Die selbsternannten moralischen Instanzen umgibt ein auffälliges Schweigen in der Inseratenaffäre rund um den türkisen Macht-Klüngel und das Boulevardblatt „Österreich“ der Gebrüder Fellner.

Ein Kommentar von Matthias Hellner

Während sonst bei den kleinsten angeblichen Verfehlungen sofort mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger gedroht wird, sah man in dem Sittenverfall und den erschütternden Fällen von mutmaßlichem „Meinungskauf“ von Seiten des österreichischen Presserates offenbar tagelang keinen Grund, eine auch nur irgendwie geartete Stellungnahme abzugeben um den Ehrenkodex des Journalismus zu verteidigen.

Und das, obwohl das mutmaßliche Handeln nicht der „redaktionellen Qualitätssicherung sowie der Gewährleistung der Pressefreiheit“ abträglich wäre, steht wohl außer Frage. Erst nach einer Woche (!) sah man sich bemüßigt, endlich Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Damit dies geschah, brauchte es laut eigenen Aussagen unzählige Zuschriften wütender Bürger, die sich beschwerten. 

Beredtes Schweigen zu bestimmten Themen

Nun steht es einem privaten Verein natürlich völlig frei, zu welchen Themen er sich wann zu Wort meldet und zu welchen nicht, das recht lange, beredte Schweigen machte jedoch stutzig. Dass die Kollegen damit beschäftigt waren, Ordnung in eigenen Büchern und Chats herzustellen, ist bei so viel objektiver Integrität ja kaum anzunehmen. Und ganz ohne Eigennutz geschah das dann auch nicht. Immerhin brachte man sich sogleich als moralische Instanz in Position: Medienförderung solle künftig an eine Mitgliedschaft im Presserat gekoppelt werden. 

Auch in anderen Fällen war es bei derartigen Vereinen zuletzt auffällig ruhig. Reporter ohne Grenzen oder andere NGOs, die sonst sofort für die Pressefreiheit einschreiten, wenn ein russischer Polizist einen Journalisten nur schief anschaut, schwiegen sich zu einer linken Todesliste, auf der neben anderen Journalisten auch der Name von Wochenblick-Chefradakteurin Elsa Mittmannsgruber auftauchte, hörbar aus.

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