Griechische Tourismusunternehmen staunten: über Nacht erfuhren sie, dass russische Touristen, die mit Sputnik V geimpft sind, trotzdem auch einen negativen PCR-Test bzw. ein Schnelltest-Zertifikat brauchen und bei der Ankunft erneut zu testen sind. Grund für die erhöhte Kontrolle ist eine Kritik des Merkel/Macron-Gespanns am lockeren Umgang Griechenlands mit Touristen aus Russland, weil dort die neue Delta-Virusvariante grassiert. 

Von Kornelia Kirchweger

  • Vorwand: Sputnik 5 ist von EU-Arzneimittelbehörde nicht anerkannt
  • Griechische Medien nahmen das ironisch auf
  • Merkel und Macron übten deswegen Druck auf Griechenland aus
  • Russische Touristen müssen sich für Griechenland-Urlaub trotz Impfung testen lassen
  • Absurd: Sputnik-geimpfte Ungarn fallen nicht in die Testpflicht

Peinlicher Impfstoff-Nationalismus

Das russische Vakzin sei nicht von der EU-Arzneimittelbehörde anerkannt, man kenne daher seine Wirkung gegen die neue Delta-Mutation nicht, schimpften Deutschland, Frankreich und andere Tourismusländer bei einem jüngsten Gipfel in Brüssel in Richtung Griechenland. Vor allem der russische und chinesische Impfstoff ist ihnen ein Dorn im Auge. Premier Kyriakos Mitsotakis wies das in einer ersten Reaktion als „übertrieben“ zurück. Sollte Deutschland Einwände haben, werde es diese bei der Abgrenzung der zugehörigen Verordnung vorbringen. Er glaube, es seien keine zusätzlichen Reisebeschränkungen aus Ländern erforderlich, in denen die stärker verbreitete Delta-Mutation bereits existiere.

Athen geht in die Knie

Zwei Tage später war alles anders. Griechische Medien kommentierten die Kehrtwende ironisch: Man mache darauf aufmerksam, dass die bisher verfolgte griechische „Aufnahmepolitik“ von Touristen aus Russland, Deutschland und Frankreich gestört habe. Offiziell heißt es nun: es gebe eine erhöhte Kontrolle bei Touristen aus Russland. Dies sei vom zuständigen Ministerium beschlossen worden – zur Gesundheitssicherheit von Touristen, Arbeitnehmern im griechischen Fremdenverkehrsbereich und Bürgern. Die Regelung gelte wegen der Verbreitung der neuen Delta-Mutation in Russland ab 30. Juni. Betroffen sind russische Touristen, egal ob geimpft oder nicht geimpft. Zusätzlich werden sie bei ihrer Ankunft noch einmal getestet. 

Immer absurder

Aber: Auch wenn der EU-Impfpass nur Vakzine anerkennt, die von der EMA genehmigt sind (Pfizer, Johnson & Johnson, Moderna, AstraZeneca), können Mitgliedstaaten andere Impfstoffe akzeptieren, sofern diese von der WHO oder von nationalen Behörden anderer EU-Staaten anerkannt sind. So ist Sputnik V zwar von der WHO noch nicht zugelassen, in Ungarn aber schon. Ungarische Touristen mit Sputnik V Impfung können daher ohne Einschränkung nach Griechenland. Nicht aber aus Drittstaaten – etwa Russland. Griechenland hat im April das Vakzin Sputnik V mit den zugelassenen EU-Impfstoffen für eine Einreise ins Land gleichgestellt. Damit wollte man russischen Sommer-Touristen die Türen öffnen. 

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