Nicht alles, das hinkt, ist ein Vergleich: Unter Berufung auf nicht näher genannte „Kritiker“ stellt die Oberösterreich-Krone heute in ihrer Printausgabe eine vermeintliche Verbindung zwischen dem Anteil an FPÖ-Wählern in einem Bezirk und der Höhe der 7-Tages-Inzidenz in besagten Gebieten. Diese unseriöse journalistische Propaganda-Arbeit verkauft man dem Leser obendrein unironisch als „Fakten-Check“.

Zwar erwähnen die beiden verantwortlichen Krone-Journalisten, dass die „Theorie der Kritiker nur bedingt“ zutreffe. Allerdings arbeitet man heraus, dass etwa ausgerechnet der Bezirk Braunau mit einer 7-Tages-Inzidenz von 305,1 an der Spitze läge. Und dieser Bezirk habe immerhin bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2015 einen Blauwähleranteil von 37,22 Prozent gehabt.

Äpfel und Birnen werden verglichen

Als wäre der Äpfel-Birnen-Vergleich – die vermeintlich exorbitante 7-Tages-Inzidenz betreffen insgesamt 327 Personen bei einer Bevölkerungszahl von knapp 106.000 Einwohnern – nicht übel genug, stellt man dem die Bezirke mit der niedrigsten Inzidenz entgegen. Und dort stelle sich heraus, dass die ÖVP in allen betroffenen Bezirken die stärkste Partei sei. Das ist aber keine Besonderheit, denn in vierzehn von achtzehn Bezirken stellte die Kanzler- und Landeshauptmann-Partei die meisten Wähler.

Für ein wenig billiges Framing reicht es dennoch: Sogar die Stadt Linz, bei der drei Parteien fast gleichauf lagen und weniger ÖVP-Anteil hatte (28,01%) als sämtliche Bezirke mit der größten Inzidenz (zwischen 30,36 und 40,03), wird hier als angeblicher schwarzer Hort der Gesundheit dargestellt. Der Gesundheitsstadtrat ist dort übrigens mit Michael Raml ein Freiheitlicher. 

Detailergebnisse zerstören Krone-Propaganda

Wie aberwitzig solche Vergleiche sind, würden die Detailergebnisse zeigen. Denn ein großer Anteil im Bezirk Braunau gehen auf ein größeres Cluster in Mattighofen mit mindestens 70 Testpositiven zurück. Hier könnte man, wenn man wollte auch andere demographische Maßstäbe ansetzen. So hat das wirtschaftliche Zentrum des Bezirks einen hohen Migrantenanteil. Dort regiert übrigens ein roter Bürgermeister.

Für die „Krone“ hingegen ist es ein Grund, den gesamten – großteils ländlich geprägten – Bezirk aufgrund seines Charakters als FPÖ-Hochburg als Seuchengebiet darzustellen und dabei sogar noch eine Kausalität anzusetzen. Dabei wäre es rein rechnerisch genauso gut möglich, dass eine Partei knapp 99,7 Prozent an Stimmen hätte und nicht ein einziger ihrer Wähler im Bezirk einen positiven Corona-Test produzierte.

Hüben wie drüben: Verächtlichmachung der Opposition

Solch unseriöse Vergleiche, um die einzige wirkliche Opposition gegen das Maßnahmen-Chaos der Regierung zu vernadern, sind kein Einzelfall. Ähnliches versucht man bereits in Deutschland mit der AfD. Nicht die nähe zur tschechischen Grenze als – trotz oder gerade wegen seines strengen Corona-Regimes – Hotspot Europas, sondern den hohen Anteil an AfD-Wählern in Sachsen behaupteten deutsche Medien im Dezember als Treiber der sogenannten Pandemie – auch hier nur anhand zufälliger Zahlen.

Eine Verbindung versuchen regierungstreue Blätter dabei auch gerne mit Demos gegen die totalitäre Corona-Politik herzustellen – hüben wie drüben. Im Feber machte eine absurde „Studie“ die Runde, die mit aberwitzigen Parametern unterstellte, dass die Kundgebungen für bis zu 21.000 Fälle verantwortlich sein könnten. Den Teil, dass dies über den Zeitraum von sechs Wochen knappe 2 Prozent des gesamten Corona-Geschehens war, erwähnten sie nicht.

Billiges Framing anhand unseriöser Vergleichswerte

Und der heimische Kurier setzte diesem Framing noch eine Kirsche drauf: Mit knapp vier Wochen Verspätung nahm man das auf Basis der Zahlen im November und Dezember erstellte Machwerk am Sonntag als Grundlage, um dies ebenfalls als „Fakt“ darzustellen. Für die Bebilderung nahm man ein Foto von der Demo am Samstag in Wien, um eine angebliche Verbindung zu suggerieren. Ein Schelm…

Natürlich haben all diese Vergleiche eines gemein: Sie sind unseriös. Anstatt die Wähler einzelner Parteien zu vergleichen, könnte man als Vergleichswert auch hernehmen, wie viele Menschen dort eine Brille tragen, einen Traktor besitzen oder wie häufig die Männer im Bezirk ihren Frauen einen Strauß Blumen schenken. Im Wahljahr versucht man sich hingegen in politischem Kleingeld für die Kurz-Stelzer-Riege.