Linz war bereits im Jahr 2009 europäische Kulturstadt und das zurecht: Die oberösterreichische Landeshauptstadt ist ein geschichtsträchtiger Ort. Im ausklingenden Mittelalter war man einige Jahre Kaiserstadt und somit das Zentrum der europäischen Politik. Kaiser Friedrich III. verbrachte hier die letzten Jahre vor seinem Tod, der kaiserliche Hof residierte später immer wieder für längere Zeit in Linz.

Ein Bericht von Rene Rabeder

In 266 Metern über dem Meeresspiegel, wo zwischen Kürnberger Wald und dem Mühlviertel die Donau in die Ebene hinaustritt, liegt die Stadt Linz. Durch das Zurückweichen des Kristallins im vierten Jahrtausend vor Christus bildete sich eine Bucht, in der der Fluss seit jeher einen nach Norden gerichteten Halbkreis beschreibt.

Während der 500 Jahre dauernden Besiedlung der Römer tauften diese die Siedlung „Lentia“. Dieser Name leitet sich von der keltischen Wurzel „lentos“, also „biegsam, gekrümmt“ her. Der heutige Name Linz ist also als „Siedlung an der Biegung des Flusses“ zu deuten.

Bereits um 20 nach Christus entstand am Kreuzungspunkt urgeschichtlicher Fernhandelswege eine Handwerkersiedlung am heutigen Römerberg – dem Ort des Schlossmuseums. Wenig später wurde Lentia Standort einer römischen Reitereinheit, der „Ala I Pannoniorum Tampiana“, die den wichtigen Donauübergang überwachte.

Auch in den folgenden Jahrhunderten sollte die Donau weiterhin von größter Bedeutung für die Geschicke der Stadt sein. So etwa mit dem Vorschieben der bayerischen Herzogsmacht nach Osten über die Enns im achten Jahrhundert.

„Siedlung an der Biegung“

Aus dieser Zeit stammt auch die erste urkundliche Erwähnung von „Linz“. Im Jahre 799 erfolgte diese in einem Lehenrevers des Präfekten des Ostlandes und Schwagers Karl dem Großen, Graf Gerold, der in diesem Jahr vom Passauer Bischof Waltrich die im „locus Linze“ gelegene Martinskirche mit dazugehörigem „castrum“, also einer befestigten Siedlung, zum Nutzgenuss auf Lebenszeit erhielt.

Die römisch-katholische Martinskirche gilt bis zum heutigen Tage als eine der ältesten erhaltenen Kirchen Österreichs. Vermutlich um das Jahr 1000 verlagerte sich der Siedlungsschwerpunkt von westlich dieser Martinskirche am Fuße des Schlossberges auf die hochwassersichere Terrasse um den Alten Markt in der heutigen Altstadt.

Im Jahr 1206 ging Linz in den Besitz der Babenberger über. Wahrscheinlich unter Herzog Leopold VI. kam es in der Folge zu einer planmäßigen Erweiterung der Stadtanlage nach Süden und Osten mit dem heutigen Hauptplatz als Zentrum. Östlich des Platzes wurde mit dem Bau der Stadtpfarrkirche begonnen, in der fast 300 Jahre später das Herz und die Eingeweide von Kaiser Friedrich III. eingemauert werden sollten.

Durch die Nennung von „cives“, also Bürgern, im Jahre 1228, der erstmaligen Bezeichnung „civitas“, was „Stadt“ bedeutet, 1236, sowie durch das Vorhandensein eines Stadtrichters und eines Stadtsiegels mit dem Jahr 1242 wurde der Stadtcharakter von Linz endgültig unterstrichen.

Das 13. Jahrhundert stand im Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die „Linzer Maut“ zählte zu den einträglichsten Einnahmequellen der österreichischen Herzöge und bereits zum Ende des Jahrhunderts war die Stadt als Sitz des Hauptmanns ob der Enns zum Verwaltungsmittelpunkt des Landes aufgestiegen.

Linz wird eine Stadt

Die Bedeutung der Stadt stieg im 15. Jahrhundert nur noch weiter an. 1424 war ihr das Vorschlagsrecht für den Stadtrichter zugestanden, 1453 erhielt sie dann die Blutgerichtsbarkeit. Erzherzog Albrecht VI. ernannte Linz vorübergehend zu seiner Residenz und richtete eine Münzstätte ein. Schließlich residierte hier auch Kaiser Friedrich III.

Von 1489 bis zu seinem Tode 1493 zog er mit seinem Hofstaat bedeutende Persönlichkeiten, Gelehrte und Künstler in die Stadt, wodurch Linz de facto zum Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wurde.

Der Residenzcharakter war ausschlaggebend, dass mit dem Datum 10. März 1490 die Bürgerschaft das Recht der freien Bürgermeisterwahl und die Siegelung in rotem Wachs zugestanden erhielt. Gleichzeitig wurde die Stadt erstmals als Hauptstadt des „Furstentumbs Österreich ob der Enns“ bezeichnet.

