechtlichen Medien trotzdem weiterhin nicht verweigern wolle.

ORF-Reform: „Auf die Seite der Bevölkerung stellen“

Betreffend die verpasste Gelegenheit einer ORF-Reform, so musste Schnedlitz einräumen, dass die Zeit aufgrund der vorzeitigen Regierungsauflösung nicht mehr ausreichte. Man habe allerdings gelernt, dass man bei künftigen Koalitionen darauf bestehen müsse, dass gewisse Punkte innerhalb er Frühphase der Regierung abgearbeitet werden müssten. Beim ORF-Thema müsse man sich nun eben aus der Oppositionsrolle heraus „auf die Seite der Bevölkerung stellen“.

Bezeichnend findet Schnedlitz, dass die türkis-grüne Regierung bereits angekündigt habe, sich auch im Falle eines erfolgreichen Volksbegehrens einer ORF-Reform zu verweigern: „Da sieht man, in welche Richtung die Reise geht“. Die FPÖ müsse beim ORF wie auch bei anderen Themen auf der Augenhöhe der Bevölkerung agieren. Wenn Mainstream-Journalisten es mit Manipulationen versuchten, müsse man dies auch aufzeigen. Eine „Opferrolle“ stünde seiner Partei jedenfalls aber nicht zu Gesicht.

Bei Kampagnen: Stärke und Breite für eigene Botschaft

Bei medialen Kampagnen, die regelmäßig kurz vor Wahlen stattfänden, hielt der neue blaue Generalsekretär fest, dass eine Problematik sei, dass es nicht nur zu Leaks käme, sondern auch „konstruiert und manipuliert“ würde. Viele Österreicher hätten dies aber längst durchschaut. Kampagnen gelte es zu durchtauchen: Man müsse so stark und breit aufgestellt sein, dass man selbst im Ernstfall mit seinen eigenen Botschaften durchkomme.

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Der Wochenblick wird in den nächsten Tagen verstärkt über Erkenntnisse der in der Live-Sendung besprochenen Themenkomplexe berichten. Wer nicht so lange warten will, kann die ganze Diskussion bereits jetzt in der Wochenblick.TV-Mediathek anschauen. 

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