Die allmählich immer stärker ausufernde Raserei auf Oberösterreichs Straßen einzudämmen, ist eines der vorrangigen Ziele von Verkehrslandesrat Günther Steinkellner (FPÖ), der auch die Fahrzeuge der ertappten Auto-Rowdys beschlagnahmen will, selbst wenn sie anderen Haltern gehören.

von Kurt Guggenbichler

„Die Bullen können mich alle am Arsch lecken“, meint trotzig ein etwa 20-jähriger Bursche (Name d. Red. bekannt), der seinem Eingeständnis nach schon an mehreren illegalen Straßenrennen in Oberösterreich teilgenommen hat. Bisher wurde er allerdings nicht erwischt.

„Zugedröhnte Irre“

Dass diese Straßenrennen verboten sind, weiß er zwar, ist ihm aber egal. Es scheint ihm jedes Unrechtsbewusstsein zu fehlen, wie offenbar den meisten jungen Männern der sogenannten Tuning- beziehungsweise Autoraser-Szene.

„Langsam kommt die Generation der Videospieler in der Mitte der Gesellschaft an“, heißt es dazu in einem Internet-Posting zu dieser besonderen Spezies. „Die jungen Männer kennen nichts anderes.“

Ein großer Teil ihrer Wahrnehmung sei von Videospielen und Filmen geprägt, in der „schrottreife Kübel“, die „irgendwie zusammengepempert“ wurden, „von zugedröhnten Irren bei illegalen Hatzerln (Rennen – Anm. d. Red.) durch die Städte getrieben“ werden.

Erst vor etwa einem Monat hatten 14 Polizeistreifen eine Zusammenrottung der Tuning-Szene auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Asten aufgelöst, wo sich 800 Autos und fast 2000 Personen versammelt hatten.

Viele hatten es sich dort schon in Campingsesseln bequem gemacht und waren gerade dabei, die Teams für die bereits laufenden Rennen auf der Straße auszuhecken. Die eintreffenden Polizeibeamten wurden mit lautem Motorengeheul „begrüßt“.

Danach aber war es mit einem aufregenden Rennabend an diesem Ort vorbei. Die Polizei verteilte 31 Strafmandate, zeigte 22 Personen an, darunter einen wegen Fahrens unter Drogen­einfluss, und zog ein Kennzeichen aus dem Verkehr. Zwanzig Minuten vor Mitternacht war der Spuk zu Ende.

Zwischenzeitlich hatten sich jedoch an die hundert Autos in Richtung Wels davongemacht, um auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums ein neues Fahrerlager zu errichten. Das geht blitzschnell.

Denn „sobald die mitbekommen, dass eine polizeiliche Überwachung stattfindet, sind sie auch schon weg und alarmieren sich gegenseitig“, weiß Verkehrslandesrat Günther Steinkellner, der die Fahrzeuge dieser Autorowdys gern beschlagnahmen würde: „Dann hätten wir das Problem schnell im Griff“.

Von der Polizei wurde die erneute Zusammenrottung in der Nacht von 16. auf den 17. Mai in Wels ebenfalls schnell aufgelöst. Doch gegen ein Uhr morgens dröhnten die Motoren von 250 Autos dieser Tuning-Szene erneut auf einem Parkplatz nahe der Trauner-Kreuzung im Bezirk Linz-Land, wo 750 Leute die Nacht zum Tage zu machen versuchten.

Andere wiederum halten sich mit solchen Treffen und Ortswechseln erst gar nicht auf. Sie rasen mit ihren Boliden gleich auf die Westautobahn, um sich dort ein nächtliches Rennen zu liefern, wie auch am 4. Juni. Dieses endete böse, aber noch relativ glimpflich für die Wahnsinnsfahrer.

Denn als im Bereich des Puckingerbergs (nach der Ortschaft Haid) in Fahrtrichtung Salzburg der BMW eines 31-jährigen Linzers ins Schleudern geriet, prallte der Wagen gegen Leitschiene und Lärmschutzwand und kam nach etwa 200 Metern brennend zum Stehen.

Der Lenker und sein 27-jähriger Beifahrer wurden dabei zwar verletzt, konnten sich aber noch selbstständig aus dem Wrack befreien, bevor der BMW in Flammen aufging.