Auch Maximilian I., der „letzte Ritter“ und sein Enkel Ferdinand I. hielten sich oft in Linz auf. Beide mehrten die Privilegien der Bürgerschaft noch weiter. Der von ihnen im Jahr 1497 gewährte Brückenbrief führte zur Errichtung einer hölzernen Donaubrücke zwischen der Stadt Linz und dem Dorf Urfahr, zu dieser Zeit die dritte in Österreich nach Wien und Krems. Diese Brücke war eine wichtige Voraussetzung für das weitere Gedeihen der Linzer Märkte.

Der Beginn des 16. Jahrhunderts sah im Jahr 1501 – dem Jahr des größten Hochwassers in der Geschichte Mitteleuropas – auch den höchsten Wasserstand, den Linz je erlebt hatte. Nur acht Jahre später die nächste Katastrophe: Ein Stadtbrand, in dessen Folge 1513/1514 am Hauptplatz ein repräsentativeres Rathaus errichtet wurde. 1521 gab es in Linz aber wieder Grund zur Freude.

Ferdinand I. vermählte sich in der Stadt mit Anna von Ungarn. Diese Hochzeit ebnete den Weg zur Schaffung der „Monarchia Austriaca“ nach 1526. Und Linz blieb auch weiterhin bevorzugter Zufluchtsort des Hofes bei Seuchen wie der Pest und drohenden Kriegsgefahren, in erster Linie den Türkenkriegen.

Erste Verbindung zu Urfahr

Von 1612 an begann der Astronom und „Kaiserliche Hof-Mathematiker“ Johannes Kepler sein 14-jähriges Wirken als Lehrer an der Landschaftsschule in Linz. Hier entstehen seine bedeutendsten Werke. Weil 1626 alle Protestanten die Stadt verlassen mussten, ging Kepler nach Ulm.

In den Sommermonaten dieses Jahres hatte Linz im Zuge des Bauernkrieges eine neunwöchige Belagerung unter der Führung Stefan Fadingers standzuhalten. Die Vorstädte der zwischen 1620 und 1628 mittlerweile an Bayern verpfändeten Stadt gingen einmal mehr in Flammen auf.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, mit dem Abschluss des „Linzer Friedens“ zwischen Kaiser Ferdinand III. und Georg Rakoczy von Siebenbürgen, erfolgte eine durchgehende Barockisierung des Stadtbildes. Verantwortung hierfür trugen neben der Bürgerschaft vor allem der Adel, die Kirche und die in die Stadt hereinströmenden Orden, deren Klöster noch heute das Stadtbild entscheidend prägen.

Chaos durch Bauernkriege

1717 begann die Errichtung der Dreifaltigkeitssäule, einem der bekanntesten Linzer Wahrzeichen. Sie wurde dem Gedenken und dem Dank für die Verschonung vor der Pest im Jahre 1713 gewidmet. Im Österreichischen Erbfolgekrieg von 1741/42, in dem Linz von bayerischen und französischen Soldaten besetzt war, gingen die Vorstädte bei der Rückeroberung durch österreichische Truppen einmal mehr in Brand auf.

Vorboten für die Geschehnisse des Jahres 1800, wo als indirekte Folge der Koalitionskriege gegen Frankreich ein riesiges Feuer in der von wiederum durch französische und bayerische Truppen besetzten Stadt das Schloss, das Landhaus und große Teile der Altstadt in Mitleidenschaft zog.

Von der Pest verschont

Das 19. Jahrhundert rückte mit der Einführung der Dampfschifffahrt 1837 wieder die Donau in den Fokus. Zudem stellte der Bau der Pferdeeisenbahn als erster Schienenbau des Kontinents von Linz nach Budweis des Jahres 1832 eine sensationelle technische Neuerung dar.

Die vornehmlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung (Schiffswerft, Lokomotivfabrik, Textilindustrie, Nahrungs- und Genussmittelindustrie) vollzog sich zwar fernab des Stadtkerns, ebnete jedoch den Weg für Linz als heute zweitgrößtes Wirtschaftszentrum Österreichs.

Betriebe von Weltruf finden in Oberösterreichs Landeshauptstadt ebenso internationale Beachtung wie die vielen kulturellen Großereignisse. Linz hat niemals damit aufgehört, sich selbst neu zu erfinden.

Ohne dabei jemals auf seine illustre Geschichte zu vergessen. Als in den letzten Wochen eine neue Bypass-Brücke über die Donau geschlossen wurde, war dies nur der erste Streich vieler neuer und spannender Projekte der Stadt. Dieses Selbstverständnis für stetige Innovation unterstreicht Linz auch mit seinem Motto „Linz.Verändert“.