Die Wiedereinführung des klassischen Notensystems zur Leistungsbeurteilung von Grundschülern, das den „Wohlfühlpädagogen“ schon immer ein Dorn im Auge war und durch verbale Benotung ersetzt wurde, feiert nun ein Comeback, das in bestimmten Kreisen bereits heftig kritisiert wird.

Man wirft dem traditionellen Benotungssystem vor, „veraltet, starr, hart, ungerecht, willkürlich und demotivierend“ zu sein. Ich werde hier versuchen, diese Argumente als Scheinargumente zu entlarven und eine Lanze für das gute, alte Schulnotenschema zu brechen.

Linke gegen Noten

Das verbale System erweckt Erwartungen, die es nicht erfüllen kann, denn eine Ziffer aus der so verachteten Schulnotenskala sagt mehr aus als eine Ansammlung von Phrasen. Das angebliche „Wohl des Kindes“ dient nur als Vorwand. In Wirklichkeit geht es darum, den Niedergang unserer Bildung hinter schwammigen Formulierungen zu verbergen. Diese sind irreführend, können verschieden gedeutet werden und geben keinen Aufschluss über den tatsächlichen Wissensstand der Schüler.

Sie kommen den leistungsschwachen, lernunwilligen Kindern zugute, vor allem auch denen, die dem Unterricht in deutscher Sprache nicht folgen können – UNSEREN Kindern jedoch nicht. Das sogenannte verbale Schema bedeutet nicht eine freie, persönliche Benotung, im Gegenteil: Die Lehrer sind an starre Normen und vorgefertigte Muster gebunden und nicht berechtigt, eigene Kommentare abzugeben.

Noten besser als Phrasen

Dieses System der Leistungsbeurteilung vermengt Leistung mit Verhaltenseigenschaften des Schülers und verwischt so die Grenzen zwischen Können und Nichtkönnen, was den leistungsstärkeren Schülern gegenüber unfair ist. „Der Schüler bemüht sich beim Rechnen“ ist keine Leistungsbeurteilung! Es ist absurd, Charaktermerkmale in eine Leistungbewertung einfließen zu lassen! Diese Dinge kann man währende des Unterrichts oder am Sprechtag klären.

Solche undefinierbare Formulierungen geben dem Schüler keine Möglichkeit, ihre Leistungsposition zu orten und sich mit anderen zu vergleichen. Wertungen, die keine klare Auskunft geben, verleiten dazu, sich zu überschätzen, bis es am Ende der 4. Klasse ein böses Erwachen gibt und man plötzlich erkennen muss, dass man für eine höhere Schule doch nicht geeignet ist.

Kinder wollen Klarheit

Die verbale Beurteilung aus „Rücksichtnahme auf sensible Kinder“ ist pädagogisch nicht nachvollziehbar, denn Kinder wollen von Natur aus klare Fronten, wünschen sich Sicherheit und Klarheit. Der Großteil der Kinder ist von Natur aus ehrgeizig und sie messen sich gerne an anderen. Ein gesundes Konkurrenzdenken gehört zum Leben, fördert Interesse und Lernbereitschaft – und es ist die Basis für jeden Fortschritt.

Im Gegensatz zum inhaltslosen, genormten „verbalen“ Beurteilungssystem ist das alte, bewährte Benotungsschema eindeutig, transparent und aussagekräftig, es berücksichtigt den Wunsch des Kindes nach Sicherheit und Klarheit, es fördert gesunden Ehrgeiz, stärkt den Leistungswillen und verhindert ein Abgleiten in die Niveaulosigkeit. Dem Lehrer ist es frei gestellt, die Benotung von 1 bis 5 durch Ratschläge und ermunternde Kommentare zu ergänzen.

Brauchen richtige Lehrer

Eines dürfen wir jedoch über all den Debatten nicht vergessen: Was wirklich zählt, ist die Qualität der Lehrkräfte. Sie halten die Zukunft in ihren Händen. Sie brauchen Mut, Verantwortungsbewusstsein, Feingefühl, Idealismus. Einsatzfreudige Lehrer sehen ihren Beruf als Berufung, haben Freude am Unterrichten und geben diese Freude weiter.

Sie wecken in ihren Schülern vielseitige Interessen, stimulieren sie, Missstände zu erkennen und machen ihnen Mut, dagegen zu steuern. Sie zeigen ihnen, worauf es im Leben ankommt. Welche Regeln man auch aufstellt oder widerruft, lobt oder kritisiert – ohne die Eigeninitiative engagierter, verantwortungsbewusster Pädagogen ist selbst das ausgeklügeltste System wertlos.