Feurige Szenen spielten sich zum wiederholten Mal im berüchtigten Migranten-Camp Moria nahe der europäischen Außengrenzen ab. 

von Kornelia Kirchweger

Wieder Chaosnacht mit Brandlegung im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos: weil 35 Migranten positiv auf Corona getestet wurden und mit ihren Familien und Kontaktpersonen außerhalb des Camps isoliert werden sollten, kam es zu Aufständen und Brandlegung.

Migranten-Tumulte wegen Corona

Die Zelte rund um Moria und Wohncontainer des Isolier-Areals wurden im Zuge der Auseinandersetzungen abgefackelt. Die Gegend gleicht einem Kriegsschauplatz. Fotos davon kursieren in den sozialen Medien. Der Tumult brach aus, als sich das Gerücht bezüglich der Umquartierung der infizierten Personen verbreitete.

Einige Migranten weigerten sich, zu gehen. Eine große Gruppe verließen im Morgengrauen das Camp in Richtung Berge, sie hofften, dort vor einer Corona-Ansteckung sicher zu sein, die von den im Camp Verweilenden ausging. Sie durchquerten das Dorf Moria Richtung der Stadt Mytilene, wo Truppen Barrieren errichtet hatten, um sie am Betreten zu hindern.

Griechische Politiker eilen aus Athen auf die Insel, um das Ausmaß der Katastrophe zu begutachten. Die Bevölkerung hat jedenfalls genug. Auch von dieser Seite droht bald massiver Widerstand

Moria kann überall entstehen

Das Flüchtlingslager Moria ist immer wieder Hot-Spot für Aufstände und Brandlegung. Es ist für 3.000 Menschen ausgerichtet. Tatsächlich leben dort knapp 20.000 Asylforderer. Schon vor Jahren berichteten Medien, Teile des Camps werden vom IS (Islamischer Staat) kontrolliert werden.

Im März kam es auf Lesbos erneut zu Tumulten, weil immer mehr Migranten auf der Insel landeten. Einheimische blockierten den Hafen und die Zufahrten zu ihren Camps, attackierten NGO-Leute und hielten einen UNO-Vertreter, Journalisten und einen Stadtrat von Mytilene fest.

Im April hackten Migranten aus dem Camp Moria, bis zu 5.000 Olivenbäume um, sie brauchten Feuerholz. Es kam auch zu Übergriffen auf die lokale Bevölkerung. Olivenbäume gelten in Griechenland als Kulturgut. In den umliegenden Dörfern musste die Bevölkerung, mittlerweile in der Minderheit, dem Treiben hilflos zusehen. Auch Kirchen und darin befindliche Kulturgüter werden immer wieder zerstört.

EU-Asylpolitik zerstört Europa

Griechische Politiker haben bisher nicht viel ausgerichtet. Die EU-Asylpolitik wirkt wie ein Magnet auf Migranten und Schlepper. Die viel versprochene Sicherung der Außengrenze findet nicht statt. Der aktuell im Geheimen verhandelte, neue EU-Migrationspakt sieht angeblich eine Solidaritätsklausel vor – sprich, die Verteilung der Migranten auf alle EU-Staaten. Daran spießt sich aber, seit langem, das Zustandekommen einer gemeinsamen EU-Asylpolitik.