Nun reicht es

Nachdem dann am 7. Juni auch noch ein 27-jähriger Mann aus dem Bezirk Grieskirchen mit seinem nicht zugelassenen PKW und ohne Führerschein auf der Rieder Straße in der Gemeinde Hofkirchen an der Trattnach mit einer Geschwindigkeit von 233 km/h durch eine 100-km/h-Zone raste, platzte Verkehrslandesrat Steinkellner der Kragen.

„Wer das geltende Recht so despektierlich behandelt und solch eine fahrlässige Gefährdung der Verkehrssicherheit in Kauf nimmt, hat das Privileg, am motorisierten Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen, nicht verdient“, konstatierte er drei Tage später und hat damit die Diskussion um den Fahrzeugentzug erneut entfacht.

Steinkellner hatte sich dafür schon im Mai bei einer Konferenz zum Thema „Illegale Straßenrennen“ starkgemacht und dafür plädiert, bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 70 km/h den Fahrern die Autos zu entziehen, auch wenn sie auf andere Halter zugelassen sind.

Zudem sollte massives Schnellfahren ein Vormerkdelikt werden, wobei am Ende der Vormerkskala der Führerscheinentzug steht. Gegen die gefährlichen Straßenrennen müsse entschlossen vorgegangen werden, forderte Steinkellner zum Schluss der Konferenz.

Bereits in der Nacht vom 20. auf den 21. Mai gab es eine Schwerpunktkontrolle der Polizei im Bezirk Linz-Land. Bei diesem Einsatz im Bereich der Bundesstraße 1 zwischen Hörsching, Traun, Pasching und Leonding sowie auf der Bundesstraße 139 zwischen Leonding, Pasching, Traun und Ansfelden wurde sechs Stunden lang von neun Zivilstreifen, einem Landessachverständigen und einer Drogenärztin kontrolliert.

Mit zwei Radarfahrzeugen wurden die Geschwindigkeitsübertretungen gemessen, und auch drei Strafreferentinnen der Bezirkshauptmannschaft Linz-Land waren im Einsatz.
Dabei hagelte es mehr als 200 Anzeigen wegen überhöhter Geschwindigkeit, wegen erhöhten Lärmpegels und wegen technischer Umbauten an den Fahrzeugen.

Sieben Autolenker mussten ihre Führerscheine noch an Ort und Stelle abgegeben, sieben weitere Personen wurden mit ihren Wagen zu einer technischen Überprüfung beordert, bilanzierte Thomas Schmolz vom Bezirks­polizeikommando Linz-Land.

Kein Pardon

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag voriger Woche kam es erneut zu einer Schwerpunktaktion im Großraum Linz-Land, bei der insgesamt 305 Verkehrsübertretungen festgestellt und geahndet wurden. Allein 224 Anzeigen gab es wegen überhöhter Geschwindigkeit.

Zudem kam es zu einer wilden Verfolgungsjagd mit einem 18-jährigen arbeitslosen Rumänen, der in einem nicht zum Verkehr zugelassenen BMW mit weit überhöhter Geschwindigkeit über die B 1 raste. Die Anhaltezeichen von Beamten einer Zivilstreife ignorierte der Fahrer, der daraufhin noch fester aufs Gaspedal drückte und flüchtete – die Polizei hinterher.

Ein haufen Anzeigen

Die Verfolgungsjagd zog sich über vier Bezirke hin und endete nach etwa 60 Kilometern Fahrt kurz nach der Donauschlinge in Schlögen, wo der BMW-Lenker von der Fahrbahn abkam und gegen eine Steinwand prallte. Er und seine beiden 20-jährigen rumänischen Mitfahrer überstanden den Crash leicht verletzt.

Der Auto-Rowdy wird sich nun wegen unzähliger Verkehrsübertretungen, darunter auch das Überfahren sämtlicher Ampeln, und wegen massiver Gefährdung anderer Straßenbenützer vor Gericht verantworten müssen, betont Landesrat Günther Steinkellner, der dem Raser-Spuk lieber heute als morgen ein Ende machen möchte.