Während die Regierung für die "Babyelefant"-Kampagne mehrere Millionen an Mainstream-Medien verteilt, gab es für den Kinderdarsteller der Spots als Dankeschön nur eine Packung Schokobananen...

„Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Kinderbrief daher.“ – Das könnte das Motto der neuen ÖVP sein. Denn immer dann, wenn ihre Spitzenpolitiker in der Bredouille stehen, scheinen sie Jubelbriefe von kleinen Kindern zu erhalten. Diese präsentieren sie dann stolz auf ihren Social Media Kanälen. Soll das Kindchenschema über Nehammers Demo-Eskalationen und über die Ermittlungen gegen eine Vielzahl von ÖVP-Granden hinwegtäuschen?

Innenminister Karl Nehammers bisherige Amtszeit ist alles andere als ruhmreich. Ohne die offenkundig gewordenen Ermittlungspannen und die Untätigkeit von Nehammers Behörden im Fall des Wien-Terroristen, würden die vier Terror-Opfer vom 2. November wohl noch leben.

Verfassungsfeindliche Demonstrationsverbote

Umso heftigere Kritik bringt ihm jedoch auch das verfassungswidrige und aggressive Vorgehen gegen Regierungskritiker ein. Die Bevölkerung durchschaut die Motivation hinter den Demonstrationsverboten unter dem Vorwand des Seuchenschutzes durchaus als parteipolitisch motiviert. Immerhin wurden Demonstrationen für „Black Lives Matter“ noch im vergangenen Corona-Sommer von der Polizei mit positiven Parolen unterstützt. Von einem Verbot konnte nicht die Rede sein.

Massive Polizeigewalt gegen Regierungskritiker

Für Unstimmigkeiten sorgte darüber hinaus auch noch der Umstand, dass Nehammer mit Rudi Fußi eine Privatperson im „Wanted“-Stil auf der Internetseite des Innenministeriums verunglimpfte, indem er dort feststellen ließ, dass gegen den Berater ermittelt werde, nachdem dieser Kritik an der Polizei geäußert hatte. Viele sahen darin eine Hetzjagd des Staates gegen einzelne Dissidenten verwirklicht. Vergangene Woche kam noch das gewalttätige Vorgehen der Polizei gegen einen älteren Mann im Zuge der Innsbrucker Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen vergangene Woche hinzu. Das Image des Innenministers ist zunehmend das eines Tyrannen.

Kindchen-Schema soll Abhilfe verschaffen

Möglicherweise griff Nehammer deswegen erst kürzlich zu einem – in der ÖVP – mittlerweile altbewährten Mittel: Er veröffentlichte den rührenden Brief eines Kindes, den er zu Neujahr erhalten haben will. Dass er den angeblichen Kinderbrief erst jetzt veröffentlicht – Neujahr ist nun doch schon ein Weilchen her – ein weiteres Indiz dafür, dass es sich um eine gezielte PR-Aktion handelt.

Nehammer schreibt: „Mich erreichen täglich viele Nachrichten. Ein Brief ist zu Neujahr besonders herausgestochen – Absender war die 7-jährige Alexandra. Danke für die schöne Zeichnung und das nette Gespräch mit dir und deiner Mutter.“

Gemeinsam mit ihrer Mutter besuchte die kleine Alexandra Innenminister Karl Nehammer:

Angeblich 7-Jährige: „Bleiben Sie lange im Amt!“

„Sie machen Österreich wieder sicher!!“ soll die erst 7-jährige Alexandra in bemerkenswert sicherer Schrift den Innenminister gelobt haben. Da freut sich der „Onkel Karli“ aber! Behaupten doch so viele seit dem Wiener Terroranschlag das genaue Gegenteil. So auch der Prüfbericht der Untersuchungskommission zum Umgang des Nehammer unterstellten Verfassungsschutzes mit dem späteren Terroristen. Doch das ist noch nicht alles. „Alexandra“ soll dem Innenminister auch wünschen, dass er „lange im Amt“ bleibe! Die 7-Jährige beherrscht offenbar nicht nur das Schreiben bereits wie ein Profi, nein, sie dürfte auch in politischer Bildung und Staatsbürgerkunde bereits bestens bewandert sein!

Glauben Sie, dass eine 7-Jährige diesen Brief geschrieben hat?

Spott für Minister

Die Kommentare zum Facebookbeitrag zeigen, dass viele nicht glauben, dass der Brief von einem kleinen Kind stammt. Das Gros der 316 Kommentatoren spottete über die „PR-Masche“ des Ministers. Die Nutzer reagierten mehrheitlich mit „Haha“-Emoticons auf den Beitrag.

Kritisch kommentierte Carlos A.: „Das hat die Mama aber schön geschrieben. Oder wars der Papa? Die kleine Alexandra wars ganz sicher nicht. Die ist bloß verschaukelt und für eine fürchterliche Peinlichkeit missbraucht worden.“

Empört zeigte sich Walden S.: „Schon peinlich wenn man Kinder für die PR einspannen muss, weil man selbst nicht in der Lage ist einen positiven Eindruck zu vermitteln. … noch schlimmer das man Kinder zu sowas anregt.“

Zynisch reagierte Bartleby S.: „… die kleine Alexandra aus Mürzzuschlag wir noch lernen, dass man besser nichts unterschreibt, was man nicht verstanden hat!“

Humor bewies auch Maggie K.: „Wenn man positive PR braucht und sich plötzlich an die zwei Kinderbriefe zu Weihnachten erinnert..“

Alter Schmäh?

Die ÖVP verwendet auch gezielt in der Regierung Kinder zu Werbezwecken. Wir alle erinnern uns an den „Babyelefanten“-Besuch bei Kanzler und Gesundheitsminister. Viele wiesen damals bei der offensichtlichen Werbeaktion für den Sicherheitsabstand darauf hin, dass der kleine Bub im Elefantenkostüm sehr widerwillig wirkte.

Doch auch die Kinderbriefe-PR ist nichts neues: Bereits im Dezember veröffentlichte Nehammers Parteikollege, Bundeskanzler Sebastian Kurz, einen angeblichen Kinderbrief und erntete dafür viel Spott im Internet. Viele Österreicher zweifelten bereits damals an der Echtheit des Briefes vom angeblich 7-jährigen Jakob. Darin ging es um das im Zuge der türkis-grünen Corona-Politik zuvor untersagte Nikolausfest. Großzügig genehmigte der Kanzler eine Ausnahme.

Kanzler: Kinder für Werbevideo gecastet und getestet

Viele äußerten den Vorwurf, der Kanzler würde Kinder instrumentalisieren. Erst unlängst berichtete WOCHENBLICK, dass das Bundeskanzleramt Volksschulkinder casten ließ, um in einem Werbevideo für die Corona-Politik mitzuwirken. Dafür sollten die Kinder auch getestet werden, die Eltern erhielten im Gegenzug läppische 30 Euro „Gage“.

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